Rust

Europa-Park will die Seilbahn-Idee in den nächsten fünf Jahren nicht weiterverfolgen

Karl Kovacs

Von Karl Kovacs

Fr, 07. Dezember 2018 um 11:05 Uhr

Rust

Überraschende Kehrtwende in Rust: Europa-Park-Chef Michael Mack kündigt an, das umstrittene Vorhaben einer Seilbahn ins Elsass fünf Jahre lang auf Eis zu legen. In der Zeit soll ein Dialog mit allen Beteiligten geführt werden.

Die Idee des Europa-Parks, Deutschland und Frankreich mit einer Seilbahn zu verbinden, hat seit ihrem Bekanntwerden Anfang November für teils hitzige Diskussionen gesorgt. Vor allem Naturschutzverbände befürchten dadurch negative Auswirkungen auf Tiere und Natur im Naturschutzgebiet Taubergießen, weil die Bahn möglicherweise über Teile des Gebiets gebaut werden könnte.

In zahlreichen Statements lehnten die Verbände die Idee ab, während der Freizeitpark, das Landratsamt Ortenaukreis sowie hochrangige Politiker, darunter Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, sie begrüßten. Am Freitag nun die überraschende Kehrtwende: Michael Mack, einer der Inhaber des Parks, teilte über Twitter mit, dass die "Seilbahn der Freundschaft", wie er die Idee nennt, in den nächsten fünf Jahren nicht weiterverfolgt werden soll.



Auf diesen Schritt habe sich der Freizeitpark mit dem Ruster Gemeinderat geeinigt. In dieser Zeit werde es keinen "Antrag zur Durchführung eines Genehmigungsverfahrens" geben. In einem Schreiben legt Michael Mack in fünf Punkten die Sicht der Verantwortlichen des Europa-Parks dar.

Dabei wird deutlich: Mack steht weiterhin hinter der Seilbahn-Idee. "Eine ,Seilbahn der Freundschaft’ zwischen dem Elsass und Rust wäre aus unserer Sicht ein kraftvolles und nachhaltiges Symbol grenzübergreifender Zusammenarbeit", schreibt Mack. Damit könne im Rahmen eines Gesamtkonzepts zudem eine "neue, klimafreundliche und emissionsarme Mobilität für die Region" geschaffen werden.

Michael Mack: Eine Seilbahn darf das Taubergießen nicht beeinträchtigen

Der Park, heißt es in einem weiteren Punkt, teile die Auffassung des Ruster Gemeinderats und von Bürgermeister Kai-Achim Klare, dass der Bau nicht zu einer Beeinträchtigung des "wertvollen Naturraums Taubergießen" führen dürfe. Zur Erinnerung: Der Gemeinderat hatte Mitte November mit einer Resolution auf die Seilbahn-Pläne des Parks reagiert. Darin sind drei zentrale Forderungen formuliert: Offenheit, Naturverträglichkeit und Transparenz.

Studien zu Auswirkungen auf die Natur sollen in Auftrag gegeben werden

Michael Mack versichert in dem Schreiben: "Den Anliegen in der Bevölkerung, aus der Politik und den Verbänden soll Rechnung getragen werden. Wir wollen die offenen Fragen, insbesondere im Bereich des Naturschutzes, im Miteinander lösen." Während des fünfjährigen Moratoriums will der Freizeitpark in einen Dialog mit allen beteiligten vor Ort treten.

Auch Studien zu den Auswirkungen einer Seilbahn auf die Natur sollen in Auftrag gegeben werden. Dadurch könnten Bedenken ausgeräumt und eine einvernehmliche Lösung gefunden werden.

Abschließend unterstreicht der Park-Inhaber die Partnerschaft mit der Gemeinde Rust und der Region, die seit mehr als 40 Jahren bestehe. Michael Mack betont weiter, dass bei der Seilbahn eine Entscheidung getroffen werden soll, "die von der Region mitgetragen wird".

In einem Gespräch mit der Badischen Zeitung hatte Mack vor knapp drei Wochen Kommunikationspannen eingeräumt. Das Thema habe sich nach dem Treffen mit Präsident Macron verselbständigt und sei zu früh an die Öffentlichkeit gedrungen. Zudem äußerte er sein Unverständnis über die Reaktionen einiger Naturschutzverbände, zeigte sich aber gesprächsbereit: Er wolle mit den Verbände in den Dialog treten.

BUND begrüßt den Entschluss, bleibt aber skeptisch

Der Regionalverband Südlicher Oberrhein des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt die Kehrtwende des Parks erwartungsgemäß. Skeptisch bleibt BUND-Geschäftsführer Axel Mayer dennoch: "Wir hoffen, dass es jetzt nicht darum geht, das naturgefährdende Projekt netter als bisher durchzusetzen und einfach nur geschickter und besser zu kommunizieren." Die Bezeichnung "Seilbahn der Freundschaft", so Mayer, lege dies nahe.

Das Hauptproblem in der Region rund um den Europa-Park seien fehlende Parkplätze. "Dieses Problem darf auch in fünf Jahren nicht auf Kosten der Natur gelöst werden", betont Axel Mayer. Eine Seilbahn ist nach Ansicht des BUND nur dann umweltfreundlich, wenn damit der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) angeschlossen werde. "Sie bringt aber nichts, wenn auf der anderen Seite im Elsass ein riesiger Parkplatz entsteht."

Unterstützen werde der BUND dagegen Konzepte, um den Park besser an den ÖPNV anzuschließen oder wenn es um die Einrichtung eines ICE-Halts in Ringsheim geht, wogegen sich die Deutsche Bahn bislang ausgesprochen hat. "Es könnte durchaus sinnvoll sein, den Bahnhof per Seilbahn mit dem Park zu verbinden", sagt Mayer.