Denkmal mit kurzer Lebensdauer

Carl Dohmann

Von Carl Dohmann

Fr, 10. Oktober 2014

Freiburg Süd

Stele zum Gedenken an Hitler-Attentäter Georg Elser hielt nicht lange / Spendenaktion für Ersatz.

VAUBAN. Zu Ehren des erfolglosen Hitler-Attentäters Georg Elser war 2004 im Stadtteil Vauban ein Denkmal aus Pappelholz errichtet worden. Es war damals erst das zweite Elser-Denkmal in Deutschland und bestand aus einer Holz-Stele (freistehender Pfeiler) mit integriertem Elser-Foto samt Erläuterungen. Doch Ende 2013 war das Material so durch Witterungseinflüsse geschädigt, dass die Stele entfernt werden musste. Nun soll das Denkmal aus beständigerem Holz wiedererrichtet werden. Dafür hat der Stadtteilverein Vauban einen Spendenaufruf gestartet.

Historisch gesehen war Georg Elser eine tragische Figur: Der gelernte Schreiner, der unter anderem auch in der Landwirtschaft, als Hilfsarbeiter in einer Heidenheimer Armaturenfabrik und in einem Steinbruch gearbeitet hat, war das NS-Regime zutiefst zuwider. Doch sein akribisch vorbereiteter Anschlag auf Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller mit einer selbstgebastelten Zeitbombe scheiterte am 8. November 1939: Hitler verließ die Gaststätte früher als geplant. Die Bombe tötete acht und verletzte weitere 63 Besucher. Nahe der der Schweizer Grenze wurde Georg Elser auf der Flucht festgenommen. Fünfeinhalb Jahre später, am 9. April 1945, wurde er im Konzentrationslager Dachau ermordet – kurz vor dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft. Heute gilt Georg Elser als Beispiel dafür, dass die Unterwerfung unter die Nazi-Diktatur auch für so genannte "einfache Menschen" nicht ohne Alternative war.

Um das Gedenken an den Widerstandskämpfer aufrecht zu halten, hatte der Stadtteilverein Vauban 2004 an der "Grünspange 4" die Holz-Stele errichten lassen. Sie war bei einem Jugendprojekt mit dem Bildhauer Clemens Hunger und der Malerin Anne Peschlow entstanden.

Nun steht nur noch ein kleiner Stumpf an dem Ort, nachdem sich Ameisen durch das Pappelholz gebissen hatten und die Säule am Schluss von innen her verfault war. Das Garten- und Tiefbauamt hat inzwischen einen Robinienstamm zur Verfügung gestellt, aus dem Hunger, diesmal allein, die neue Stele herstellen will. Ein Entwurf dafür liegt bereits vor. "Es ist mir ein persönliches Anliegen, das Andenken an Georg Elser zu fördern. Seine Zivilcourage beeindruckt mich sehr", sagt der Bildhauer.

Er schätzt, dass für das Projekt etwa 5000 Euro benötigt werden. Finanziert werden soll es vor allem durch Spenden. Bis zum 1. Oktober seien 1000 Euro zusammengekommen, so Erich Lutz, der beim Stadtteilverein Vauban für das Projekt zuständig ist. "750 Euro hat darüber hinaus der Stadtteilverein zur Verfügung gestellt, weitere 700 Euro stehen vom Kulturamt in Aussicht. Damit hätten wir also rund die Hälfte der erforderlichen Mittel zusammen." Unterstützt wird die Spendeninitiative vom Georg-Elser-Arbeitskreis Heidenheim.

Eingeweiht werden soll die neue Stele im Frühjahr 2015 – etwa zeitgleich zum Erscheinen des Georg-Elser-Spielfilms von Oliver Hirschbiegel, der im April in die Kinos kommen soll. Um das Bewusstsein für den Widerstandskämpfer zu stärken, hat der Stadtteilverein zudem ein Videoprojekt mit dem Filmemacher Bodo Kaiser gestartet.

Zusammen mit der Jugendbegegnungsstätte Vauban soll ein Film entstehen, in dem sich Jugendliche zu Georg Elser äußern. Der fertige Film soll dann in Vauban gezeigt werden. Für dieses Projekt werden laut Lutz weitere 1000 Euro benötigt, die ebenfalls über Spenden zusammenkommen sollen.

Auch an der neuen Gedenksäule sollen ein Bild und ein Informationstext zu Georg Elser angebracht werden. Die genaue Gestaltung des Denkmals ist dem Künstler überlassen. Mehr Infos unter http://mehr.bz/elser-vauban