Stadtteildetektive

Kinder ermitteln, wo Herdern schön ist und wo es dringend schöner werden muss

Julia Gross

Von Julia Gross

Do, 18. Dezember 2014

Freiburg Nord

In Herdern waren die jungen "Stadtteildetektive" unterwegs.

HERDERN. Wenn Holger Rothacher was zu sagen hätte, würde er wohl die Habsburgerstraße in Herdern sperren lassen – zumindest aber der vielbefahrenen Straße einen Zebrastreifen verpassen. Alleine hat Holger aber nichts zu sagen. Der Grundschüler ist erst zehn Jahre alt. Mit 74 weiteren "Stadtteildetektiven", allesamt Viertklässler der Weiherhof-Grundschule, hat sich Holger aber seit den Herbstferien ganz genau mit seinem Herdern beschäftigt. Bei der abschließenden Stadtteilbegehung nutzte er gestern die Gelegenheit, seine Ergebnisse öffentlich zu machen.

"Außer dem vielen Verkehr ist mir unser Schulhof in Erinnerung geblieben. Der ist abends total dunkel und gruselig, deshalb bekommt er von uns ein schwarzes Schild", sagt Holger aus der 4 a ins Megafon. Leo Puscher (10) neben ihm nickt: "Ja, wir treffen uns hier oft zum Fußballspielen. Mehr Beleuchtung wär’ super." In mehreren Etappen haben die beiden Freunde seit Beginn des Projekts, organisiert von der Weiherhof-Grundschule und dem Verein "Kind und Umwelt", ihre Runden durch Herdern gedreht und dabei vieles aufgeschrieben und fotografiert. All das, was ihnen gefällt – und was eben nicht. "Ziemlich cool" findet Holger den Platz am Brunnen vor der Kirche an der Hauptstraße. "Hier kann man echt mega gut chillen", sagt er grinsend. Die Habsburgerstraße, die sei ihm aber trotz vieler schöner Flecken im Stadtteil schon sehr wichtig. "Ob man da was machen kann, wird sich zeigen", sagt Frank Stratz, der als Vertreter des Polizeipostens Herdern gekommen ist. "Die Polizei hat erst mal nur eine beratende Funktion. Oft sind das politische Entscheidungen, trotzdem ist es wichtig, das alles zu hören und es dann auch weiterzugeben", so Stratz. Bei einer Verkehrsschau würde man kritische Plätze aber durchaus noch mal anschauen – auch die Habsburgerstraße.

Elke Grosser vom Verein "Kind und Umwelt" ist sich sicher: "Die Aktion ist sinnvoll. Die Kinder bekommen das Gefühl, in Herdern mitgestalten zu dürfen." Den Kindern nur dieses Gefühl mitzugeben, reiche aber nicht aus, sagt Andrea Wagner vom städtischen Kinderbüro, die die Detektiv-Arbeit in einigen der anderen Stadtteile bisher begleitet hat (siehe Infobox), für das Projekt in Herdern in diesem Jahr aber nach eigenen Angaben "keine Ressourcen" hatte. Zur Stadtteilbegehung allerdings ist sie gekommen. "Das ist ein langer und wichtiger Prozess, den man nicht unterschätzen darf. Ohne ausreichend Feedback für die Kinder ist das sehr schwierig", so Wagner. Das Original, organisiert vom Kinderbüro, sei wesentlich umfangreicher, dafür aber eben auch aufwendiger.

Dass Andrea Wagner vom Kinderbüro das Urheberrecht für die Stadtteildetektive beansprucht, weist Elke Grosser zurück. Vielmehr sei damals, um die Jahrtausendwende, die Initiative fürs Projekt vom Verein "Kind und Umwelt" ausgegangen. "Wir haben uns unter anderem mit dem Arbeitskreis ,Nächste Generation’ an das Kinderbüro gewandt und zusammen mit Christa Zink, der damaligen Leiterin des Kinderbüros, ein Konzept überlegt", erinnert sich Grosser.

Christa Gronbach, die sich genau wie Grosser im Verein "Kind und Umwelt" engagiert und zudem in der Liste "Freiburg Lebenswert" aktiv ist, hält viel vom Detektiv-Projekt: "Ich glaube, dass wir das sehr sinnvoll gestaltet haben. Die Ergebnisse der Kinder verhallen ja nicht einfach. Sie werden sowohl vom Bürgerverein als auch vom Jugendforum aufgenommen und, wenn es denn möglich ist, auch umgesetzt." Bei dem vor drei Jahren mit viel Bürgerbeteiligung entwickelten Stadtteilentwicklungskonzept für Herdern habe man den Bereich Kinder und Jugendliche ausgespart, so Gronbach. Die Aktion Stadtteildetektive sei nun eine gute Gelegenheit, die Sichtweise der Kinder zu erfahren und diese in die Entwicklung miteinzubinden. "Kinder haben ein ganz anderes Bewusstsein für Dinge. Deshalb ist es wichtig, dass sie zu Wort kommen", erklärt Bert Färber vom Bürgerverein. Der pensionierte Lehrer, einst am Friedrich-Gymnasium in Herdern beschäftigt, weiß, wovon er spricht. "Besonders der Verkehr ist einfach Thema. In der Jakobistraße zum Beispiel ist es sehr unübersichtlich, und es kracht nicht selten. Da muss was getan werden."

Alle Wünsche der Kinder können nicht erfüllt werden, viele sind nicht umsetzbar. "Alle nervigen Ratten zu beseitigen", wie es sich Holger wünscht, dürfte selbst für Polizist Frank Stratz, der den Kindern beim abschließenden Gespräch in der Aula zusammen mit einigen Stadträten für Fragen zur Verfügung steht, schwierig sein. Doch an manchen Stellen wird sich etwas tun, da ist Elke Grosser zuversichtlich. Besonders an den dunklen Orten, wo sich die Kinder fürchten, kann die Polizei etwas tun. Zum Beispiel mehr Kontrollen vornehmen. Auch beim Stadtplanungsamt, vertreten durch Stefanie Lausch, wird man sich Gedanken machen müssen. Damit es noch mehr Lieblingsplätze wie den von Julius Ruppenthal (9) gibt: "Ich mag den Platz vor der Kirche am liebsten, weil es hier so romantisch ist", sagt der Viertklässler.