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24. Januar 2011

Wenn der Tod zum Tänzchen bittet

WIEDERSEHEN! Der Totentanz in der Vorhalle der Michaelskapelle auf dem Alten Friedhof bedarf dringend einer Renovierung.

  1. Foto: Ingo Schneider

  2. Foto: Archiv Hans Sigmund

  3. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1722. Foto: Ingo Schneider

  4. In der Vorhalle der Michaelskapelle zeigt der Freiburger Totentanz in zwölf Sequenzen, dass der Tod letztlich jede und jeden holt. Foto: Ingo Schneider

HERDERN. Derzeit wird im Freiburger Münster eine Ausstellung über den Alten Friedhof gezeigt. Auf einer größeren Anzahl von Bildtafeln werden dabei auch der ursprüngliche und der jetzige Totentanz im Vorraum der Michaelskapelle in Einzelbildern einander gegenüber gestellt.

Seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts war es im christlichen Abendland üblich, dass man auf Friedhöfen, an Kirchhofmauern und in Einsegnungshallen Fresken anbrachte, die den Tod in Gestalt des Knochenmannes zeigten, wie er die Lebenden zu sich holt. Dabei wurde der Tod zusammen mit Kindern, Erwachsenen und Greisen sowie mit den verschiedenen Ständen der Gesellschaft – wie Bettler, Bauer, Edelmann und Geistlicher – darstellt. Allen gemeinsam ist, dass der Tod hier sowohl als Erlöser auftritt wie auch als "Spielmann", der dem oft noch blühenden Leben ein jähes Ende bereitet. Diese Art der Darstellung, der überall eine fast gleiche Abfolge zugrunde liegt, bezeichnet man als "Totentanz", bei den Franzosen als "La danse macabre" bekannt.

Sehr berühmt in unserer Gegend ist der Totentanz von Basel, der erstmals 1440 erwähnt wird. Als Freiburg seinen Friedhof vor die Tore der Stadt verlegte, wurde auch in der Vorhalle der im Jahre 1722 erbauten Michaelskapelle an der Decke ein Totentanz angebracht. Er zeigte in zwölf Sequenzen unterschiedliche Situationen, in denen der Tod den Lebenden gegenüber tritt. Er wird Simon Göser zugeschrieben, der 1735 im oberschwäbischen Gospoltshofen geboren wurde. Er war einer der bedeutendsten Maler des Spätbarocks im Südschwarzwald. Seit 1774 war Göser Bürger der Stadt Freiburg, wo er 1816 im Alter von 81 Jahren starb.

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Seine Version des Totentanzes soll daran erinnern, dass der Tod zu jeder Lebensstunde kommen kann. Sehr schön sind die vielen Details, die sich auch mit Freiburg beschäftigen. So sieht man auf einem Bild im Hintergrundfenster den Münsterturm, auf einem anderen die Zähringer Burg. Diese ursprüngliche Version wurde von Dominik Weber im Jahr 1856 und durch Sebastian Luz im Jahr 1893 restauriert. Beim Bombenangriff am 27. November 1944 wurde der Fries schwer beschädigt und 1963 vom Innsbrucker Freskenmaler Wolfram Köberl rekonstruiert. Alte und neue Version unterscheiden sich allerdings zum Teil deutlich. War der ursprüngliche Totentanz recht markant und kräftig, so ist die jetzige Fassung leicht und in hellen feinen Pastell-Farben, gleich einer "Lüftel-Malerei" dargestellt.

Betrachtet man die Bilder näher und liest die dazu gehörenden gereimten Texte, fällt sehr schnell auf, dass zu jener Zeit die Männer das Sagen hatten. So sind von den zwölf Bildern nur drei mit weiblichen Todeskandidatinnen bestückt, die auch dazu noch recht schlecht weg kommen. Da soll bei einer keifenden Ehefrau der Kopf ausgewechselt, beim eitlen Mädchen der Zopf abgeschnitten und letztlich statt Puder die Perücke mit Asche bestreut werden. Der Ehemann dagegen soll von seinem selbst bestimmten "Ehekreuz" erlöst werden. Das kommt übrigens auch in dem Volkslied zum Basler Totentanz zum Ausdruck, in welchem der geplagte Ehemann singt "Ach lieber Tod von Basel, nimm meine Alte mit!". Doch als er danach eine junge Maid freit, seufzt er schon bald: "Die schlägt mich jeden Tag, hätt ich meine alte Plag!"

Autor: Hans Sigmund