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13. März 2009
Der Damm wird mit Füßen getreten
Damit das Regenrückhaltebecken keinen Schaden nimmt, sollen Schranken und Schilder Spaziergänger in geordnete Bahnen lenken
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Schilder zählen genau auf, was nicht erlaubt ist. Foto: Michael Bamberger
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Schluss jetzt: Jürgen Bolder vom städtischen Eigenbetrieb Stadtentwässerung an einer der neuen Schranken, die Spaziergänger davon abhalten sollen, die Wiesen am Regenrückhaltebecken Breitmatte zu zertrampeln. Foto: Michael Bamberger
WIEHRE/GÜNTERSTAL. Was hat der Stadtteil Wiehre mit einer Sumpfschrecke gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel, doch seit vergangenem November profitieren beide von derselben Schutzmaßnahme: Das Regenrückhaltebecken Breitmatte halbiert das Hochwasserrisiko für den Stadtteil und bietet seltenen Tier- und Pflanzenarten wertvollen Wohnraum. Rücksichtslose Spaziergänger gefährden nun das Fortbestehen der Anlage.
Schon einige Male hatten Wiehremer Bürger in den vergangenen Jahren mit Hochwassern zu kämpfen. Der Grund dafür waren Überflutunge des Hölderlebachs, der nach seinem Ursprung im Schauinslandgebiet Günterstal und die Wiehre durchquert. Sein Bachbett kann nur eine begrenzte Wassermenge fassen, und so wurden schon bei geringen Hochwässern anliegende Straßen und Grundstücke überschwemmt. Um diese Gefahr zu bannen, ist im vergangenen Jahr ein Regenrückhaltebecken auf der Wiese an der Wonnhaldestraße entstanden. Im Fall eines Hochwassers können vier neue Dämme nun bis zu 17 000 Kubikmeter Wasser zurückhalten, das nach der Überflutung wieder kontrolliert in den Bach zurückfließt.Werbung
Während der Planung der Anlage hat ein Gutachten auf dem Gebiet acht geschützte Tier- und Pflanzenarten gezählt, die so possierliche Namen tragen wie "Kleiner Würfeldickkopf". Um den Lebensraum dieser Schmetterlingsart und der anderen geschützten Lebewesen zu bewahren, halten sich die Betreiber auf dem Gebiet seitdem an einige neue Regeln: Weder Dünger noch Gülle kommen mehr auf die Wiesen, und um die Vegetation zu schonen, wird erst spät im Jahr gemäht. Doch diese Vorkehrungen sind nur sinnvoll, wenn das Gras in der Wachstumszeit nicht betreten wird.
"Trotz des Dammbauwerks sollte der Erholungswert des Gebiets nicht verloren gehen", erklärt Jürgen Bolder, der Leiter des Eigenbetriebs Stadtentwässerung. Auf den Dämmen laden deshalb Bänke zum Entspannen ein, und teilweise erstrecken sich auf den Erhöhungen Spazierwege, die vor allem Hundebesitzer gerne nutzen. Diese Wege sind als Sackgassen angelegt, werden aber von vielen Besuchern nicht als solche erkannt: Davon zeugen Trampelpfade, die innerhalb von wenigen Monaten da entstanden sind, wo die befestigten Wege enden. An diesen Stellen ist die Vegetation, die bei Überflutungen den Boden festhalten sollte, verschwunden, und die Dämme könnten dort im Ernstfall vom Wasser abgetragen werden. Auch Autos, die am Rand der Wiesen geparkt werden, beschädigen die Vegetation und damit ebenso die Hochwasserdämme.
Gegen die Zerstörung der Anlage hat der Energieversorger Badenova, der die Einrichtung betreibt, nun Vorkehrungen getroffen: Als Begrenzungen für die Wege wurden drei Holzbarrieren aufgestellt, und an mehreren Stellen weisen Schilder auf ein Landschaftsschutzgebiet hin. "Betreten der Wiesen in der Nutzzeit (März-November) verboten", heißt es da unter anderem. "Wir hoffen sehr, dass die Spaziergänger von jetzt an mehr Rücksicht nehmen", sagt Jürgen Bolder. "Wenn es nicht klappt, wäre die ultima ratio, das Gebiet einzuzäunen, aber das wollen wir tunlichst vermeiden."
Autor: Veronika Keller


