Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
26. Oktober 2009 16:14 Uhr
Wohnheimkette
Firma plant privates Studiwohnheim in Freiburg
Studentenbuden sind knapp in Freiburg. Jetzt plant eine Münchner Firma auf dem Brielmann-Gelände ein Studentenwohnheim. Es wäre der erste Bau einer kommerziellen Wohnheimkette in Deutschland – und womöglich nicht der letzte.
Zum Wintersemester 2011 sollen die Bewohner in das Gebäude der IQ International Quarters einziehen. Ein weiteres Heim ist mittelfristig in Planung, und auch IQ-Konkurrent Youniq interessiert sich für Freiburg.
"Die Universitäten machen sich vielfach Gedanken, Studienangebot und Studienplätze auszubauen. Aber Überlegungen, wo die Studenten wohnen sollen, kommen etwas zu kurz", sagt Horst Lieder, Mitinitiator von IQ. Bedarf an Wohnraum besteht, bestätigt Renate Heyberger vom Studentenwerk Freiburg. Besonders weil in den kommenden Jahren wegen des achtjährigen Gymnasiums die doppelten Abitursjahrgänge an die Unis kommen. Deshalb hat IQ neben vier weiteren Städten Freiburg als Standort ausgewählt.
Freiburg – ein Wunschkandidat
In Freiburg gibt es derzeit 17 Studierenden-Wohnheime – zehn vom Studentenwerk und sieben von anderen Trägern. Insgesamt gibt es 4061 Wohnheimplätze. 3156 davon bietet das Studentenwerk an.
"Dass es kommerzielle Anbieter gibt, ist bekannt", sagt Heyberger zu den Plänen von IQ, "aber von konkreten Projekten in Freiburg weiß ich nichts." Lediglich die Firma Youniq habe im Frühjahr Interesse bekundet. Die Frankfurter Firma ist IQs Konkurrent und bietet bereits bundesweit 500 Wohnheimplätze. "Freiburg ist für uns natürlich ein Wunschkandidat", sagt Youniq-Sprecherin Semra Aksu.
Werbung
IQ plant bereits: 25 bis 30 Millionen Euro will die Firma auf dem Brielmann-Gelände an der Ecke Berliner Allee und Breisacher Straße investieren. Das Geld kommt von privaten Investoren. Für das Haus mit 230 Plätzen will IQ als Projektentwickler die Freiburger Bauträgergesellschaft Unmüssig gewonnen haben: "Wir sind uns soweit einig", so Lieder zum Verhandlungsstand. Der Bauantrag werde demnächst eingereicht."
Ein Platz im Wohnheim soll zwischen 350 und 400 Euro pro Monat kosten. Zum Vergleich: Im neuen Studentenwerk-Bau Oikos kostet der zwischen 240 und 300 Euro, im katholischen Alban-Stolz-Haus ab 175 Euro im Monat. "Unser Angebot ist durchaus im oberen Drittel angesiedelt", räumt Lieder ein, "wir wollen auch eine zeitgemäßere Antwort auf die Bedürfnisse der Studenten geben als Studentenwerk und kirchliche Träger".
IQ habe mit einer Studie der TU München die Bedürfnisse der Studenten ermittelt. Auch baut IQ im Internet eine sogenannte Community auf. "Es fehlt eine zentrale Anlaufstelle für studentisches Wohnen", sagt Lieder. Ergebnisse der IQ-Forschung werden in Freiburg umgesetzt: Räume für gemeinsames Lernen, eine stets besetzte Rezeption und Freizeitangebote. "Geplant ist etwa, dass die Schlüsselkarte auch Mitgliedskarte eines Fitnessclubs ist", so Lieder.
Der Bau an der Berliner Allee sei der Auftakt für IQ in Freiburg. "Wir sehen einen Bedarf von insgesamt 400 bis 500 Plätzen", sagt Lieder. Ein zweites Wohnheim sei geplant, um drei Standorte verhandle IQ derzeit.
Nur: Geeignete Grundstücke seien rar. Sie müssen in Uninähe liegen sowie gut an Bus und Straßenbahn angebunden sein. "Solche Flächen sind aber in Freiburg auch für gehobene Wohnbebauung interessant", sagt Lieder. IQ sei da im Nachteil gegenüber Kirchen und Staat, "die haben ganz andere Möglichkeiten, an Bauland zu kommen."
Autor: Stefan Merkle


