Kritik selbst von der CDU

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Fr, 18. Oktober 2013

Freiburg Südwest

Stadtratsfraktion übernimmt einige Argumente des Bürgervereins Weingarten gegen Achtstöcker.

WEINGARTEN. Schon Mitte Juli war klar: Die Pläne der Freiburger Stadtbau (FSB), an der Ecke Binzengrün/Sulzburger Straße einen Achtstöcker mit 21 Wohnungen zu bauen, stoßen auf Protest. Damals fand die erste Veranstaltung der Stadtverwaltung zur Bürgerbeteiligung statt (die BZ berichtete). Nun listet der Bürgerverein Weingarten in einer zwölfseitigen Stellungnahme 14 Punkte auf, die aus seiner Sicht gegen die Pläne sprechen. Zwei davon hat die CDU aufgegriffen und sich mit der Bitte um ein Gespräch an den FSB-Geschäftsführer Ralf Klausmann gewandt.

Ein bisschen etwas hat sich bereits getan, seitdem die ausführliche Auflistung des Bürgervereins bei der FSB und der Stadtverwaltung ankam – inzwischen werde unter anderem darüber nachgedacht, die Auto-Stellplätze für die neuen Wohnungen anders als vorgesehen zu planen, erläutert FSB-Pressesprecherin Annette Engelke. Bliebe es bei den alten Plänen, müssten Fußgänger – darunter auch etliche Kinder der Adolf-Reichwein-Grundschule auf ihrem Schulweg – mehrmals die Straße überqueren. Das neue Ziel: die Verlagerung des Gehwegs, um mehr Sicherheit für Fußgänger zu erreichen.

Dieser Punkt ist nur einer von 14, mit denen sich die Bürgervereins-Vorsitzende Zinaida Nabulsi und ihre Mitstreiter gegen den Achtstöcker wehren. Laut Stadt-Pressesprecherin Edith Lamersdorf wird der Gemeinderat erst im Lauf des Jahres 2014 über das beschleunigte Bauvorhaben entscheiden – zunächst ist für Januar der Offenlagebeschluss geplant, danach die formelle Bürgerbeteiligung.

Bei der CDU hat der Bürgerverein bereits Unterstützung gefunden. In ihrem Brief an die FSB verweisen die Stadträte Wendelin von Kageneck, Berthold Bock und Ellen Breckwoldt auf den in Weingarten oft kritisierten Mangel an Parkplätzen und eine zu geringe "soziale Durchmischung". Der Parkplatzmangel führe unter anderem zu einem "Zuparken" von Fahrzeugen. Die geplanten 15 Stellplätze für 21 neue Wohnungen seien zu wenig, bemängelt auch der Bürgerverein.

Konzept für Weingarten soll diskutiert werden

Auch beim zweiten Punkt, der fehlenden "sozialen Durchmischung", übernimmt die CDU die Argumentation des Bürgervereins: Weingarten leide unter einer "zunehmenden Destabilisierung", die durch den Achtstöcker verstärkt werden würde, weil dort nach den ursprünglichen Plänen nur Menschen mit geringem Einkommen und Wohnberechtigungsschein hätten einziehen sollen. Der CDU gehe es mehr um die Belegung als den Bau an sich, betont von Kageneck gegenüber der BZ. Er fordert, dass nicht immer nur in Weingarten für sozial benachteiligte Menschen gebaut werde – auch wenn das bedeute, dass die FSB anderswo mehr für Bauflächen bezahlen müsse. Weingarten brauche insgesamt ein neues Konzept, der Achtstöcker biete die Gelegenheit, die Diskussion darüber zu beginnen.

In seiner Stellungnahme betont der Bürgerverein, die Konzentration von benachteiligten Menschen in einem Stadtteil stehe im Gegensatz zu den Zielen des Förderungsprogramms "Soziale Stadt". 47 Prozent der Schüler der Adolf-Reichwein-Grundschule wechseln laut Bürgerverein auf Werkrealschulen – das sei der schlechteste Wert in Freiburg. Falls der Achtstöcker die Situation zuspitze, will der Verein auf einer Prüfung der verwendeten Fördermittel in Weingarten durch das Regierungspräsidium bestehen.

Doch auch beim Punkt Belegung ist laut Stadtverwaltung nun eine Änderung in Sicht: "Derzeit wird in Abstimmung mit der Freiburger Stadtbau die Realisierung von frei finanziertem Wohnraum geprüft", sagt Edith Lamersdorf. Insgesamt aber stehen Stadtverwaltung und FSB weiter hinter dem Achtstöcker: Er stelle "einen gelungenen städtebaulichen Lückenschluss in der Mitte Weingartens dar". Der Bürgerverein dagegen argumentiert generell gegen diese Verdichtung, die unter anderem zu immer größeren Problemen mit Müll und Lärm führe und im Sommer für heißeres Klima sorge.

Während die Bürgerinnen und Bürger sich dringend die Bewahrung der Grünflächen wünschten, würden diese reduziert – auch die Zukunft der nahe gelegenen "Blumenwiese" sei nach wie vor nicht gesichert. Und speziell in der "neuen Mitte" Weingartens seien, unter anderem durch die Bebauung des früheren Kromer-Gartenbau-Geländes, in den vergangenen drei Jahren in einem Umkreis von rund 200 Metern 211 weitere Wohnungen dazu gekommen.