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04. Februar 2012

Im Gemeinderaum darf getobt werden

Immer am Donnerstagnachmittag wird die Baptistenkirche in Herdern zum "Winterspielplatz" fürs Quartier.

  1. Dass es sich hier eigentlich um einen Kirchenraum handelt, merkt man beim „Winterspielplatz“ zum Beispiel an den Fenstern. Foto: Thomas Kunz

HERDERN. Auf dem Bauch rutscht es sich perfekt. Das findet zumindest Josefine (4) – der Junge hinter ihr sitzt lieber. Die Rutsche ist dauernd belegt. Sie ist der Ein- und Ausgang zu der großen, bunten Hüpfburg, die jeden Donnerstagnachmittag mitten im Gemeindesaal der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde der Baptisten an der Stefan-Meier-Straße aufgebaut ist. Bis zu 40 Kinder mit ihren Eltern oder anderen erwachsenen Begleitern kommen jedes Mal zu diesem "Winterspielplatz", mit dem die Gemeinde Familien ein kostenloses Freizeitangebot macht.

Am Tisch von Eva Bodemer gibt’s einen klaren Renner: die "Hello-Kitty"-Ausmalbilder. Katharina (4), die ihren Namen selbst auch mit "Kitty" abkürzt, hat sich gerade eines geholt, dazu viele Stifte. Eva Bodemer hat die Bilder aus dem Internet ausgedruckt, sie weiß, was bei Kindern ankommt – nicht nur, weil sie vor ihrer Pensionierung Rektorin der Tulla-Grundschule war. Jeden Donnerstagnachmittag sitzt sie umringt von vielen kleinen Mädchen und weniger Jungs am Maltisch im Vorraum, wo es ein bisschen stiller zugeht als drinnen im Gemeinderaum, in dem am Wochenende die Gottesdienste stattfinden. Dort wuseln alle zwischen Hüpfburg und Bällebad hin und her oder kurven auf Mini-Fahrzeugen und mit Puppenwagen herum. Trotzdem ist es hier überschaubarer und gemütlicher als in einem der großen Indoor-Spielplätze, findet die Mutter von Jannes (2) und Lennard (4) – das gefällt ihr. Und es ist kostenlos. Darum kommen die Freundinnen Canan Uyar und Tülay Yesikaya, die beide je drei Kinder haben, jede Woche. Canan Uyars Tochter Ceydanur (5) und ihr Sohn Canalp (3) kriegen nie genug von allem hier, nur das kleinste Kind, das noch ein Baby ist, schläft einfach weiter seelenruhig vor sich hin. Viele der Familien hier sind, wie Canan Uyar und Tülay Yesikaya, muslimisch, auch von den anderen sind die allerwenigsten Mitglieder der Gemeinde.

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Das passt zum Ziel von Pastor Christoph Weichert und Helga Eismann, die Leiterin der Kinderarbeit und seit 29 Jahren dabei ist: Die Gemeinde will den Menschen in ihrem Stadtteil ein niedrigschwelliges Angebot machen, sagen die beiden. Wer nachfrage, könne dabei auch etwas über den Glauben und die Gemeinde erfahren, "missioniert" werde aber auf keinen Fall. Dass Indoor-Spielplätze gut ankommen, hat Christoph Weichert, der vor einem Jahr aus Flensburg nach Freiburg kam, schon in vielen anderen Städten beobachtet. 2500 Euro hat die Gemeinde in die Spielgeräte investiert, und obwohl der Spielplatz erst seit November geöffnet ist, kommen immer viele. Bis zu 15 Ehrenamtliche mischen mit, bauen auf und ab und passen auf, dass nirgends etwas passiert. Mit mehr Leuten könnte der Winterspielplatz, der nun immer zwischen November und März angeboten werden soll, öfter als nur donnerstags stattfinden. So ähnlich wie das Projekt "Kind im Mittelpunkt", wo sich wochentags von 9.30 bis 12 Uhr Tageseltern und Eltern mit ihren Kindern im Untergeschoss der Gemeinde treffen. Auch da gibt’s eine kleine Rutsche, ein kleines Bällebad und Spielklötze – aber im Vergleich zum Winterspielplatz im Mini-Format.

Der Winterspielplatz der baptistischen Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in der Stefan-Meier-Straße 145, ist donnerstags zwischen 15 und 17 Uhr für Kinder bis zu sechs Jahren und ihre Begleitpersonen geöffnet. Der Eintritt ist frei. Bitte Hausschuhe oder ABS-Socken für die Kinder mitbringen, die Aufsichtspflicht und Haftung liegt bei den Eltern oder Begleitpersonen. Weitere Infos, auch zum Vormittagsprogramm "Kind im Mittelpunkt": 0761/ 26075
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Autor: Anja Bochtler