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23. April 2016

Burger Factory beim FFC

Im Dietenbachpark gibt's Kängurus - zwischen zwei Brötchenhälften

In der FFC-Vereinsgaststätte bietet jetzt die Burger Factory auch Fleisch von exotischen Tieren an.

  1. Manuela und Torsten Reinhard haben sich auf amerikanische Burger spezialisiert. Foto: Michael Bamberger

WEINGARTEN. Heimspiele des Freiburger Fußballclubs (FFC) haben jetzt eine tierische Komponente. Seit Januar ist die Burger Factory in der Vereinsgaststätte auf dem Stadiongelände im Dietenbachpark ansässig. Ihre Spezialität: Burger aus Krokodil, Känguru, Kamel und anderen exotischen Tieren. Die Betreiber experimentieren gern – und haben sich beim FFC ihren lang gehegten Traum vom eigenen American Diner erfüllt.

Bänke und Stühle sind rot-weiß gepolstert, an der Wand hängen amerikanische Autokennzeichen – aus jedem Bundesstaat eines. Das Betreiberpaar hat die Gaststätte, in der bis Dezember ein indisches Restaurant ansässig war, von Grund auf gereinigt, renoviert und umgestaltet. Um die 15 000 Euro wurden investiert. "Eine alte US-Zapfsäule fehlt noch, oder eine Jukebox", sagt Torsten Reinhard, der stets nach Unikaten sucht – und nach einem Graffiti-Künstler, der einen riesigen Burger an die Wand sprayen möchte.

Der 29-Jährige sprüht nicht nur vor Deko-Ideen. Mit leuchtenden Augen beschreibt er die neueste Frühlings-Kreation: Ein Hirsch-Burger im Laugenbrötchen mit Spargelpüree, Mais und Rucola. Auch regional will die Factory verwurzelt sein, sagt Torsten Reinhard: etwa mit dem "Freiburger Münsterburger" mit Pfifferlingen und Speck – Schwarzwald eben – oder dem "1907". Der ist nach dem Jahr benannt, in dem der FFC seinen – bisher – einzigen deutschen Meistertitel holte. Mit 600 Gramm Fleisch ist er nichts für den kleinen Hunger (siehe Foto). Pfiffige vegane Burger gibt’s natürlich auch.

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Stadtbekannt wurde die Burger-Factory mit ihren exotischen Burgern. Nicht nur edle Sorten Rindfleisch sind darunter, sondern auch Tiere, die sich sonst auf kaum einer Speisekarte finden. Bison, Strauß, Känguru, Krokodil. Wie passt das in eine Stadt mit Öko- und Tierschutz-Image? "Die Tiere kommen alle aus der Zucht. Wir achten sehr darauf, dass es keine Wildfänge sind", sagt Manuela Reinhardt (41). Schwein und Rind würden genauso gezüchtet, um getötet und gegessen zu werden. Was es in Deutschland nicht frisch zu kaufen gibt, wird tiefgekühlt importiert. Nur selten scheitert ein Burger-Plan am Preis: So kostet Python-Hack um die 100 Euro pro Kilogramm. "Zu teuer", befindet Torsten Reinhard. Anders als das Fleisch der Antilope, auf die er es neuerdings abgesehen hat.

Bis zum Jahreswechsel befand sich die Burger Factory im Vereinsheim einer Haslacher Kleingartenkolonie – und konnte dort praktisch nichts an der Aufmachung ändern. Beim FFC funktioniert die Integration besser. "Die Fußballer sagen, sie brauchen ihre Proteine, und bekommen dann auch mal Spaghetti Bolognese, na klar", sagt Manuela Reinhard. Jean-Jacques Suhas (65) ist Vorsitzender beim FFC und bestätigt das gute Verhältnis: "Die Mitglieder sind zufrieden." Dabei kam der FFC nur zufällig auf die Burger Factory, als Torsten Reinhard wegen Bandenwerbung anfragte.

Die Burger der Factory kommen an, locker 500 gehen allein über den Lieferdienst raus – an einem einzigen Sonntag. Das war auch einer der Hauptgründe für den Umzug: Am alten Standort war die Küche dem Burger-Bedarf der Freiburger nicht gewachsen. Jetzt sind drei Mitarbeiter mit Autos im Lieferservice unterwegs – und mit dem Motorroller geht’s flink über die Dreisambrücke bei der Gaskugel nach Betzenhausen oder durch den Park nach Weingarten, sowie ins Rieselfeld.

So abgelegen, wie es zunächst scheint – das FFC-Gelände liegt am Ende des Robert-Ruh-Wegs – ist die Burger Factory nicht. Der Dietenbachsee ist keine hundert Meter entfernt, viele Gäste kommen aus dem Park und den umliegenden Stadtteilen. "Aber wir konnten auch viele Stammgäste mitnehmen", freut sich Manuela Reinhard über den gelungenen Neustart. Demnächst will die Paulaner-Brauerei die Ausstattung für den Biergarten liefern. Trotz eines Vertrages mit der Paulaner-Marke Fürstenberg dürfen die Reinhards auch US-Biere verkaufen: Miller und Bud – das in Deutschland nicht Budweiser heißen darf. Nach einem Importeur für US-Schokoriegel wird gerade gesucht. Eissorten nach US-Vorbild versuchen sie, selbst herzustellen, an Strawberry-Cheesecake wird gerade getüftelt.

Die Reinhards leben ihren amerikanischen Traum im wilden Freiburger Westen. Ob ihnen je die Ideen ausgehen? "In einem Monat fliegen wir nach New York, neue Ideen holen", sagt Torsten Reinhard, wieder mit leuchtenden Augen.

Autor: Konstantin Görlich