Ein Workcamp der besonderen Art

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 22. August 2018

Freiamt

Ehrung für Willy Schneider nun auch in Kenia / Eine Reisegruppe aus Freiamt war dabei – und Spenden, die heilen helfen, im Gepäck.

FREIAMT/KAKAMEGA. Eine Fülle von Ereignissen, Erlebnissen und Erfahrungen – das ist ein Workcamp mit Pfarrer i. R. Willy Schneider im Kinderheim Malaika in der Nähe von Kakamega in Kenia. Freidlinde Bühler war dabei.

Pfarrer in Ruhe Willy Schneider, seine Frau Asuna und viele Freiämter unterstützen seit Jahren dieses Kinderheim. Am 3. April wurde Schneider dafür mit dem Verdienstkreuz ausgezeichnet. In Kenia gibt es als hohe Anerkennung einen Stab, ein Schild, eine Fellmütze und ein Fell und für seine Frau eine Schärpe; natürlich mit viel Musik und Gesang. Nicht viel anders als in Deutschland, konstatiert Bühler: Es gibt viele Reden. Aber hier wird zwischendurch getanzt. Die Trommel-Rhythmen gehen in die Beine.

Vieles ist ungewohnt für die Gäste aus Freiamt. Nicht immer gibt es Wasser oder Strom, jeder Kilometer mit einem Fahrzeug muss gut überlegt werden, da das Benzin so teuer ist wie hier, jedoch das durchschnittliche monatliche Einkommen 30 bis 40 Euro beträgt. Eine Flasche Bier kostet ca. 1,30 Euro, natürlich ungekühlt. Die Kühlkette kann nicht unterbrochen werden, da keine existiert.

In der zum Kinderheim gehörigen Schule, der St. Stefano-Academy, führten die Kinder ein Theaterstück über den Alltag in Kenia mit Not, Gewalt, Unterdrückung und Alkohol auf, dessen kritischer Inhalt die Reisegruppe sehr überrascht, berichtet Bühler. Mit Tänzen nehmen die Kinder dem Inhalt die Schwere, Gesänge und Trommeln geben eine Leichtigkeit.

Die Besucher spielen auch mit den Kindern, deren Konzentration nicht nur die fünf mitgereisten Lehrerinnen erstaunt, so Bühler weiter. Mit großem Eifer bemalen die Kinder T-Shirts oder verschönern mit der Künstlerin Yvonne Gukelberger-Seele die Außenseite des Hauses mit afrikanischen Ornamenten. Auch Backen steht auf dem Programm. Die süßen Teilchen werden sorgfältig abgezählt und verteilt – Süßigkeiten gibt es sehr selten, selbst für die Angestellten. Das Hauptnahrungsmittel ist Ugali, ein Maisbrei, der immer und überall gegessen werden kann. Auch der Reisegruppe schmeckt das Holzofenbrot, dazu gibt es eine Dose Leberwurst von der Schillingerhof-Mühle in Freiamt. Purer badischer Genuss in Äquatornähe.

Von der Arztpraxis Michael Wiederkehr in Freiamt haben die Besucher für das Malaika Health Center mehrere Einmalspritzen, Kanülen und Sicherheitsverweilkatheder mitgebracht. Diese übergeben sie am öffentlichen Gesundheitstag dem Clinical Officer Derrick Masika und Timothy Akhura. Am Gesundheitstag erhalten Patienten eine kostenlose Diagnose und kostenlose Medikamente, was sich viele Menschen in dieser Region nicht leisten können. Mehr als 300 Patienten werden dann behandelt und mit Medikamenten versorgt. Im Health Center werden Schwangere beraten und es gibt die Möglichkeit, dort zu gebären. Wichtig ist ebenso die HIV- Diagnostik und Beratung. Im Labor ist unter anderem der Nachweis von Malaria, Typhus und HIV möglich.

Auffallend sei die Solidarität der Kinder zu kranken und behinderten Schülern, so Bühöer. Zum Beispiel mit Vallery, die in Internat für schwerhörige und gehörlose Kinder in Kakamega besucht. Friedhilde Bühler hat ein Laptop mit spezieller Software zum Training des Hörens mitgebracht. Die Software heißt "Angel" - "Engel", oder auf Kisuali "Malaika". Die Software wird von den Betreuern auch an die Schule von Vallery weitergegeben.

Der Geschäftsführer des afrikanisch-deutschen Partnerschaftsvereins, Christoph Vollmer, machte mit Willy Schneider und Richard Bühler eine Bestandsaufnahme der Gebäude. Die Planungen für neue antiseptische Sanitäranlagen in Schule und Heim, den Bau einer neuen Küche und Personalwohnungen und einer große Solaranlage zur Versorgung von Heim und Schule sind in die Wege geleitet.