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01. Februar 2012
Linkes Ding am Tram-Halt
In Günterstal darf man nun "falschherum" aussteigen – weil es sicherer ist.
GÜNTERSTAL. Eigentlich ist es ein ganz linkes Ding, aber alle finden es gut: An der Straßenbahn-Haltestelle Klosterplatz im Herzen Günterstals dürfen die Fahrgäste, die aus der Kernstadt kommen, seit kurzem links aussteigen, also auf der eigentlich falschen Seite. Der Bürgerverein hatte das schon lange gefordert, weil es rechts nur eine schmale Halteinsel neben der Autofahrbahn gibt und es immer wieder gefährliche Situationen gab. Die Freiburger Verkehrs-AG (VAG) kündigt an, dass aus diesem stadtweit einmaligen Testbetrieb eine Dauereinrichtung wird.
"Mit kleinen Kindern war der Ausstieg auf der rechten Seite wirklich eine unmögliche Situation, ich hatte oft Angst, dass eine meiner Töchter auf die Straße rennt", sagt die zweifache Mutter Ulrike Mohnke (39), Bautechnikerin aus Günterstal. Sie ist der Meinung, dass das "linke Ding" die beste Lösung ist. Ebenso sieht es Carolin Bersin (31), Bildungsreferentin: "Da ich hier oft mit dem Kinderwagen ein- und aussteige, ist der neue Ausstieg für mich viel angenehmer als zuvor." Seinen Anfang nahm dieser für Freiburg einzigartige Seitenwechsel bei Gerd Nostadt, dem Vorsitzenden des Ortsvereins Günterstal, der auf das Problem immer wieder angesprochen worden war. Er ergriff die Initiative und forderte bei der VAG, dass sich am Klosterplatz fortan links die Türen öffnen sollten. Das Nahverkehrsunternehmen reagierte und führte im Herbst den Links-Halt als Probephase ein. "Gerade für Kinderwagen, Rollstuhlfahrer oder auch für ältere Mitbürger mit Rollator oder ähnlichen Gehhilfen ist die Haltestelleninsel rechts einfach viel zu schmal", erläutert Nostadt, "dadurch wurde es beim Ausstieg oft brenzlig. Bei Gegenverkehr mussten manchmal Autos aufgrund der engen Fahrbahn sogar auf die Insel ausweichen. Zudem fahren die Autos oft schneller als die erlaubten 30 Stundenkilometer." Auch von Schülern der Schule für Geistigbehinderte werde die Haltestelle Klosterplatz regelmäßig genutzt. Und noch ein Argument: Auf der rechten Seite gibt es keine Laternen, die Passagiere mussten bis zur Umstellung bei Nacht im Schatten der Straßenbahn aussteigen. "Das ist auf der gut beleuchteten linken Seite alles kein Problem mehr", so der Bürgervereinsvorsitzende. Bestätigt fühlt er sich auch durch die Ergebnisse einer Umfrage des Bürgervereins: "Von 150 Befragten haben 147 den Links-Ausstieg befürwortet. Drei waren ohne Meinung, keiner dagegen."Werbung
Das hat auch die VAG beeindruckt. Pressesprecher Andreas Hildebrandt teilte gestern mit: "Der Probelauf war positiv, so dass die Regelung dauerhaft beibehalten wird." Für das Aussteigen auf der linken Tram-Seite sei sogar eine Sondergenehmigung durch die Technische Aufsichtsbehörde für Straßenbahnen (TAB) notwendig gewesen. Laut Hildebrandt ist der Günterstäler Klosterplatz nur eine von zwei Stadtbahnhaltestellen in Freiburg mit Linksausstieg. Die zweite liegt nur ein paar hundert Meter weiter: Es ist die Endhaltestelle "Dorfstraße", an der die Linie endet und an der schon immer links ausgestiegen wurde. Das liegt auch daran, dass im rund 30 Kilometer langen Stadtbahnnetz das Günterstäler Teilstück das einzige eingleisige ist. Ansonsten gibt es überall getrennte Gleise für Hin- und Rückweg. Insgesamt gibt es in Freiburg 63 Stadtbahnhaltestellen.
Autor: Daniel Stocker
