Hellhörig und immer hungrig

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 28. Juli 2010

Freiburg Mitte

VEREINT IM VEREIN: Der Verein Planetenkinder zeigt, wie es sich anfühlt, eine Fledermaus zu sein.

HERDERN/INNENSTADT. Wie fühlt es sich an, eine Fledermaus zu sein? Wenn man nichts sieht, aber umso besser hört, und man immer auf der Suche nach etwas zu essen ist? Falk Boehm (12) hat’s ausprobiert. Ein paar Minuten lang. Eva Kohlhepp vom Verein Planetenkinder hat ihm die Augen verbunden. Und die anderen aus seiner 6. Klasse haben Motten, die man jagen kann, und Wände, gegen die man beim Fliegen prallen kann, gespielt. Eine von vielen Ideen, wie Kinder von den Mitgliedern des Vereins Planetenkinder an die Natur herangeführt werden

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Falk steht in der Mitte im Flur des Friedrichgymnasiums in Herdern, um ihn herum sind die anderen aus seiner Klasse. Ein paar von ihnen werden zu Motten, als Eva Kohlhepp Falk ein Tuch um seine Augen bindet. Falk versucht, ihnen nachzulaufen, er klatscht immer wieder schnell in die Hände. So ähnlich klingt es, wenn Fledermäuse rufen – aber kein Mensch kann das mit bloßen Ohren hören. Die "Motten" klatschen ebenfalls, sie werfen das Echo der Fledermaus zurück. So kann sich Falk orientieren. Sehr oft aber stößt er dabei gegen eine Wand. Überall stehen Klassenkameraden von ihm, die ganz still sind und nur leise "Achtung, Wand!" sagen, wenn er sie streift.

Das Fledermausspiel kommt bestens an. Für die zweite Runde melden sich viel zu viele, die Motten und Fledermaus sein wollen. Eva Kohlhepp hat vorher schon einiges über Fledermäuse erzählt, später wollen alle zusammen kurz hoch in den Dachboden des Friedrichgymnasiums gehen – ganz still und vorsichtig. Dort im Gebälk leben nämlich Wimperfledermäuse, eine sehr gefährdete von 17 Fledermausarten hier in der Region.

Wimperfledermäuse werden bis zu fünf Zentimeter lang und bis zu 15 Gramm schwer, erzählt Eva Kohlhepp, die Biologin ist und sich auf Naturschutz spezialisiert hat. Wimperfledermäuse können bis zu 26 Jahre alt werden und halten sich normalerweise nur in südlicheren Regionen auf. Freiburg ist vermutlich der nördlichste Ort, an dem es welche gibt. Eva Kohlhepp und ihre Vereinskolleginnen und -kollegen informieren nicht nur tagsüber an Schulen über Fledermäuse, sondern auch abends in für alle offenen Fledermausveranstaltungen. Dann sind die Fledermäuse unterwegs und alle, die wollen, können sie rufen hören. Das geht nur mit einem Ultraschall-Detektor, der die für menschliche Ohren viel zu hohen Töne wahrnehmbar macht.

Die Fledermausveranstaltungen – von denen diejenigen an Schulen teilweise durch städtische Zuschüsse gefördert werden – gehören zu der breiten Palette an Aktionen, zu denen die Planetenkinder einladen. In dem Verein haben sich junge Biologinnen wie Eva Kohlhepp und Pädagoginnen und Pädagogen zusammen getan, die von der Natur begeistert sind und ihre Begeisterung an Kinder weitergeben wollen – natürlich immer mit der Botschaft, dass Tiere, Pflanzen und Klima durch das Verhalten der Menschen bedroht sind und Schutz brauchen.

Für Eva Kohlhepp, die in einem Dorf in engem Kontakt mit ihrer Umwelt aufwuchs, wurde der Naturschutz während ihres Studiums ein wichtiges Ziel, sie ist und war in vielen Organisationen wie Greenpeace, Bund für Umwelt- und Naturschutz und in der Ökostation aktiv. Weil sie inzwischen herausgefunden hat, dass sie auf keinen Fall "nur" Wissenschaftlerin sein will, sondern am liebsten mit Kindern arbeitet, ist ihre Tätigkeit bei den Planetenkindern ihr "Traumberuf". Bisher allerdings einer, für den sie und die anderen Mitglieder bis auf wenige Zuschüsse kaum Geld bekommen, sondern eher selbst einiges investieren, zum Beispiel für die Miete der Räume des Vereins am Schlossberg 3.