Feuerwehrfest

Auch für die freiwilligen Wehren nehmen die Herausforderungen zu

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Di, 18. September 2018

Freiburg

Fröhlich gefeiert haben die Abteilungen Unterstadt und Stühlinger der Freiwilligen Feuerwehr Freiburg bei ihrem "Feuerwehrhock an der Hauptwache". Doch es ging auch um ernste Themen: Die Notwendigkeit von Nachwuchswerbung, steigende Einsatzahlen und Probleme mit pöbelnden Gaffern.

FREIBURG-HASLACH. Wenn ein Alarm kommt, lassen sie, wenn möglich, alles stehen und liegen – rund 80 bis 100 Mal im Jahr, die Hälfte davon nachts: Von den freiwilligen Feuerwehrleuten der Abteilungen Unterstadt (02) und Stühlinger (08) wird viel gefordert. Am Wochenende haben sie beim "Feuerwehrhock an der Hauptwache" an der Eschholzstraße gefeiert. Alle erzählen Ähnliches: Sie machen ihre Einsätze gern und lieben ihre Gemeinschaft – doch sie hoffen auf Neue und ein Ende der Pöbeleien, die sich in den vergangenen fünf Jahren etabliert haben.

Wenn sie ein grelles, lautes Feuerwehrauto sehen oder hören, sind Laila (3) und Joel (1) fasziniert – so wie viele Kinder. Beim Feuerwehrhock können sie in ein Feuerwehrauto reinklettern und sogar selbst ein Feuer löschen: Zusammen mit ihrer Mutter halten sie einen Schlauch mit Wasser auf ein Pappschild mit einem brennenden Haus.

Sobald kein Wasser mehr aus dem Kübelspritzen-Löschgerät kommt, an dem der Schlauch hängt, sorgt Jan Ruge (42) für Nachschub. Er ist ein eher untypischer Feuerwehrmann, denn er ist erst vergangenes Jahr eingestiegen, mit 41 Jahren. Bei der Ausbildung – sechs Wochen an je zwei Abenden und samstags, danach folgten Funk- und Atemschutzlehrgänge – saß er überwiegend zwischen Jugendlichen, nur zwei andere waren über 30, er war der Älteste. Das hat ihn nicht gestört.

Das einzige Problem war, dass es während der Ausbildung zeitlich stressig wurde: Er hat einen Vollzeitjob als Arbeitsvermittler im Jobcenter und eine Familie mit zwei Kindern. Doch die Einsätze machen ihm Spaß, sinnvoll sind sie ohnehin – bisher hat Jan Ruge es nicht bereut, dass er einiges für die Feuerwehr investiert hat. Auch Jeremy (16) will bald bei den Erwachsenen einsteigen, zurzeit gehört er noch, genau wie Denis (13) und Kavindu (12) zur Jugendfeuerwehr, die beim Hock unter anderem Crêpes verkauft.

Jeremy ist seit sechs Jahren dabei, ihm gefällt die Stimmung in seinem Team und alles, was er über Technik lernt. Zurzeit gehören 19 Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren zur Truppe von Daniel Schilling (36), dem Hauptausbilder, darunter sind zwei Mädchen. Alle sind willkommen, außer "Lust und Laune" müsse man nichts mitbringen oder können, betont Daniel Schilling: "Alles, was wir machen, kann man lernen." Er selbst ist als Zehnjähriger zusammen mit seinen Freunden dazu gekommen. Ähnlich war’s bei Patrick Jung, Abteilungskommandant für die Unterstadt und Merzhausen, und seinem Stühlinger-Kollegen Markus Rotzinger – beide sind seit mehr als 30 Jahren dabei.

Die beiden sind die Chefs von zwei der umtriebigsten der insgesamt 18 Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr, zu ihren Teams gehören 28 (Unterstadt) und 25 (Stühlinger) Engagierte: "Bei den Alarmzahlen sind wir immer auf den ersten Plätzen", sagt Patrick Jung. Dazu gehören auch viele Fehlalarme, denn Schulen, Kitas und ähnliche Einrichtungen, von denen es in ihren Bezirken viele gibt, seien dafür besonders anfällig.

Ebenso die Uniklinik: "Da ist fast einmal in der Woche Fehlalarm", sagt Markus Rotzinger. Anders sei das bei den Rauchmeldern in Privathäusern: "Die haben schon viele Leben gerettet." Im Vergleich zu ihren Anfangszeiten haben Patrick Jung und Markus Rotzinger inzwischen viel mehr Einsätze – außerdem sind die Einsätze deutlich schwieriger geworden, erzählen sie.

Daran seien unter anderem die vielen Gift- und Verbundstoffe schuld, die es nun überall gebe: "Früher hatten die Leute Möbel aus Eiche rustikal, inzwischen sind es Pressspannmöbel mit einem hohen Plastikanteil", sagt Patrick Jung. Durch immer mehr Isolierung werde das Feuer eingekesselt und sei viel schwerer zu löschen. Und dann seien da die zunehmenden Pöbeleien: "Wir werden leider immer öfter bei unserer Arbeit behindert – auch durch Gaffer", betont Patrick Jung.