Schloss wieder mit Kapelle

Jule Arwinski

Von Jule Arwinski

Do, 02. November 2017

Freiburg Ost

Sakraler Raum, den Nikolaus von Gayling in Ebnet schaffen ließ, ist religionsübergreifend konzipiert.

EBNET. Noch Ende vergangenen Jahres war die 1731 erbaute Kapelle von Schloss Ebnet kein Ort, an dem Gottesdienste hätten gefeiert werden können: Hier waren Dokumente des oberrheinischen Adelsarchivs untergebracht, außerdem hatte der Raum zeitweise als Möbellager gedient. Am Sonntagabend aber kamen an die Hundert Gäste in der Kapelle zusammen. Schlossherr Nikolaus von Gayling (75) hatte alle Interessierten eingeladen, mit ihm die Neueröffnung der sogenannten "Sickingen-Kapelle" zu feiern.

Nachdem Ende 2016 das oberrheinische Adelsarchiv ins Staatsarchiv überführt worden war, hat sich Schlossherr von Gayling an die Arbeit gemacht und zusammen mit Architekt Hartmann Manfred Schärf und zahlreichen Handwerkern die zweckentfremdete Kapelle in einen hellen, schlichten Raum "zum Trauern, zum Beten, zum Heiraten, Taufen und Innehalten", wie von Gayling sagt, verwandelt.

Die Kapelle, die etwa fünfzig Quadratmeter groß ist und sich im Eingangsbereich des Schlosshofes befindet, wurde mit einem hellen Holzboden ausgelegt, die Wände sind weiß gestrichen und werden von Ölgemälden geziert. An den Fenstern hängen die Wappen der Familie von Gayling-Westphal. Neben dem ebenerdigen Hauptbereich der Kapelle, in dem etwa 50 Stühle Platz finden können, gibt es auch noch eine Empore. Dort können sich bei Festen nochmal etwa 15 bis 20 Gäste einfinden und von hier richteten auch am Sonntag drei besondere Gäste ihr Wort an die Besucher.

Von Gayling, der für die FDP im Freiburger Gemeinderat sitzt, ist es wichtig, dass die Hauskapelle nicht einer einzelnen Glaubensrichtung vorbehalten sein soll, sondern für alle Menschen offen steht. Um dies zu verdeutlichen, hatte er vier Vertreter verschiedener Religionen zur Wiedereröffnung eingeladen. Jörg Imram Schröter kam für die muslimischen Gläubigen, Michael Kalff für die Buddhisten und der evangelische Pfarrer Jörg Wegener vertrat die christlichen Kirchen. Der Rabbi Yakov Gitler hatte zwar kurzfristig abgesagt, aber auch so wurde deutlich, worum es den Religionsvertretern ging: Um die Möglichkeit, sich über die Grenzen der Religionen zu begegnen, um Respekt voreinander und das Bewusstsein, dass trotz der verschiedenen Glaubensüberzeugungen, die Menschen viele Gemeinsamkeiten verbinden. "Es war nicht schwer, die Drei davon zu überzeugen, bei der Eröffnung mit zu machen", so von Gayling: "Ich habe einmal angefragt und sie haben sofort zugesagt."

Jeder hielt eine kurze Predigt, dazwischen ließ von Gayling jedes Mal für eine Minute die neue Glocke läuten, die im Rahmen der Renovierung in Karlsruhe gegossen worden war (die BZ berichtete).

Auf die Frage, wie lange der Umbau der Kapelle gedauert hat, gibt Schlossherr von Gayling zwei Antworten: Der Grundstein wurde Anfang August 2017 gelegt. Aber Pläne, die Kapelle wieder für die Bürger zu öffnen, hatte von Gayling schon vor mehr als zehn Jahren. Wie viel genau die Renovierung gekostet hat, will von Gayling nicht sagen. Nur so viel: "Es waren mehr als 100 000 Euro aber deutlich weniger als eine Million."

Doch alle Mühen scheinen sich gelohnt zu haben: Nicht nur die Einweihungsfeier der Kapelle am Sonntagabend stieß auf reges Interesse. Es haben sich laut von Gayling auch schon zahlreiche Interessenten gemeldet, die in Zukunft beispielsweise ihre Hochzeit auf dem Gelände feiern wollen. Die Kapelle soll sich, das wünscht sich von Gayling, regelmäßig im Rahmen von Taufen, Hochzeiten oder Trauerfeiern füllen. "Sie können hier auf Schloss Ebnet alle drei Elemente einer Hochzeit an einem Ort verbinden: Sowohl die standesamtliche als auch die kirchliche Trauung und im Anschluss die Feier", sagt von Gayling. Wie viele Anfragen es schon gibt, das weiß von Gayling nicht so genau: "Meine Tochter macht die Buchführung." Auch die neue Gestaltung des Innenraums wurde gelobt. "Die Kapelle ist wunderschön geworden", resümierte CDU-Gemeinderat Klaus Schüle, der wie Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach (SPD) zu den Eingeladenen gehörte, in einer kurzen Ansprache: "Da ist ein Kleinod für den Freiburger Osten entstanden."

Wer sich nach den Konditionen für die Kapellennutzung erkundigen will, kann das über die Homepage http://www.schloss-ebnet.de tun (Button "Kontakt").