Lehrreiche Stunden in Sachen Heimatkunde

Roland Vitt

Von Roland Vitt

Mo, 06. August 2018

Forchheim

Forchheimer Geschichtskreis bot Wanderung zum Leopoldskanal und Wissenswertes über den Forchheimer Lindenbaum.

FORCHHEIM. Der Lindenbaum am Lindenbrunnenweg ist ein geschichtsträchtiger Baum, der vielen Forchheimern ans Herz gewachsen ist. Die besondere Bedeutung der Winterlinde vermittelte Heinz Lösch vom Geschichtskreis Forchheim im Rahmen der Ferienspielaktion der Stadt Endingen interessierten Kindern im Alter von acht bis zwölf Jahren.

Von der Sporthalle aus ging’s mit dem Auto zum Lindenbaum, dem Ausgangspunkt einer Wanderung durch den Wald zum Leopoldskanal. Dort angekommen ließen sich die Kinder im Schatten eines großen Baumes nieder, während Christel und Heinz Lösch sowie Konrad Schieble zu erzählen anfingen. Die Kinder erfuhren viel über die Geschichte des Kanals, dessen Bau 1837 begann und 1842 fertiggestellt wurde. Benannt ist er nach Markgraf Leopold von Baden.

Weil die Schneeschmelze im Schwarzwald einst für Überschwemmungen und große Schäden in der Region sorgte, drängten Bauern und Bevölkerung auf den Bau eines Kanals. Von Waldkirch aus wurde der Elzkanal bis Riegel gebaut, von Freiburg der Dreisamkanal bis Riegel. Die Glotter kam in Riegel noch dazu. Die drei Flüsse fließen zusammen in den Leopoldskanal, der wiederum bei Rheinhausen in den Rhein fließt. Die alte Dreisam fließt aber noch über Gottenheim, Eichstetten, Bahlingen, Riegel und treibt Mühlen an. Um die drei Kanäle zu bauen, waren 16 Dörfer von Neuershausen bis Rust beteiligt. Der Leopoldskanal erstreckt sich von Riegel bis zum Rhein über 12,5 Kilometer, das Flussbett ist 25 Meter breit.

Auf dem Rückweg zum Lindenbaum gab es noch manches zu entdecken. Zurück unter der prächtigen Winterlinde, erzählte Heinz Lösch von Baumarten wie Eichen, Buchen, Eschen, Ahorn, Birken, Fichten und Lindenbäumen, die es im 300 Meter entfernten Forchheimer Wald zu bestaunen gibt. Und natürlich erzählte Lösch auch die Geschichte der Forchheimer Winterlinde. Die Kinder blickten ehrfurchtsvoll in das weit in den Himmel ragende Blätterdach des Baumes. Gepflanzt wurde der Baum am 1. September 1881 Siegmund Dienst und seinem Bruder Josef einen Tag vor der Hochzeit von Siegmund Dienst mit Maria Anna Müller. Damals vergruben sie eine Flasche mit einem Brief darin unter den Wurzeln. Niemand weiß, was in dem Brief geschrieben steht. Der Baum ist annähernd 140 Jahre alt und steht immer noch prächtig da. Winterlinden können bis zu 1000 Jahre alt werden. Schon immer standen Winterlinden auf diesem Platz, erzählte Heinz Lösch, und man könne nur hoffen, dass er von Blitzeinschlag verschont bleibt.

Die Linde ist als Hof-, Dorf- und Stadtbaum seit jeher beliebt. Unter der Gerichtslinde hat man früher Wahrheit und Versöhnung gesucht. Lindenblüten braucht’s für Tee und Arzneimittel und als Bienenweide. Auch hat sie einen hohen ökologischen und forstwirtschaftlichen Wert, weshalb sie auch wieder vermehrt im Wald angepflanzt wird.

Die Winterlinde am Lindenbrunnenweg ist 30 Meter hoch. Der von den Kindern gemessene Stockumfang liegt bei rund vier Metern.