Energieversorgung

Eine Gruppe von Kappler Bürgern entwickelt ein Nahwärmekonzept

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Mi, 09. August 2017

Freiburg Ost

Für die große Variante gab es nicht genügend Interessenten. Jetzt will die Gruppierung "Bürger Energie Kappel" die abgespeckte Version umsetzen. Dafür muss die Stadt Freiburg mitziehen.

KAPPEL. Der Stadtteil Kappel will Neuland betreten: Eine Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger möchte die Energieversorgung umweltfreundlicher gestalten und ein Nahwärmekonzept umsetzen – in dieser Größenordnung wäre es das erste in Freiburg. Da sich nicht genügend Gebäudeeigentümer für die ursprünglich geplante Version fanden, soll es jetzt eine abgespeckte Variante geben. Doch an dieser müsste sich die Stadt Freiburg beteiligen: Damit sich das Projekt lohnt, müsste die Schauinslandschu

le an das Nahwärmenetz angehängt werden.

Sie haben Broschüren verteilt, Infoveranstaltungen gemacht, Gespräche geführt, Telefonate beantwortet, E-Mails geschrieben – kurz gesagt: Klinken geputzt. Die Gruppierung "Bürger Energie Kappel" rund um die Initiatoren Christian Neumann, Sonja Groß, Hermannn Hallenberger und Marcel Dräger will die Energiewende aktiv vorantreiben und setzt sich für eine dezentrale, ökologische Versorgung in Kappel ein. Das Nahwärmekonzept ist ein Aspekt des Quartiers-Energiemanagements, das die Stadt Freiburg 2016 gemeinsam mit dem Energieversorger Badenova und den Bürgern modellhaft für Kappel erarbeitet hat (die BZ berichtete).

Um die Idee weiter voranzutreiben, bezuschusst die Stadtverwaltung die "Bürger Energie Kappel" mit 8000 Euro. Geplant war, 60 Häuser an ein Blockheizkraftwerk (BHKW) in der Schauinslandschule anzuhängen, das auch das Schulgebäude selbst und den Kindergarten St. Barbara mit Wärme versorgt. Der im BHKW erzeugte Strom würde ins öffentliche Netz eingespeist.

Doch das ursprüngliche Konzept ist nicht aufgegangen: Die benötigten Gebäudeeigentümer sind nicht zusammengekommen. Gedrückt ist die Stimmung bei einer Infoveranstaltung im Gasthaus "Zum Schützen" in der Kappler Molzhofsiedlung trotzdem nicht: Christian Neumann und Sonja Groß erklären, dass sich die "Bürger Energie Kappel" eine Alternative überlegt hat. Gestartet werden könnte auch mit einem Teilnetz: Ein kleineres Blockheizkraftwerk würde das Schulgebäude und ein Dutzend Häuser im Umkreis versorgen – genügend Interessenten dafür gebe es. Im nächsten Schritt könnten für den Kindergarten samt umliegenden Gebäuden sowie für das Gebiet "Sieben Jauchert" zwei weitere BHKW in Betrieb genommen werden. "Damit hätten wir drei Insellösungen", erklärt Christian Neumann. Falls sich doch noch mehr Interessierte fänden, könnte alles auch zu einem großen Netz zusammengefasst werden. Dass sich nun doch auch eine kleinere Lösung wirtschaftlich rechne, liege an veränderten staatlichen Zuschüssen.

Rund ein Dutzend Hauseigentümer sitzt am Tisch. Fast alle haben Heizungen im Keller stehen, die alt sind und ersetzt werden müssen – der Spitzenreiter ist eine Familie, deren Anlage 54 Jahre auf dem Buckel hat. Im Haus von Achim Hainy steht eine 26 Jahre alte Ölheizung. Er braucht eine neue – und findet das Nahwärmeprojekt aus ökologischen Gründen absolut unterstützenswert. Meinrad Ruf will sich ebenfalls beteiligen. Ihm gefällt vor allem der Komfort, den das Konzept bietet: Anders als bei einer eigenen Heizungsanlage müssen sich die Haushalte um Reparaturen oder Wartungen nicht selbst kümmern. Das übernimmt die Betreiberin des BKHW: die Genossenschaft Solargeno, bei der die Gebäudeeigentümer Mitglied würden.

Entscheidung der Stadt steht noch aus

Laut Solargeno rechnet sich das Nahwärmeprojekt in Kappel für die Hauseigentümer auch finanziell (siehe Infobox). Die Genossenschaft hat bislang hauptsächlich Photovoltaikanlagen errichtet, aber auch ein BKHW für ein Mehrfamilienhaus in Gundelfingen.

Einen Knackpunkt gibt es allerdings noch: Das Projekt steht und fällt mit der Entscheidung der Stadt Freiburg. Ohne die Schauinslandschule als größtem Abnehmer würde sich das Nahwärmenetz nicht rentieren. Die Stadtverwaltung will sich allerdings noch nicht festlegen: Die Prüfungen liefen noch, teilt Sprecherin Edith Lamersdorf auf Anfrage der BZ mit. So oder so müsse die Heizungsanlage der Schule aber erneuert werden: Sie sei mehr als 30 Jahre alt. Sollte es mit dem Nahwärmenetz nicht klappen, werde die Schule ein eigenes BHKW bekommen – für 150 000 Euro. Ungeklärt ist auch noch die Frage, ob die Stadtverwaltung ebenfalls Mitglied der Genossenschaft Solargeno werden müsste, wenn sie sich am Nahwärmekonzept beteiligt.