Quartiershock

Beim Rieselfelder Stadtteilfest gehört die Kirche einfach mit dazu

Barbara Meyer

Von Barbara Meyer

Di, 28. Juli 2015

Freiburg Südwest

Die ökumenische Maria-Magdalena-Kirche ist beim Rieselfelder Stadtteilfest mittendrin statt nur dabei / Auch eine Führung gab’s.

RIESELFELD. Das letzte Wochenende vor den langen Schulsommerferien verbringt eine Vielzahl von Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils Rieselfeld traditionell gemeinsam. Denn an diesen Tagen feiern sie ihr Quartier – und das bereits zum 20. Mal. Zum Programm des Stadtteilfests gehörte auch eine Führung durch die ökumenische Maria-Magdalena-Kirche.

"Die Kirche gehört in den Stadtteil", begrüßt Franz Stefan das halbe Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kirchenführung am Samstagnachmittag und deutete dabei auf den großen grauen Betonbau hinter ihm. Vor der Maria-Magdalena-Kirche herrscht da schon ein reges Treiben. Auf der großen Showbühne zwischen dem Gotteshaus und dem Stadtteiltreff "Glashaus" tanzen bunt bekleidete Damen von der Freiburger Turnerschaft von 1844 zu lateinamerikanischen Klängen Zumba, die Schülerinnen und Schüler der Waldorfschule Rieselfeld backen eifrig Waffeln, und von allen Seiten ist fröhliches Lachen, Klatschen oder Reden zu hören. Die Rieselfelder haben sichtlich Spaß an und bei ihrem Fest.

Auch Ruth Peeters und ihr Lebensgefährte Kurt Landmann sind jedes Jahr beinahe an allen drei Festtagen beim Stadtteilfest anzutreffen. Doch dieses Jahr wollen sie das Wochenende auch dazu nutzen, um mehr über ihre Kirche zu erfahren. Denn zum Festprogramm gehören nicht nur Bühnenshows, Action, Unterhaltung und Bewirtung, sondern eben auch Kirchenführungen. "Das finde ich super, denn die Kirche ist schließlich auch Teil unseres Stadtviertels", sagt Kurt Landmann, der seit acht Jahren in Rieselfeld wohnt, aber nicht sehr viel über das Gotteshaus weiß. Bei der Umrundung des Gebäudes erklärt Franz Stefan zunächst, dass zur Zeit der Planung nicht von vornherein klar war, dass die evangelische und katholische Kirchengemeinde unter einem Dach versammelt sein sollen. Das habe sich bei der Frage des Standortes erst ergeben: "Hätte jede Gemeinde ihre eigene Kirche gewollt, wären diese wohl nicht so zentral in den Stadtteil gebaut worden." "Das Gesicht dieses Platzes wäre dann ja ein total anderes", meint Ruth Peeters und fügt hinzu, dass sie froh sei, dass die Kirche hier, inmitten des lebendigen Maria-von-Rudloff-Platzes, stehe.

Als es in das Innere des Kirchengebäudes geht, ist Christa Kappert erstaunt, wie ruhig es plötzlich ist, "wo doch draußen so laute Musik spielt". Sie ist erst vor kurzem in den Stadtteil gezogen. "Als ich noch nicht hier gewohnt habe, bin ich zufällig zu einem Erntedankgottesdienst in die Kirche gekommen", erzählt die 70-Jährige, "mir hat damals sofort gefallen, dass hier gemeinsam gefeiert wurde." Tatsächlich ist der Erntedankgottesdienst einer von insgesamt vier Gottesdiensten, den evangelische und katholische Kirchengemeinde im Jahreslauf zusammen abhalten. Dazu werden die Trennwände, die das Gotteshaus in einen evangelischen und katholischen Kirchenraum unterteilen, mit technischer Raffinesse herausgefahren. "Es wäre schön, wenn man solche Trennwände auch so einfach in manchen verbohrten Gehirnen rausnehmen könnte", entfährt es Kurt Landmann, "dann wäre die Welt etwas friedlicher." Doch viel Zeit für trübe Gedanken lassen sich die Zuhörerinnen und Zuhörer nicht. Zu groß ist die Freude auf die anschließende Brotzeit und ein Glas Wein mit Freunden.

"Das Fest wird immer mehr zu einem zentralen Datum im Jahreskalender der Rieselfelder", freut sich Andreas Roessler, der Vorsitzende des "BürgerInnenvereins Rieselfeld" (BIV). 1996 wurde es zum ersten Mal ausgerichtet. "Damals haben noch nicht einmal Leute hier gewohnt", erinnert sich Andreas Roessler. Vielmehr sei es zu jener Zeit eher eine Art Gewerbeschau gewesen, bei der sich Baugruppen präsentiert hätten, als ein richtiges Fest. "Einzige Attraktion waren die Kamele vom Mundenhof", lacht der engagierte Rieselfelder Roessler, "gefeiert wurde aber immer auf dem Platz!" Ausnahmen waren die Jahre 2002/2003: Da musste auf den Geschwister-Scholl-Platz ausgewichen werden. Roessler: "Denn da wurde die Kirche gebaut."