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05. September 2012

Gesichter im Lindenstamm

Im Jugendzentrum "Letz Fetz" entsteht eine Holzskulptur – mit Hilfe von Künstler Thomas Rees.

  1. Thomas Rees zeigt den Jugendlichen seine Arbeit. Foto: Michael Bamberger

STÜHLINGER. Thomas Rees sitzt in vier Metern Höhe auf einem Gerüst, in einer Wolke aus Holzstaub. Konzentriert schnitzt er ein Gesicht in den Stamm der toten Linde – und zwar mit einer Motorsäge. Viele Augen beobachten ihn, denn der Künstler aus Kappel arbeitet im Garten des Jugendzentrums Stühlinger "Letz Fetz". Noch halten die Kinder und Jugendlichen Sicherheitsabstand, die Arbeit mit der Motorsäge ist gefährlich. Doch am Freitag werden sie Thomas Rees unterstützen.

Es ist kurz nach 10 Uhr. Sommerferien. Zeit, um auszuschlafen. Nicht für Amani Maatouk (14) und Auriol Ateyim (16). Die Mädchen sitzen schon auf den Bierbänken im Garten des Jugendzentrums "Letz Fetz". Gemeinsam mit Hassan Yassine Al Sayed (20) gehören sie zum Kernteam und haben die Holz-Aktion mitvorbereitet. "Am Montagmorgen konnte man noch nichts sehen", sagt Amani. Doch am Dienstag hat Thomas Rees schon drei Menschen aus dem Stamm geholt. Harte Arbeit war das: "Ich hab ganz schön Muskelkater", sagt er und lacht.

Schon im November 2011 musste die Linde im Garten gefällt werden. "Die Äste waren morsch, das war zu gefährlich", erzählt Sozialarbeiterin Susanne Kissing. Schnell kam die Idee auf: Der 100 Jahre alte Stamm soll stehen bleiben und zur Skulptur werden. Thomas Rees hat die Idee überzeugt, so sehr, dass er jetzt seine Urlaubstage im "Letz Fetz" verbringt.

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Wie die Skulptur aussehen soll, haben die Kinder und Jugendlichen entschieden – und sieben Themen ausgesucht: Harmonie, Freundschaft, Liebe, Familie, Respekt, Integration, Musik. "Alles steht für Letz Fetz", erklärt Hassan. Ihm gefällt besonders, dass Thomas Rees drei Menschen geschnitzt hat, die eine kleinere Person nach oben ziehen. "Das steht für Integration."

Während Rees am Stamm sägt, arbeiten die Jugendlichen mit kleinen Holzstücken. "Überall klopft es", freut sich Rees. Auriol hat zum Beispiel mit Hammer und Stechbeitel eine Hand geschnitzt, fünf Stunden lang. Und sie will weitermachen: "Das muss alles noch glatt werden." Bis Freitag wird im "Letz Fetz" geschnitzt. Zum Abschluss werden sich die Jugendlichen mit Thomas Rees Hilfe im unteren Teil der Skulptur verewigen. Weitere Kinder und Jugendliche sind eingeladen, mitzumachen. Auch erwachsene Besucher sind willkommen. "Man hat ja nicht oft die Gelegenheit, einen Künstler so arbeiten zu sehen", sagt Susanne Kissing.

Zuschauen: Mittwoch bis Freitag, 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Jugendzentrum Stühlinger, Ferdinand Weiß Straße 6 b.

Autor: Yvonne Weik