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13. September 2017

Mit der Reliquie fing es an

Dass Lambertus Stadtpatron von Freiburg wurde, lag an Rudolf von Zähringen.

  1. Dem Heiligen Lambertus (links: Statue am Münster) ist in Herdern auch eine Straße gewidmet. Foto: Thomas Kunz

  2. Foto: Thomas Kunz

HERDERN. In wenigen Tagen, am 18. September, ist der Gedenktag für den Freiburger Stadtpatron Lambertus. Er hat nicht nur vor dem Münster auf einer der drei Säulen ein Denkmal erhalten, auch in Herdern ist eine Straße nach ihm benannt. Den Bezug zu Freiburg stellte ein Zähringer her.

Dass Lambertus Schutzheiliger von Freiburg wurde, ist Rudolf von Zähringen, dem einstigen Bischof von Lüttich, zu verdanken. Er war der jüngere Bruder des Herzogs Bertold IV. und wurde um das Jahr 1135 geboren. Ihm gehörte das kleine Dorf Herdern und hier starb er auch am 5. August 1191. Er ist in der Familiengruft der Zähringer in St. Peter beigesetzt. Rudolf war 1160 durch die Bürger von Mainz zum Erzbischof berufen worden, nachdem diese zuvor seinen Vorgänger Arnold von Selenhofen ermordet hatten. Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) erkannte die Wahl jedoch nicht an. So wurde Rudolf auf dem Konzil von Lodi stattdessen erst exkommuniziert (aus der Kirche ausgeschlossen), im Jahre 1167 mit Unterstützung seines Bruders Berthold IV. dann aber doch zum Bischof von Lüttich (heute Belgien) ernannt. Beim dritten Kreuzzug (ab 1188) zog Rudolf mit in das Heilige Land, wo er an der Belagerung von Akko beteiligt war. Entweder verwundet oder gezeichnet von einer Krankheit, die er sich auf dem Kreuzzug zugezogen hat, machte er auf dem Rückweg in seinem Dorf Herdern Station, um sich zu erholen. Doch statt zu genesen ereilte ihn hier der Tod. Bischof Rudolf hatte als "himmlischen Schutz" einen kleinen Teil der Hirnschale des Heiligen Lambert aus Lüttich mit auf die Reise genommen, die nun nach seinem Tod in die Kapelle der zähringischen Burg auf dem Schlossberg gebracht wurde. Von dort gelangte die Heiligenreliquie im Jahre 1366 bei der Zerstörung der Burg ins Freiburger Münster.

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Der Heilige Lambertus oder Lambert, um 635 geboren, war ab 675 Bischof von Lüttich und wurde bei seinen missionarischen Bemühungen am 17. September 705 ermordet. Nach der Heiligsprechung wurden seine Gebeine zunächst in Maastricht und ab 715 in Lüttich aufbewahrt. Die Freiburger Bürger verehrten Lambertus so sehr, dass sie ihn zu ihrem ersten Stadtpatron erhoben. Seit dem Jahre 1514 wird das kleine Schädelstück in einer Büste, die den Heiligen als Bischof mit Mitra darstellt, aufbewahrt. Sie wurde von dem Freiburger Goldschmied Peter Sachs aus Silberblech getrieben und mit Edelsteinen besetzt. Heute befindet sich das Schädelreliquiar im Münster. An der Fronleichnamsprozession wird sie meist im Zuge mitgetragen. In Erinnerung an den Heiligen gibt es in Herdern auch die Lambertusstraße, und so mancher Herdermer Bub wurde in früheren Jahrhunderten auf den Namen Lambert getauft.

Autor: Hans Sigmund