Schulzentrum Freiamt

Juniorwahl: CDU vor SPD, Grüne und AfD gleichauf

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

So, 24. September 2017 um 18:00 Uhr

Freiamt

Nein, eine Hochrechnung aus dem Kreis Emmendingen ist dies nicht, sondern eine ganz konkrete Auszählung – allerdings der Junior-Wahl, an der sich unter anderem das Schulzentrum Freiamt beteiligt hat.

FREIAMT (BZ/ja). Das Schulzentrum Freiamt hat sich an der Juniorwahl beteiligt; 48 Acht- und Neuntklässler waren dort zur Wahl aufgerufen. Das Ergebnis: Die CDU liegt mit 22,9 Prozent vor der SPD mit 18,8 Prozent. Auf Platz drei liegen mit 16,7 Prozent AfD und Grüne. Die Linke kam auf 12,5 Prozent, die Rechte auf 6,3 Prozent und jeweils 2,1 Prozent entfielen auf die FDP, "Die Partei" und "Menschliche Welt." Bei den Erststimmen hatte Peter Weiß, CDU, die Nase vorn mit 18 Stimmen, gefolgt von Johannes Fechner (SPD, 11) und Thomas Seitz (AfD, zehn). Grünen-Kandidat Markus Rasp und Linken-Kandidat Alexander Kauz kam auf je vier Stimmen, Katrin Wiegand von der Tierschutzpartei erhielt eine.

Schon seit dem Frühjahr liefen im Schulzentrum die Vorbereitungen hinter den Kulissen. Unter der Anleitung des "Wahlleiters" Rektor Frank Viernickel organisierten die Klassenlehrer der Klassen 8, 9a und 9b, Thomas Lais, Ines Wolter und Stefan Willaredt, den Ablauf. Als Wahlhelfer unterstützten die Klassensprecher das Lehrer-Team sowohl bei der Wahl und bei der anschließenden Stimmenauszählung, denn das Projekt zur politischen Bildung basiert auf zwei Hauptsäulen: die unterrichtliche Einbindung und eine originalgetreue Wahlsimulation. Bis zum Sonntag, 18 Uhr, wurden die Wahlhelfer zur Verschwiegenheit über das Ergebnis verpflichtet – das mussten sie sogar unterschreiben, berichtet Schulleiter Frank Viernickel.

In der Vorbereitung hatten die Klassen mit dem "Wahlomat" die Parteien unter die Lupe genommen. In den Vorgesprächen wurde aber laut Viernickel auch deutlich, dass sich viele Schülerinnen und Schüler an der Meinung ihrer Freunde orientieren, aber auch an der ihrer Eltern. Der Schulleiter ist gespannt auf die nachfolgenden Diskussionen, denn abgeschlossen ist das Thema parlamentarische Demokratie für die Schüler des Schulzentrums Freiamt mit dem Urnengang noch lange nicht. So wird das Ergebnis mit dem starken Zulauf für die AfD im Unterricht Gegenstand von Analysen sein, sagte Viernickel. Aber auch unterschiedliche Staatsformen und deren Umgang mit Menschenrechten werden thematisiert.

Die Wahl lief ab wie die "richtige" am Sonntag: So erhielt jeder der Acht- und Neuntklässler als "Wahlberechtigter" eine persönliche Wahlbenachrichtigung, mit der er sich am Wahltag im "Wahllokal" der Schule legitimieren musste, um einen Stimmzettel für den Bundestagswahlkreis Nr. 283 Emmendingen-Lahr zu erhalten. War er im extra angelegten Wählerverzeichnis eingetragen, erhielt er einen Stimmzettel, den er in einer Wahlkabine geheim ausfüllen konnte. Die Wahlhelfer achteten aufmerksam darauf, dass alles von der Legitimation bis zur Stimmabgabe korrekt ablief.

Es geht um das Üben und Erlernen von Politik

Unter der Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Professor Norbert Lammert nahmen parallel zur Bundestagswahl 2017 eine Million Jugendliche an bundesweit 3478 Schulen an der Juniorwahl teil – eine Rekordteilnahme.

Für Rektor Frank Viernickel und sein Team ist es ein Anlass, mit den Schülerinnen und Schülern Politik hautnah und realistisch zu erleben: "Bei der Juniorwahl geht es um das Üben und Erleben von Demokratie. Das Projekt soll Schülerinnen und Schüler frühzeitig an das Thema Wahlen und Politik heranführen und sie auf die Partizipation im politischen System vorbereiten.Neben der Motivation, zur Wahl zu gehen, soll Begeisterung und Interesse an Politik geweckt werden und somit die Grundlage für späteres gesellschaftliches Engagement, "heißt es dazu in der Pressemitteilung der Schule.

Dass sich der Einsatz lohnt, bestätigen mehrere wissenschaftliche Untersuchungen des Projekts von verschiedenen Universitäten. So zeigte sich, dass der Anteil der Nichtwähler bei den Erstwählern von 22 auf unter 7 Prozent sank und sich sogar die Wahlbeteiligung der beteiligten Eltern um durchschnittlich vier Prozent; teilweise um bis zu neun Prozent erhöhte.

Freiamt hat sich zum ersten Mal an diesem Projekt beteiligt. "Auf eine Wahlparty haben wir diesmal verzichtet", so Viernickel abschließend, " aber – wer weiß, wie es beim nächsten Mal sein wird?"