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06. Februar 2013

Feuerblumen und ein Stück Endinger Geschichte

Helga Eberle las im "Alten Wagenmann" aus ihrem historisch-biografischen Roman / Carmen Kroese stellt bis 2. April ihre Bilder aus .

  1. Helga Eberle signiert nach der Lesung ihren historisch-biografischen Roman, der auch ein Stück Endinger Geschichte enthält. Foto: Hülter-Hassler

ENDINGEN. Das renommierte Café und die Konditorei Dirr in Bad Krozingen sind vielen Älteren noch ein Begriff. Julius Dirr hat es betrieben und seine Lebensgeschichte beginnt im Endinger Haus Wagenmann. Seine Mutter Katharina stammte aus Wyhl und war in zweiter Ehe mit dem Notar Ludwig Biechele verheiratet. Um diese Personen und ihre Geschichte rankt sich der Inhalt des historisch-biographischen Romans von Helga Eberle mit dem geheimnisvollen Titel "Feuerblumen in Arkansas?" Am Samstag las sie im "Alten Wagenmann".

Der Karton mit Briefen von Katharina Dirr stand schon für den Sperrmüll bereit, als sie Helga Eberle in die Hände fielen. Klothilde, eine der Dirr-Töchter, war ihre Schwiegermutter, der sie auch nach dem Scheitern ihrer Ehe mit deren Sohn verbunden blieb. Als nach Klothildes Tod das Haus in der Bad Krozinger Grabenstraße verkauft und abgerissen werden sollte, durfte sich Helga Eberle einige Erinnerungstücke aussuchen. Darunter das Rezeptbuch von Julius Dirr und die Briefe von Katharina Biechele, seiner Mutter.

Jetzt hat die in Freiburg lebende Autorin daraus einen Roman mit vielen einzelnen, spannenden Kapiteln verfasst: "Feuerblumen in Arkansas?" Es ist eine Familiengeschichte, die 1841 in Wyhl mit der Geburt von Katharina Breul beginnt und sich über einige Generationen zieht. Julius ist der Sohn aus Katharinas nur zwei Jahre dauernden Ehe mit Simeon Dirr. Die junge Witwe heiratet später den wesentlich älteren großherzoglichen Notar Ludwig Biechele aus Endingen und wohnt mit ihm im dritten Stockwerk des Anwesens "Wagenmann".

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"Deshalb sind wir heute hier!" sagt die 78-jährige Autorin, die am Samstag in den "Alten Wagenmann" nach Endingen zu einer Lesung eingeladen hatte. "Die Wahrheit soll ans Tageslicht kommen", beginnt Helga Eberle ihre eindringliche Lesung, in deren Verlauf vor allem Frauenschicksale beleuchtet werden. Auch die Geschichte der Anna Schniedenwind, die im Jahr 1751 in Endingen als Hexe verbrannt wurde, spielt eine Rolle.

"Verwöhn sie nicht zu sehr, gib ihr Arbeit, am besten sorge dafür, dass sie schwanger wird!" rät im Buch beispielsweise ein Arzt dem über seine anstrengende Frau lamentierenden Notar. Zur Sprache kommen die Not und die Armut in jenen Jahren und die Emigration von Katharinas Brüdern nach Arkansas in Amerika im Jahr 1876.

Rückblickend ist das Grab von Katharina auf dem Endinger Friedhof überwuchert von "Feuerblumen". Ob der im Volksmund als Feuerblume bezeichnete Klatschmohn auch in Arkansas blüht, fragt der Titel des Buches.

Auch die vielfach ausgezeichnete Künstlerin, die das Buchcover gestaltet hat, ist an diesem Samstag anwesend. Die Schweizerin Carmen Kroese nutzt ihren Abstecher am Kaiserstuhl für eine Bilderausstellung in der Gaststätte "Zum Alten Wagenmann". Die Werke, in verschiedenen Techniken gearbeitet, sind spannend, voller Energie und Farbgewalt. Noch bis zum 2. April sind die Bilder in Endingen zu sehen.

Die dritte Frau im Bunde an diesem Spätnachmittag ist die Liedermacherin Sonja Schmid, die mit klugen und witzigen Darbietungen die Zusammenkunft perfekt abrundet.

Wie die Geschichte weitergeht mit Julius Dirr und seinen drei Töchtern, verrät Helga Eberle an diesem Samstag nicht. Nur soviel: "In meinem Buch ist alles authentisch." Eine Ausnahme ist die Figur der erfundenen Kräuterfrau Ela. "Die habe ich gebraucht." Ansonsten aber, so die Autorin, sei das Buch in den Briefen gleichsam schon da gewesen und musste nur noch aufgeschrieben werden.

Info: "Feuerblumen in Arkansas?", erschienen im Redi-Roma-Verlag, ISBN: 978-3-86870-438-9. Preis: 11,95 Euro. Die Ausstellung von Carmen Kroese ist bis 2. April im "Alten Wagenmann" zu sehen.

Autor: Christel Hülter-Hassler