Mehl und Brot seit Jahrhunderten

Jürgen Schneider

Von Jürgen Schneider

Sa, 22. Juli 2017

Freiamt

Mellerts Mühle in Freiamt feiert am Sonntag 450-jähriges Bestehen.

FREIAMT. 450. Geburtstag feiert die Mellerts Mühle. 191 Jahre davon ist die Mühle auf der "Insel" im Besitz der Mellerts. Sechs Generationen, von dreimal Gottlieb, über Wilhelm und Friedrich bis zu Hans Mellert, mahlten und backten. Am Sonntag, 23. Juli, steigen die Feierlichkeiten im Freiämter Ortsteil Reichenbach.

Anfangs gehörte das Areal zu einem Lehenshof ("Heinzlins Lehen") der Zisterzienser im nahen Kloster. Beginnend mit den Lehensbauern Michael Mönch und Georg Kuenz taucht 1720 ein Hans Jäcklin auf und "´s Jäglins" wird der Hof am Ortseingang heute noch genannt. Nach einer weiteren Teilung kommt die Mühle zu "´s Wiedlins", dem Hof an der Schillingerbergstraße. Bei der Scheidung des Hofnachfolgers erhält er den Hof, Anna Maria Ziller die Mühle. Nach ihrer erneuten Heirat mit dem Schulmeister, Müller und Bäcker Cantzler aus Sexau ist die Mühle Existenzgrundlage der Familie. Um diese zu verbessern, gilt es, die Wasserkraft zu steigern, die bisher ja nur der Reichenbach brachte. 1721 wird der Mühlenkanal gebaut, der weit hinter der Ortschaft vom Brettenbach entlang des Dorfrandes bis zum Mühlenwehr führt. Und nun vollständig umgeben von den Wassern des neuen Kanals, des Bretten- und des Reichenbaches, prägt sich der Begriff "Insel".

Einen ersten Hinweis auf die Mühle gibt es im Jahre 1567 im Zusammenhang mit Vogt Lienhardt Stehlin; er wird als "Besitzer" einer "Mahl- und Pleuelmühle auf seinen Matten" genannt. Dafür war er gegenüber dem Markgrafen abgabepflichtig: 10 Schilling, 1 Malter Roggen, 3 Malter Hafer.

Erste Hinweise auf die Sippe Mellert gibt es durch den Kauf des Gasthauses "Zum Lamm" von 1793. Nach dem Tod des Wirtes Matthias verheiratet sich die Witwe mit dem Schuhmacher Kölblin und kauft für den noch minderjährigen Sohn Mühle und Bäckerei. Das Amtsrevisorat Emmendingen gab "kund und zu wissen: Nach dem dahier aufbewahrten Auszuge verkaufte am 20.ten Oktober 1826 Abraham Kölblin, Bürger in Reichenbach, an Gottlieb Kern, namens seines Pflegesohnes, des minderjährigen Gottlieb Mellert folgende Liegenschaften: Ein Wohnhaus, Mahlmühle, Hanfreibe, Schleifmühle, Wasch- und Badhauß … um Zwey Tausend Vier Hundert und Neunzig Gulden".

Die Mellerts waren früh eigene Stromerzeuger und 1906 wurde gar versucht, das Dorf mit anzuschließen. Zahlreiche Hausleitungen waren schon verlegt, doch letztlich zeigte sich das Wasseraufkommen als zu gering. Aktuell erzeugt man Strom mit einer Ossberger Druckstromturbine, diese ist auch schon wieder 62 Jahre alt und bringt im Idealfall 15 kW. Für wasserarme Zeiten steht ein Notstromaggregat zur Verfügung, ein Herforder Vielstoffmotor – ein Motor, der alles schluckt. Er läuft mit Diesel, Benzin, Fett und zur Not auch mit einer Mischung aus Lampenöl mit etwas Doppelkorn. Wasserarme Zeiten gibt es aber immer mehr, obwohl die Lage am Reichenbach – Namensherkunft wird vielfach auf Wasserreichtum zurückgeführt – dies fürs erste nicht vermuten lässt. So muss jetzt oft auch auf das öffentliche Netz zugegriffen werden.

Stolz ist der Müller und Bäckermeister auf seine Regionalität. "Kein Halm des bei mir gemahlenen Korns stand mehr als zehn Kilometer von der Mühle entfernt", so Hans Mellert. In Kollmarsreute hat er eine Filiale für seine Backwaren und seit 2014 ist der Mühle ein Café angegliedert.

Beim Fest ist der Heimatverein ab 14 Uhr mit einer Strumpfstrickmaschine, einer mobilen Turmuhr und einer Drechselbank präsent. Hans Mellert, dessen Mühle selbst viel Museales bietet, stellt eine Sammlung von Stationär-Motoren aus – ein Erbe seines technikbesessenen Vaters. Er selbst ist mehr für die leisen Töne und so liegt immer irgendwo im Haus eine Steirische herum. Am Sonntag spielt damit allerdings Musiklehrer Alfred Herr.

Info: Sonntag, 23. Juli, ab 11 Uhr Frühschoppenkonzert mit der Bauernkapelle Ottoschwanden, Bewirtung durch die "Motorradfreunde Reichenbach", die Mühle kann bei laufendem Betrieb besichtigt werden.