Konzert in der Kirche St. Georg

250 Waldorf-Schülerinnen und Schüler führen Puccini-Messe auf

Jule Arwinski

Von Jule Arwinski

Di, 12. Dezember 2017

Freiburg Südwest

In monatelangen Proben haben rund 250 Schülerinnen Schüler der Waldorfschule St. Georgen mit ihren Musiklehrern Giacomo Puccinis „Messa a quattro voci“ (Messe für vier Stimmen) einstudiert. Am Freitag und Samstag zeigten sie in der Kirche St. Georg ihr Können – und auch kurz vor dem Auftritt am Samstagabend mussten noch einige letzte Vorbereitungen getroffen werden.

Gerade eben noch hat aufgeregtes Gemurmel von hunderten Jugendlichen die Kirche ausgefüllt, Geigen wurden gestimmt und Blasinstrumente warm gespielt. Doch als Florian Combosch laut ruft, versammeln sich langsam alle Mitwirkenden vorne. Combosch ist neben Wolf Bütow, Erika Chachuzki-Staiger und Tanja Wiesenfahrt einer der Musiklehrer der Waldorfschule St. Georgen, die für die Umsetzung des Konzerts verantwortlich sind.

Noch eineinhalb Stunden dauert es, bis das Konzert beginnt, und der 37-Jährige Combosch weiß, wie er die überschüssige Energie seiner Schüler auf die letzten Vorbereitungen bündeln kann: Die Mitwirkenden aktivieren ihre Stimmen, strecken die Hände in den Himmel, stampfen mit den Füßen, gähnen und schnauben laut. Während ein letzter Nachzügler die schwere Eingangstür der Kirche zufallen lässt und mit seinem Cello durchs Kirchenschiff nach vorne hetzt, entlässt Combosch gerade das Orchester in die Pause: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, in der "Scheune", wartet eine letzte Stärkung auf die Musiker.

"Halt!", ruft er: "Der Chor bleibt aber noch hier." Tee, Kuchen und Spekulatius müssen auf die Sänger also noch ein bisschen warten, stattdessen steht das gemeinsame Einsingen auf dem Programm.

Mit der "Messa a quattro voci" hat sich die Waldorfschule ein eher unbekanntes Stück Puccinis ausgesucht, den man eher mit Opern wie "La Boheme", "Tosca" und "Madame Butterfly" in Verbindung bringt. "Wir geben seit vier Jahren jedes Jahr ein Konzert. Der Rhythmus ist, dass abwechselnd ein weltliches und ein kirchliches Stück aufgeführt werden. Dieses Jahr war ein kirchliches an der Reihe", begründet Wolf Bütow (47), warum die Wahl auf dieses Werk gefallen ist, "außerdem bin ich ein großer Puccini-Fan. Diese Stücke transportieren für mich die Wärme Italiens." Und etwas Wärme ist an diesem Abend in der Kirche durchaus willkommen: Die Instrumente, allen voran die Flöten, müssen in der Kälte erst einmal gründlich warm gespielt werden.

Das vollständige Orchester, der Chor und auch die Soli sind allein mit den Schülern der Stufen neun bis zwölf besetzt. Die einzige Ausnahme ist Harin Lee: Er ist Student der Musikhochschule Freiburg und übernimmt einen besonders schwierigen Solopart.

"Ich finde die Messe sehr schön", sagt der 16-jährige Elias Falk, der für das Konzert die erste Geige übernimmt: "Sie hat so eine große Klangkraft."

Auch seine Mitschüler haben an den klassischen Musikstücken Gefallen gefunden. "Einige haben das jetzt sogar auf ihre Smartphones gedownloaded und hören das in ihrer Freizeit", erzählt Musiklehrer Bütow: "Genau darum geht es uns Musiklehrern."

Etwa 50 Probenstunden stecken in der etwa einstündigen Aufführung. "Wir haben kurz nach den Pfingstferien mit dem Einüben begonnen", so Elias Falk, "und in der vergangenen Woche haben wir jeden Tag drei bis vier Stunden geprobt." Mit einer so großen Anzahl an Mitwirkenden sinnvoll zu proben, bedarf einer Menge Organisation. Bütow erklärt, dass die Proben zuerst einmal wöchentlich in Kleingruppen stattfanden und später dann alle Schüler gemeinsam geübt haben. Doch nicht nur das rein Musikalische musste bedacht werden. Da der Teufel ja bekanntlich im Detail steckt, wurde jede Kleinigkeit als Aufgabe bestimmten Schülern zugeteilt. Manche haben Bleistifte verteilt, es gab solche, die Stühle an ihre Plätze gestellt haben und andere, die die dafür verantwortlich waren, dass alle Instrumentalisten mit Notenständern ausgestattet waren. Das klappte zwar nicht alles immer, "aber immer besser", meint Wolf Bütow.

Nach einer Stunde Einsingen und letzten Anweisungen der Musiklehrer darf auch der Chor noch eine kleine Essenspause einlegen. Denn langsam füllt sich die Kirche bis zum letzten Platz mit rund 700 Zuhörern. Und als um 19 Uhr das mitreißende Konzert beginnt, ist von Nervosität, kalten Flöten oder falsch gestimmten Violinen nichts zu bemerken.