Refugee Law Clinic

Freiburger Studenten lassen sich fit machen für die Rechtsberatung von Flüchtlingen

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 04. Mai 2016

Freiburg Mitte

VEREINT IM VEREIN: Dank der Initiative "Refugee Law Clinic" bietet die Universität allen Interessierten Infos zum Flüchtlingsrecht.

INNENSTADT. Dass die Themen eher trocken juristisch klingen, schreckt hier niemanden ab. Die rund 160 Menschen, die zum Auftakt der Vorlesungsreihe "Flüchtlingsrecht" an die Uni kamen, wissen, dass sich hinter den abstrakten Formulierungen dramatische Schicksale von geflüchteten Menschen verstecken – und dass es entscheidend ist, möglichst gut über deren Rechte informiert zu sein. Um sie besser unterstützen zu könn

en, bieten Jura-Studierende in der Initiative "Refugee Law Clinic Freiburg" (RLCF) gemeinsam mit der Uni geballte juristische Infos an.

Die Reihen sind gut gefüllt, doch immer wieder kommt noch jemand reingehuscht. Es ist Freitagnachmittag, und was hier beginnt, wird ganze vier Stunden dauern. Trotzdem sind nicht nur junge Jura-Studierende da – die sich die Vorlesungsreihe nicht auf ihr Pflicht-Programm anrechnen lassen können –, sondern auch einige Ältere mit anderen Hintergründen. Das ist das Ziel der Initiative: Juristisches Wissen denen vermitteln, die darauf angewiesen sind, um Flüchtlingen sinnvoll beistehen zu können.

Denn deren Perspektiven hängen vom Asylverfahren ab – und das ist kompliziert und voller Tücken. Das weiß der Mann, der vorne seine Vorlesung über das "Allgemeine Aufenthaltsrecht" startet, nur zu gut: Wilhelm Treiber ist als Richter im Verwaltungsgericht auch für Asyl zuständig. Zum Einstieg erzählt er, dass ihn das Thema seit 30 Jahren nicht mehr loslasse. Damals hat er als Referendar in Mannheim Flüchtlinge beraten.

Im Herbst startet kostenlose Beratung für Flüchtlinge

Bis zur Abschlussprüfung am 8. Juli stehen unter anderem das Dublin-Verfahren, Rechtsschutz und Sozialleistungen für Flüchtlinge auf dem Programm, zusätzlich wird eine Übung angeboten, idealerweise kommt individuelle Vor- und Nachbereitung dazu. Bis auf diejenigen Jura-Studierenden, die das Zertifikat "Rechtsberatung von Geflüchteten" anstreben, können aber alle selbst bestimmen, was sie sich herauspicken.

Im Herbst sollen die ersten Jura-Studierenden soweit sein, auch praktisch in die Beratung einzusteigen – in enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Anwälten. Das sei dringend nötig, sagen Paul König (21), Laura Nitsche (22) und Antonia Strecke (23) von der "Refugee Law Clinic". Sie bauen das Netzwerk mit auf, das es unter demselben Namen in derzeit 28 Städten gibt. "Für Geflüchtete sind viele Rechte eingeschränkt", sagt Antonia Strecke. Besonders verhängnisvoll sei, dass es Fehlurteile "en masse" gäbe, weil viele Richter nicht wüssten, wie sich Kriegs- und andere Traumata auswirken.

Wenn Flüchtlinge nicht in der Lage seien, ihre Geschichte bei den Behörden "authentisch" und widerspruchsfrei zu erzählen, werde ihnen oft nicht geglaubt – obwohl Traumatisierungen genau diese chronologischen Erzählungen verhindern. Die "Refugee Law Clinic" will mit Wissensvermittlung gegen Unkenntnis und Desinteresse ankämpfen. Wichtigstes Ziel werde es sein, die Flüchtlinge bereits vor ihrer ersten Anhörung zu informieren – damit sie rechtzeitig erfahren, welche große Bedeutung sie hat. Natürlich sind sie im Kontakt mit anderen Initiativen wie dem Südbadischen Aktionsbündnis gegen Abschiebung (Saga) und Amnesty International, die ebenfalls Beratung anbieten. Doch ihr Ansatz ist anders, weil sie das Thema an der Uni etablieren: Die Uni ist verantwortlich für die Vorlesungsreihe und das Zertifikat.

Paul König, Laura Nitsche und Antonia Strecke wollen die Ausbildung auf jeden Fall machen. Laura Nitsche hat früher in Leipzig studiert und war bei der dortigen "Refugee Law Clinic" dabei. Dort im Osten sei das Thema angesichts von "Pegida"-Aufmärschen besonders brisant. Paul König hat sich als Schüler in seiner Heimatstadt Bremen regelmäßig um Kinder einer Flüchtlingsunterkunft gekümmert, und nach der Schule hat er ein Jahr in Mexiko gelebt: "Ich war umgeben von Migration und den Schicksalen geflüchteter Menschen." Die heutige globale Welt verpflichtet zur Verantwortung für Andere, findet auch Antonia Strecke: "Wir wollen solidarisch unterstützen."

"Flüchtlingsrecht": Vorlesungsreihe freitags (aber nicht jeden Freitag), meist 14 bis 18 Uhr, Hörsaal 1199, Uni-Kollegiengebäude I, Platz der Universität 3. Der nächste Termin ist am Freitag, 13. Mai, 14 Uhr: "Die materielle Prüfung des Schutzstatus". Die Teilnahme ist kostenlos und offen für alle.