Witzig, bunt, vielseitig

Bertold Obergföll

Von Bertold Obergföll

Mo, 22. Januar 2018

Ettenheim

Die Gelruewe-Ritter zeigten beim Brauchtumsabend ein facettenreiches Programm.

ETTENHEIM-MÜNCHWEIER. Die "Minchwiirer" können eine tolle Fasent auf die Beine stellen. Das zeigten sie wieder einmal am Samstagabend in der ausverkauften Festhalle beim Brauchtumsabend der Gelruewe-Ritter. Höhepunkte waren zweifellos das Duo "Harald und Gerold" und die "Dancing Carrots" zum Ende der Veranstaltung.

Susanne Zanger, Gelruewe-Ritterfrau bis tief in die Fasnachtsseele, richtet die letzten Requisiten, kontrolliert, weiß alles, gibt die Kommandos für die Licht- und Tontechnik. Das Duo Ohrwurm stimmt mit Fasentoldies das Publikum ein. Dann ziehen mit Standarte und Masken die Akteure ein.

Im ersten Jahr ist dieses Mal die Guggemusik Dorfschlurbi dabei. Benjamin Gruber, ihr musikalischer Leiter, 39 Jahre jung, gibt Ton und Rhythmus an für Posaune, Klarinette, Susaphon, Tenorhorn und Schlagwerk. Auf einem winzigen Zettel kleben die einstudierten Titel der Guggemusik: Stand by me love, Mamma Loo (Abba), Power of Love, Sag mir quando, sag mir wann. Es sind mittlerweile neun Musiker und zwei Musikerinnen an der Trommel und am Tempelblock. Sie kommen aus der nahen Umgebung, aus Wallburg, Herbolzheim. Oder aus Thüringen, wie Benno, der mit seiner Tuba bei allen Kapellen begehrt ist. Ihre Anfänge waren nichts Besonderes. Da hatte ihr Leiter "Grubi" eine Idee, die anderen sind nach und nach dazu gestoßen. Sie spielen auch für Kindergärten, demnächst bereichern sie den Fasentumzug in Münchweier. Jedes neue Mitglied ist willkommen, Notenkenntnis braucht man nicht. Das lerne man schon mit den Proben.

Nach ihnen erfreut der Narresome der Gelruewe mit einem lustigen Wickie-Tanz die Gäste. Das Gelruewe-TV der Hästräger hat hohen Unterhaltungswert. Sie zappen sich mit viel Witz durchs allabendlich, oft immer gleiche Programm. Frank Singler moderiert die Auftritte, je später aber jedoch der Abend wird, umso flacher werden auch seine Witze.

Dann stehen Dehnen, Strecken und Lambada mit dem jungen Ballett des SV Münchweier auf dem Programm, einstudiert von Sabrina Rieder und Julia Wangler. "Alfons und Zitzl" (Markus Binz und Markus Speier) bekommen krachende Lacher aus dem Publikum zur Belohnung. Je mehr Pannen sie erleiden, desto größer wird der Spaß mit ihnen. Zwei Fasnachter auf dem Weg nach ganz oben.

Ein dramatischer Verlust: die Tankstelle

Vor der Pause gibt es dann noch ein mitreißendes Disco-Medley. "In Knallpink und modischen Jogginganzügen" zeigt die gemischte Formation Dancing Generation, was sie kann. Professionell in Technik, Stimme und Mimik sind Verena Kern und Markus Ibig in ihren Tagesschau-News. Sie glossieren "dramatische" Ereignisse des vergangenen Jahres, wie den Verlust der örtlichen Tankstelle für die dortigen, überproportional vielen Bulldog-Fahrer.

Nach der Pause gibt es lebhafte Jagdszenen in James-Bond-Manier von den Hästrägern. Der MGV Sunshine Chor lobt in Fasnachtsliedern: "Der Stolz von Ettenheim, das kann ja nur Münchweier sein". Kleine Sticheleien gegen die Kernstadt – Bürgermeister-Stellvertreterin Ulrike Schmidt und Ortsvorsteherin Charlotte Götz nehmen es schmunzelnd zur Kenntnis. Die Vorzüge des "Minchwiirer Weines" hebt Karin Schmieder im Gelruewe-Dirndl als Weinkönigin Burgunda I. hervor. Es folgt eine gelungene Choreographie, präsentiert von der Dancefloor-Destruction mit toller Abschlusspyramide.

Dann folgen die unbezweifelbaren Höhepunkte nach vielen tollen Leistungen. Zuerst die verkehrte Welt an Fasent: Eine ungeduldige Bauersfrau und Bulldog-Fahrerin übernimmt auf der Zulassungsstelle kurzerhand das Kommando und treibt den Beamten zur Arbeit an. Ein wunderbarer Sketch und eine Riesengaudi mit Gerold Ebert und Harald Sutterer.

Zum glorreichen Abschluss des Brauchtumsabends der Gelruewe-Ritter dann die Dancing Carrots, sozusagen die Gelruewe-Armee. Sie sind eine Boys-Group-Formation der Narrenzunft Gelruewe-Ritter: Das unglaublich dynamisch auftretende Männerballett in Springerstiefeln und Marine-Korps-Tarnanzug. Fliegende, rollende, marschierende und närrisch salutierende junge Männer in atemberaubender Ballettmanier. Die Jungs haben Sagenhaftes geleistet unter der Anleitung ihrer Trainerinnen Anke und Meike Siefer. Die Zugaberufe wollten kein Ende nehmen. Zur fasnächtlichen Atmosphäre in der Festhalle passten auch die neuen Figuren des Gelruewe-Bür mit Gelruewe-Haken.