Nah dran an alter Kunst

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Di, 25. Juli 2017

Freiamt

Mellert-Mühle gewährt bei Fest zum 450. Geburtstags Einblicke ins traditionelle Handwerk.

FREIAMT. 450. Geburtstag feierte die Mellert-Mühle in Reichenbach am vergangenen Sonntag. Das Jubiläumsfest auf dem Gelände war gut besucht, zahlreiche Besucher nutzten bei angenehmen Temperaturen die Gelegenheit, das alte Mühlengebäude zu besichtigen. Auch der Heimatverein war vertreten.

Sehr zufrieden mit der Resonanz war am Sonntag Müller Hans Mellert. Im Hof hatte er zur Sicherheit zwei Zelte aufbauen lassen, die Motorradfreunde Reichenbach sorgten für Speis und Trank und die Bauernkapelle Ottoschwanden blies dazu ein Frühschoppenkonzert: Die äußeren Bedingungen waren also nahezu ideal und so machten es sich schon am späten Vormittag viele Ausflügler, ob mit dem Fahrrad, Auto oder ganz klassisch als Wandergesellen eingetroffen, an den Tischen und Bänken bequem. Sie erforschten den Garten oder brachen zu Entdeckungstouren durch die historisch gewachsenen, verwinkelten Räume des Mühlengebäudes auf. Da war manches Paar froh über die Rundgangmarkierungen, denn auf den engen Stiegen ließ sich leicht die Orientierung in den verschiedenen Etagen und Gebäudeteilen verlieren.

Aber umso aufregender sind dann ja die Entdeckungen, die nicht nur Kinder, sondern auch alle Junggebliebenen machten. Begeisterten sich die einen für die alte Mechanik mit ihren mitunter kreativen Lösungen, freuten sich andere über die Vorführung alter Handwerkskunst. Denn der Heimatverein Freiamt war nicht nur mit einem Infostand vertreten, oben im alten Mühlenturm in einer Stube präsentierten die Bäule-Frauen vom Freihof in ihren blauen Trachten eine alte Strickmaschine und boten im dämmrigen Licht der einfachen Stube ein schon fast märchenhaftes Bild längst vergangener Zeiten.

Aus den trocken warmen, nach frisch gemahlenem Mehl oder Spreu duftenden, oberen Stockwerken mit ihren immer wieder überraschenden Ausblicken auf moosbewachsene Dächer und das alte Mühlengelände führte der Weg hinab in die modrig kühle Unterwelt der Mühle, wo das Wasser unermüdlich seine Arbeit macht und nicht nur Mahlwerke antreibt, sondern auch Strom erzeugt. Fast schon erleichtert und gelöst trat da mancher wieder ins Licht und freute sich bei Blasmusik und glühenden Grillrosten auf eine verdiente Stärkung.