Freiburg

Neuer Tausch-Schrank: Jetzt gibt’s CDs zum Nulltarif

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 14. April 2016 um 17:29 Uhr

Freiburg Mitte

Warum ist da vorher noch keiner drauf gekommen? Der Nachlass eines Musikfans liefert den Grundstock für ein neues Tauschangebot in Freiburg nach dem Vorbild der öffentlichen Bücherregale – nur eben mit CDs.

Einige, die zur Einweihung des "Offenen CD-Schranks" in der Belfortstraße kamen, brachten gleich was aus ihren eigenen Schränken mit: Damit war das große Tauschen eröffnet. Für Bücher ist die Idee inzwischen an vielen Stellen in Freiburg etabliert, nun haben – vermutlich zum ersten Mal – auch Musikfans die Chance, zu stöbern und gratis CDs mitzunehmen. Zu verdanken ist das zum einen dem "Bürgerforum Sedanquartier und Im Grün", ganz besonders aber Detlef Hindenlang, dem vor einem Jahr gestorbenen Freund von Forum-Mitgliedern.

Viel Mozart, Schubert-Lieder, französische Barockkonzerte, Bach und Mendelssohn: Der offene CD-Schrank ist mit einem klaren Klassik-Schwerpunkt gestartet, außerdem gibt’s auch Jazz. Das liegt an Detlef Hindenlangs Vorlieben. Sein jahrzehntelanger Freund Johannes Ehmann erzählt von Detlef Hindenlang, der am Mittwoch 75 Jahre alt geworden wäre und vor einem Jahr genau an seinem 74. Geburtstag nach drei Jahren Krankheit beerdigt wurde: Er war pensionierter Lehrer der Gertrud-Luckner-Gewerbeschule, spielte Geige, liebte Kleinkunst, lebte allein, war "eigensinnig und liebenswert". Und er war ein großer Sammler. In seiner Wohnung gab’s unter anderem Sammlungen von Steinen und Fahrrädern, vor allem aber viel Musik – 1400 Schallplatten und 1200 CDs.

Die ersten 300 CDs im offenen Tausch-Schrank sind da

Die CDs lagern größtenteils immer noch im Keller von Johannes Ehmann, der eng mit Detlef Hindenlang befreundet war. Sonntags zum "Tatort" und an jedem Weihnachtsfest sei Detlef Hindenlang vorbeigekommen und auch in seine Familie bestens integriert gewesen, erzählt sein Freund. Dass jetzt die ersten rund 300 CDs im offenen CD-Schrank landeten, geht auf eine Idee des Bürgerforums zurück, Johannes Ehmann und Hanne Beyermann-Grubert haben alles organisiert. Gegenüber vom "Cafe Auszeit" stellte die Uni an der Außenmauer der Rechtswissenschaftlichen Institute einen Platz zur Verfügung, mehrere Bürgerforum-Mitglieder kümmerten sich um einen Schrank: Einer besorgte ihn, andere bauten ihn um und statteten ihn aus.

Gleich während der Einweihung stößt das neue Angebot auf reges Interesse: Eine ältere Anwohnerin hat unter den CDs Hans Werner Henzes Ballettwerk "Tanzstunden" entdeckt – das will sie mitnehmen. Zu Hause hat sie einiges von Hans Werner Henze, diese CD noch nicht. Irgendwann will sie Jazz vorbeibringen, den sie doppelt hat.

Die Ersten stellen schon was dazu: Klassik, aber auch Hardrock

Der Erste, der etwas dazustellt, ist ein älterer Mann, der lange in Hamburg beim Rundfunk gearbeitet und in dieser Zeit viele CDs angesammelt hat. Die Violinsonaten von Jean-Marie Leclair hatte er doppelt – eine der CDs stellt er ins Regal und will im Austausch dafür den japanischen Komponisten Toru Takemitsu mitnehmen.

Klar ist aber auch, dass der CD-Schrank nicht auf Klassik begrenzt bleiben wird – dafür sorgt unter anderem Lukas Treiber (23): Er hat mehrere CDs von Elton John mitgebracht, außerdem Hardrock. "Damit bin ich durch, jetzt bin ich in einer Jazz-Phase", sagt er und fängt an zu stöbern. Bisher kannte er die offenen Regale von Büchern, "das ist auch cool."

Nicht weit entfernt vom CD-Schrank in der Sedanstraße steht die Bücher-Telefonzelle: "Sie wird ungeheuer gut genutzt, der Austausch der Bücher geht sehr schnell", erzählt eine Anwohnerin. Sie vermutet, dass es mit dem CD-Schrank ähnlich werden wird. Nachschub gibt’s noch genug in Johannes Ehmanns Keller.

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