Aus dem Tümpel wird ein Kleinod

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Mo, 27. März 2017

Fischingen

Teichbiotop nahe Fischingen auf Vordermann gebracht / Die ersten Amphibien sind bereits eingezogen.

FISCHINGEN. Verschlammt und verschattet schlummerte das Teichbiotop nahe Fischingen vor sich hin. Nun ist es frei gelegt, von zusätzlichen Miniteichen umgeben, und mit Bergmolch und Grasfrosch sind bereits die ersten Amphibien eingezogen. Der Einladung zur Begehung des Biotops folgten 24 Interessierte, darunter Sigrid Meineke, Geschäftsführerin des Landschaftserhaltungsverbands (LEV) im Landkreis Lörrach und ihr Nachfolger, Diplombiologe Friedhelm Keil. Keil arbeitet bereits im LEV und tritt dort zum 1. April seine Stelle als Geschäftsführer an.

Dank der Vermittlertätigkeit des LEV war die Wiederherstellung des Biotops für die Gemeinde Fischingen gratis. Wie Bürgermeister Axel Moick sagte, war Fischingen eines der ersten Mitglieder im LEV: "Hier haben wir nun ein praktisch sichtbares Ergebnis". Vor der Freistellung habe das Biotop nicht viel Lebensraum geboten, stellte Diplombiologin Meineke fest. Nach den Arbeiten unter der Bauleitung des LEV blieben sechs Bäume stehen, der Teich mit seinem natürlichen Durchfluss wurde ausgebaggert. Dort lagerte eine ein Meter hohe Faulschlammschicht, dazu Meineke: "Da hat effektiv Niemand drin gelebt". 15 000 Euro kostete das Projekt. Zwei Drittel der Kosten finanzierte der Landkreis Lörrach aus seinem Programm "Die Perlen des Landkreises", ein Drittel sind Landesgelder im Rahmen der Landschaftspflegerichtlinie. Wie Stefan Kaiser, Vorstandsmitglied des Naturschutzbunds (Nabu) Lörrach erläuterte, wurden hier die Voraussetzungen für die Ansiedlung von Geburtshelfer- und Kreuzkröten, Gelbbauchunken, Berg- und Fadenmolchen und Grasfröschen geschaffen. Damit deren Nachkommen nicht als Fischfutter endeten, bräuchten diese Amphibienarten allesamt fischfreie Laichgewässer. Ansonsten seien ihre Ansprüche unterschiedlich: Geburtshelferkröten bräuchten Laichgewässer, die tief genug seien, dass das Wasser im Winter nicht komplett einfrieren könne und drumherum lockeren, sandigen Boden. Gelbbauchunken benötigten kleine flache Gewässer, Kreuzkröten bräuchten Gewässer, die einmal im Jahr austrockneten. Somit wurden rings um das Teichbiotop vier ungleich große und tiefe, von Regenwasser gespeiste Wannen eingegraben, sandige Kiesflächen und ein Steinriegel angelegt. Dass in diese Miniteiche auch Molche und Grasfrösche einziehen können, bewiesen frischer Froschlaich und ein kleiner Bergmolch. Der Weiher selbst, so Kaiser, eigne sich gut für Erdkröten, heimische Fische und Vogelarten wie den Zwergtaucher. Nebenan liegt die von Klaus Schelb gepflegte Streuobstwiese samt Nistkästen, Bienenhotels und Reisighaufen, nicht weit entfernt ist der von Wildbienen besiedelte Läufelberg. Somit ist hier viel Lebensraum geboten. Selbst den seltenen Wiedehopf habe er 2016 hier zweimal gesehen, sagte Schelb.

Die Bürger stellten etliche Fragen und wollten auch wissen, woher denn die Amphibien kommen sollten. Hierzu sagte Kaiser, in der Ebene zwischen Eimeldingen, Fischingen und Binzen gebe es zehn Laichgewässer, insbesondere für die "sehr mobilen" Kreuzkröten. Auch vom Hartberg her und aus Fischingens Gärten und Gartenteichen könne eine Besiedlung erfolgen. Um die Pflege des Biotops kümmert sich der Landschaftspflegebetrieb Seywald aus Ballrechten-Dottingen: Es gilt, die offene Fläche regelmäßig abzumähen und die Kiesflächen von Bewuchs frei zu halten. Die Pflegearbeiten im Auftrag des LEV zahle das Land, so Meineke. Wie sie klar stellte, solle man weder in die Teiche hinein laufen noch Steine hinein werfen – und auf keinen Fall dort Fische aussetzen. Damit die Bürger dem Biotop nicht unabsichtlich Schaden zufügen, denkt man nun darüber nach, es durch eine Art Weidezaun zu umgeben und eine Infotafel aufzustellen.