Die sachte Form der Fasnet

Dunya Oulatto

Von Dunya Oulatto

Sa, 14. Februar 2015

Freiburg Süd

Im Pflegeheim Katharina Egg machten vier Zünfte Stimmung – trieben’s aber bewusst nicht zu doll.

WALDSEE. Mäuse, Salamander und eine Hulla-Hulla-Tanzgruppe – so bunt feierte das Pflegeheim "Katharina Egg" in Waldsee gestern seine Hausfasnet und hatte dabei vier Narrenzünfte zu Besuch, die für ein buntes Treiben sorgten und bei vielen Heimbewohnern Erinnerungen aufleben ließen.

Es herrscht eine ausgelassenen Stimmung: Das Pflegepersonal ist verkleidet und damit genauso bunt und farbenfroh wie die Narrenzünfte. Da ist es fast nur Einrichtungsleiter Boris Roth, der in seinem grauen Anzug aus der Menge heraussticht. Bei Sonnenschein und milden Temperaturen haben sich die Merzhuser Bäretrieber, die Freiburger Bächleputzer, die Zunft der Wühlmäuse aus Littenweiler und die Feurigen Salamander aus Ebnet versammelt. Seit sechs Jahren besuchen die Zünfte das Pflegeheim schon. Die Idee stammt von Carmen Kern, Mitglied der Bäretrieber und gleichzeitig Beschäftigte im Haus Katharina Egg. Der Anschluss der restlichen Zünfte habe sich spontan, aus privaten und beruflichen Beziehungen ergeben.

Zehn Minuten vor Beginn erklärt Sozialarbeiterin Marta Duffner den Ablauf – Fasnet in einem Altenpflegeheim, mit hauptsächlich Demenzerkrankten, das ist doch etwas anders als in der Schule oder im Kindergarten. "Mit den älteren Leuten kann man natürlich nicht so wild umspringen, da muss man vorsichtiger sein", sagt Markus Schäfers, Oberzunftmeister der Salamander aus Ebnet.

Um 15 Uhr kann es losgehen, die Zünfte setzten ihre Masken auf, vorneweg geht Akkordeonspieler Wolfgang Lipp. Auf dem Weg zu den einzelnen Wohngruppen drücken schon einige Heimbewohner ihre Nasen an die Glastüren – aufgeregt und mit großen Augen betrachten sie den Einmarsch ins Pflegeheim. Singend und mit Rasseln in der Hand betreten Pflegepersonal und Zünfte das erste Gruppenzimmer. "Narri" wird zu Begrüßung gerufen, ein etwas verhaltenes "Narro" kommt zurück. Die älteren Herrschaften sitzen an einem großen Tisch mit Kaffee und Kuchen. Eine alte Dame trägt eine Krone und zwei rote Herzen auf ihren Wangen, ihre Sitznachbarin ist als Maus geschminkt. Ein älterer Herr, der gerade dabei ist, seinen Kuchen zu essen, zuckt erstmal zusammen, als plötzlich eine riesige Bärenmaske auf ihn zukommt – aber nachdem sich der erste Schreck gelegt hat und der Bär ihn sachte an der Schulter streichelt, wird gesungen, geklatscht und geschunkelt.

Mit den Handrasseln, die vom Pflegepersonal verteilt werden, wissen einige nichts anzufangen. Eine Dame reicht sie postwendend zurück: "Das tut mir in den Ohren weh". Doch ein Mann in Karo-Hemd und Brille kennt bald kein Halten mehr und schwingt die Rassel wie ein Feldmarschall. "Da merkt man einfach, dass doch noch so viel Leben und Energie in den Leuten steckt", freut sich Schäfers.

Eine der Damen kommt aus dem Klatschen und Schunkeln gar nicht mehr raus. Brunhilde Schwär-Müller ist und bleibt ein Fasnet-Fan: "Ich komme ja aus Oberried, und da gab es auch eine Narrenzunft." Sie lacht: "Das hier gefällt mir wirklich sehr gut". Ihre Sitznachbarin pflichtet ihr nickend bei: "Besonders die Narren". Einrichtungsleiter Roth freut sich über das närrischen Treiben im Haus Katharina Egg: "Das ist etwas Besonderes für unsere Bewohner, so wird die Fastnacht lebendig für sie". Mit einer eigens verfassten Büttenrede von Marta Duffner endet der Besuch für die Wohngruppe: "Wenn man fröhlich ist und zufrieden, kann im Herzen immer Fasnet sein."