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09. Februar 2010 14:47 Uhr

Direktverbindung nach Paris

Freiburg bekommt Ende 2012 den TGV

Das ist der Durchbruch: Die französische Bahngesellschaft SNCF hat offiziell mitgeteilt, dass sie Freiburg ans TGV-Netz anschließen will. In drei Stunden von Freiburg nach Paris ohne umzusteigen: Ende 2012 soll es soweit sein.

  1. Morgens mit dem TGV nach Paris, abends zurück in Freiburg: Ende 2012 soll es so weit sein. Foto: Alexandra Sillgitt

  2. Die zukünftige Streckenführung, die Freiburg von Ende 2012 an ans TGV-Netz anbindet. Foto: SNCF

Damit erhält Freiburg eine Direktverbindung nach Paris via Mulhouse und Dijon. Vom Münster- bis zum Eiffelturm würde es nur knapp drei Stunden dauern. Täglich sollen je zwei Züge in beide Richtungen verkehren. Und: Freiburg bekommt auch schnellere Anschlüsse gen Lyon und zum Mittelmeer.

Bei einem Abstimmungsgespräch von französischen, schweizerischen und deutschen Behörden hat die SNCF ein Dossier (pdf, 2,5 MB) veröffentlicht, in dem die Anbindung von Freiburg ausdrücklich genannt wird – die Weichen auf französischer Bahnseite sind damit gestellt. Der Freiburg-TGV würde in einem weiten Bogen über Mulhouse, Dijon und die Partnerstadt Besançon nach Paris fahren. Aber auch Lyon und die Mittelmeerregion inklusive Nordspanien rücken – was die Fahrzeiten anbelangt – deutlich näher an die Oberrheinregion heran.

Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) spricht nach der SNCF-Ankündigung von einem "Signal, das an Deutlichkeit nicht mehr zu überbieten ist". Er sieht für die Stadt und die Region eine einmalige Chance, einen Direktanschluss an das europäische Netz zu bekommen. Salomon fordert nun die Deutsche Bahn AG zu einer ebenso klaren Aussage pro TGV auf.

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SNCF muss eine Trasse anmelden

Grundsätzlich hält die Bahn die Verbindung für möglich. Die SNCF hat bereits die Zulassung des Eisenbahnbundesamtes, auf deutschen Schienen zu verkehren – etwa mit dem TGV nach Stuttgart. Spätestens acht Monate vor dem Fahrplanwechsel im Jahr 2012 muss dann die französische Bahngesellschaft die Trasse bei der DB Netz anmelden – die DB entscheidet dann über den Antrag wie über die Anträge von 300 anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen auch, die auf den Strecken unterwegs sind, sagte ein Sprecher der Bahn in Stuttgart. Auf der Rheintalstrecke wird schon jetzt ein enger Takt gefahren. Aber zu den Tagesrandzeiten – also frühmorgens und spätabends – könnte der TGV wohl die benötigte Lücke finden. So sagte es jedenfalls ein Bahnvertreter im Frühjahr bei einer Diskussion in Freiburg.

Fakt ist: Derzeit wird in Frankreich die 140 Kilometer lange TGV-Strecke Rhin-Rhone gebaut, die sich in Dijon in zwei Linien verzweigt: nach Lyon und zum Mittelmeer (Südast) sowie nach Paris (Westast). Dieser neue Schienenstrang geht im Dezember 2011 in Betrieb. Ein Jahr später soll dann Freiburg angebunden werden. Von Mulhouse würden die Zügen gen Müllheim fahren und dann auf die Rheintalstrecke geleitet werden. Der Streckenabschnitt zwischen Mulhouse und Müllheim über die Brücke von Chalampé wird derzeit nur für den Güterverkehr zu einem Peugeot-Lager und für gelegentlichen Ausflugsverkehr genutzt. Die 22,2 Kilometer lange Strecke erhält derzeit eine neue Signaltechnik.

Die Kosten von 2,1 Millionen Euro werden zur Hälfte aus dem Interreg-Programm der Europäischen Union finanziert. Den Rest bringen der Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF), die Région Alsace, das Land Baden-Württemberg und die Bahngesellschaften DB Netz AG und Réseau Ferré de France – das ist die französische Schienennetzbetreiberin – auf. Für weitere 30 Millionen Euro wird auf beiden Seiten des Rheins und zum überwiegenden Teil im französischen Abschnitt die Technik optimiert. Das Ziel ist ein regelmäßiger S-Bahnverkehr zwischen Freiburg und Mulhouse. Für den TGV sind darüber hinaus nur geringe zusätzliche Investitionen von gut fünf Millionen Euro nötig, zum größeren Teil auf französischer Seite. Die Région Alsace hat diese Investitionen ebenfalls zugesagt. "Es hat bislang immer nur das Signal der SNCF gefehlt", sagt Jürgen Oser von der Stabsstelle für grenzüberschreitende Zusammenarbeit beim Regierungspräsidium Freiburg.

Zahlt sich TGV-Verbindung aus?

Für ihn steht fest, dass mit der Zusage der SNCF nun der Knoten geplatzt ist. "Für die französische Bahn rechnet sich die Verbindung nach Freiburg auch wirtschaftlich", sagt er. So lägen die Zahlen der deutschen Passagiere für die TGV ab Straßburg und Stuttgart deutlich über den Erwartungen. Auch die Tourismusstadt Freiburg werde von der Verbindung profitieren: Es seien, zum Beispiel, sehr viele Pariser mit dem TGV zum Weihnachtsmarkt nach Straßburg gefahren: "Sie werden auch nach Freiburg und in den Schwarzwald kommen", so Oser.

Doch es geht bei weitem nicht nur um Paris allein: Der TGV-Anschluss verknüpft die Oberrheinregion auch direkt mit der Region um Lyon und dem französischen Süden: "Das wird sich auch wirtschaftlich niederschlagen", ist Jürgen Oser überzeugt.

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Autor: Joachim Röderer