Indische Klänge in der Aula

Petra Völzing

Von Petra Völzing

Di, 27. Mai 2014

Freiburg Süd

Das Maharaj-Trio spielte in der Karoline-Kaspar-Schule – und alle durften mitmachen .

VAUBAN. Ungewohnte Klänge dringen durch die Karoline-Kaspar-Schule in Vauban. Zu Gast ist das Maharaj-Trio aus dem indischen Varanasi. Die drei Musiker – ein Vater und zwei seiner Söhne – spielen indische Klassik, und sie sind mit ihrer Musik auf der ganzen Welt unterwegs. Vergangenes Jahr gaben sie in Köln vor 15 000 Zuhörern ein Konzert mit der A-cappella-Gruppe "Wise Guys". Sie spielen aber genau so gern in einer Schulaula. Erst recht, wenn sie so das Publikum in einer Form zu mitmachen animieren können, wie das auf der großen Bühne nicht geht.

Die Kinder drängen sich auf dem Boden vor der improvisierten Bühne. Auf sechs zusammengerückten Tischen liegt ein Teppich. Darauf sitzen die drei Musiker und ziehen die Kinder sofort in ihren Bann. Zunächst erklärt Prabhash Maharaj (30) den Kindern die Instrumente. Er selbst spielt Tablas, das sind zwei kleine Trommeln, denen er eine ungeahnte Vielfalt an Tönen zu entlocken weiß. Sein Vater Vikash (58) spielt Sarod, ein altes Saiteninstrument, das ursprünglich aus Afghanistan stammt und das er mit den Fingernägeln spielt. Bruder Abhishek (27) hält seine Sitar, ebenfalls ein Saiteninstrument, über den kunstvoll gekreuzten Beinen. Dann fangen sie an zu spielen und die Kindern rutschen immer näher an die Bühne heran. Mit offenen Mündern schauen sie auf Prabhash, denn seine Hände bewegen sich mit unglaublicher Geschwindigkeit auf den Trommeln. Normalerweise halten sich die drei Musiker ja an die Ragas, das ist die musikalische Grundstruktur der indischen Klassik, die bestimmte Tonfolgen vorgibt, die je nach Tageszeit verschieden sind.

Für die Kinder gibt es aber auch bekanntere Weisen. Im indischen Stil erklingt das Lied "We shall overcome" und alle singen und klatschen mit, soweit sie den Text beherrschen. Danach experimentieren sie mit der Tonleiter. Das "Do Re Mi Fa So La Ti Do" kennen auch die meisten. Später dürfen einige Schüler mit auf der Bühne sitzen. Prabhash fordert sie verschmitzt grinsend auf, sie sollten ihm einfach nachsprechen. Es folgen uralte, einfache indische Worte aus dem Sanskrit. Aber es zeigt sich bald, dass der Musiker seine Zunge noch schneller bewegen kann als seine Hände, und die Jungs auf der Bühne müssen laut lachen, als sie versuchen, ihm die Worte in der gleichen Geschwindigkeit nachzusprechen.

Victoria Nussbaum (9) fand das Konzert toll. "Mir hat besonders gut gefallen, dass das eine Familie ist, die da zusammen spielt", sagt sie. Bei Frida Veit (9) kam das "We shall overcome" besonders gut an, und auch der Rhythmus der Trommeln hat sie beeindruckt. Für die Musiker ist es immer etwas ganz Besonderes, für Kinder zu spielen. "Wir planen solche Konzerte nie", sagt Vikash Maharaj, alles sei improvisiert, denn man wisse nicht, wie die Kinder reagieren und wolle sich darauf einstellen. "Wir haben hier eine große Verantwortung", ergänzt sein Sohn Prahbash, denn wenn sie die Kinder mit ihrer Musik wirklich erreichten, dann habe diese Erfahrung vielleicht Einfluss auf ihr zukünftiges Leben. Wenn sie für Kinder spielten, sei das weniger eine Vorführung, sondern viel mehr ein Austausch. "Wir versuchen deshalb immer, während des Konzertes selbst wie Kinder zu werden", sagt Abhishek, und das sei eine wirklich schwere Aufgabe. Am Schluss versinkt die Aula in frenetischem Applaus und Zugabe-Rufen. Es sieht ganz so aus, als hätten es die drei Inder wieder geschafft, mit leichter Hand bei vielen Kindern den Zauber der Musik zur Wirkung zu bringen. In Kontakt mit den Musikern kam die Karolin-Kaspar-Schule übrigens über das Engagement für ihre indische Partnerschule.

Ein weiteres Konzert des Maharaj-Trios in der Region findet am Donnerstag, 3. Juli, 20 Uhr, in der Kirche der evangelischen Johannesgemeinde in Merzhausen, St. Galler Straße 10, statt. Der Eintritt ist frei, Spenden für Hilfsprojekte der Gemeinde in Indien sind willkommen.