Vereinsporträt

Der Freiburger "Slow Club" ist ein Verein, der es richtig krachen lässt

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Mi, 28. Oktober 2015

Freiburg Südwest

VEREINT IM VEREIN: Der Slow Club an der Haslacher Straße wird von einem Verein getragen und feiert nun sein Fünfjähriges.

HASLACH. Ein versteckter Eingang an der Haslacher Straße: Gegenüber liefern tagsüber Lastwagen frische Milch an die Molkerei, im gleichen Gebäude ist eine Schreinerei, nebenan ein Bordell. Um 19 Uhr an diesem Mittwochabend sitzen ein Dutzend Menschen im Kreis im Veranstaltungsraum des Slow Club. Drei Mal im Monat treffen sich hier die Vereinsmitglieder. He

ute geht es vor allem um die Vorbereitungen zum fünften Geburtstag – drei Tage lang soll ab Donnerstag gefeiert werden.

Man trägt schwarz, viele rauchen, das Altersspektrum reicht von Ende zwanzig bis Anfang fünfzig. Es gibt Ganter- oder Ökobier, Cola oder Club Mate. Gewissenhaft und flott werden die Tagesordnungspunkte abgearbeitet. Auf der kleinen Bühne stehen schon die Mikrofonständer bereit, nachher wird hier eine Band spielen. Markus Heinzel, Musiker, von Beruf Tontechniker und Inhaber des Tonstudios in den gleichen Räumen, referiert über die Verhandlungen mit dem Vermieter über den neuen Technikraum, über die neue Heizung, die da kommen soll, über mögliche kleinere Umbaumaßnahmen – und über die Kosten. Der Vorsitzende des Vereins, der Freiburger Musiker Jens Teichmann, erzählt, dass man nun nach fünf Jahren endlich mal einen offiziellen Brief ans Kulturamt der Stadt Freiburg geschrieben habe: "Wir sollten uns dort einmal präsentieren. Und ja, es geht auch um eine mögliche kulturelle Förderung." Der Kassenwart, der Informatiker Frank Kallenberg, berichtet, dass die neuen Club-Ausweise für die nun schon 344 Mitglieder da seien und alsbald verschickt werden müssten. Und dann geht es natürlich noch darum, wer sich von den Ehrenamtlichen beim nächsten Konzert um den Einlass oder die Theke kümmert – und wer am Morgen darauf die Reste des Vortages zusammen kehren oder die kleine Wohnung im Obergeschoss, in der die Bands übernachten können, putzen muss.

"Wir sind damals angetreten, weil es in Freiburg wenige Räume für unsere Musik gab", sagt Heinzel, "der Verein erschien uns als die geeignetste Rechtsform, schließlich ging es ja nie darum, mit den Veranstaltungen irgendeinen kommerziellen Zweck zu verfolgen." Teichmann fügt hinzu: "Wir wollten mit dem Club neue Akzente setzen gegenüber dem etablierten Kulturbetrieb."

In einer ehemaligen Autowerkstatt wurden die Räume hergerichtet, alles Eigenleistung. Die Konzerte kosten in der Regel nicht mehr als zehn Euro Eintritt, Clubmitglieder zahlen weniger. Welche Band in Haslach spielen darf, das entscheidet das Booking-Team. Im Plenum wird ebenfalls entschieden, ob und wann der Raum an Privatleute vermietet wird.

Die Gruppe mit dem schönen Untertitel "Verein für notwendige kulturelle Maßnahmen" finanziert sich bislang ausschließlich über Mitgliedsbeiträge, Eintritte und den Getränkeverkauf. "Wir haben pro Monat etwa 2400 Euro Fixkosten", sagt Kassenwart Kallenberg. Der Großteil entfällt auf die Miete, aber auch die Abgaben an die Gema, die Verwertungsgesellschaft für Musik, sind einberechnet. Und Kallenberg fügt hinzu: "Es gab hier in den fünf Jahren noch nie richtig Ärger, keine Schlägereien, kein Drogenproblem, keine Diebstähle."

Auch heute Abend bleibt es friedlich. Aber nicht ruhig. Im Gegenteil. Auf der Bühne ist mittlerweile die Trierer Post-Punk-Band "Hey Ruin". Vier recht unbekannte Jungs mit der für die Szene obligatorischen Wollmütze. Im Publikum sind Jungs mit der gleichen Mütze, Bart und Kippe. Sie nuckeln am Bier, nicken mit dem Kopf zur Musik. Es ist laut, die tätowierte Frau hinter der Theke gibt Gratis-Ohrenstöpsel aus. Auch so kann die Nachspielzeit einer Vereinssitzung aussehen.

Das Fünfjährige wird im Slow Club, Haslacher Straße 25, gefeiert am Donnerstag, 29. Oktober, ab 20 Uhr mit einem Leseabend (Markus Heinzel, Simeon Boveland) und Konzerten (RM74, Barst; Eintritt frei), am Freitag, 30. Oktober, mit Konzerten von The Seducers und Decibelles samt Aftershowparty (ab 21 Uhr; 7 Euro, Mitglieder 5 Euro) und am Samstag, 31. Oktober, mit Auftritten von Bird Berlin, Don’t Look Back und DJ Birdy Ballkönigin (aka Bird Berlin; ab 21 Uhr; 7 Euro, Mitglieder 5 Euro).