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06. Oktober 2009

Viel Mühe mit der alten Mühle

Das "Mietshäusersyndikat" zeigte bei einer "Tour de Syndikat" unter anderem, wie die St. Georgener Ölmühle hergerichtet wurde

  1. Wie die St. Georgener Ölmühle samt Nebengebäude sich durch das Engagement des Mietshäusersyndikats verändert hat, konnten sich alle Interessierten bei einer „Tour de Syndikat“ ganz genau erläutern lassen. Auf dem Programm der alternativen Radtour standen auch noch zwei weitere Syndikatsprojekte. Foto: Michael Bamberger

ST. GEORGEN. Wer den früheren Zustand der St. Georgener Ölmühle gekannt hat, dürfte nicht für möglich halten, was die jetzigen Bewohner geleistet haben. Das Bruchsteingebäude aus dem 18. Jahrhundert war mehr als baufällig. Angetroffen hatten die sieben Frauen und Männer eine Ruine, wie sie selbst sagen. Nach eineinhalbjähriger Bauzeit präsentiert sich die einstige Mühle nun grundlegend saniert.

Am Sonntag nutzten zwei Dutzend Interessierte die Gelegenheit, sich die "neue" Ölmühle genau anzuschauen. Danach ging es bei einer "Tour de Syndikat" weiter zu zwei weiteren Projekten, die ebenfalls nach den Leitlinien des Freiburger "Mietshäusersyndikats" entwickelt worden sind. Dabei bilden die (zunächst künftigen) Bewohnerinnen und Bewohner einen sogenannten Hausverein und mit dem Mietshäusersyndikat eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), die ein Haus erwirbt und wiederum an die Mitglieder des Hausvereins vermietet. Auf diese Weise wird es möglich, dass Bewohnerinnen und Bewohner "gemeinschaftlich Eigentum nutzen", wie Jürgen Feldmaier, Berater und Projektentwickler beim Mietshäusersyndikat nach der Führung durch die Ölmühle erklärte.

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Die St. Georgener Ölmühle ist ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts ließen die St. Georgener Bauern hier Raps, Mohn, Leinsamen und Walnüsse pressen. Angetrieben wurden die technischen Anlagen durch Wasserkraft, wobei der St. Georgener Dorfbach genutzt wurde. Eine erste Erwähnung fand die Ölmühle 1731, beschrieben wurde sie auch im Jahr 1811 als "Haus Nummer 60" des Ortsteils Wendlingen durch den damaligen Pfarrer Vinzenz Zahn.

Die Gruppe, die die Ölmühle nutzbar gemacht hat, bildete sich bereits im Jahr 2004. Oliver Burde, von Beruf selbstständiger Baumpfleger, ist von Anfang an dabei. Der 39-Jährige hat der GmbH Kredit gegeben, hat bei den Bauarbeiten mitgeholfen und wohnt nun auch in der Mühle. Damit ist schon viel gesagt über die Grundstruktur der Hausprojekte des Syndikats, von denen es in Freiburg 13 und bundesweit 43 gibt. Am bekanntesten sind die Wohnprojekte auf dem Gelände der früheren Gretherfabrik an der Adlerstraße und der Faulerstraße mit insgesamt 110 Bewohnern sowie die Häuser der Selbstorganisierten Unabhängigen Siedlungsinitiative (Susi) in Vauban mit 260 Bewohnern. Vorgestellt wurden am Sonntag zudem Projekte an der Haslacher Straße und an der Markgrafenstraße.

Wer selbstbestimmt wohnen und arbeiten will sowie genügend Gleichgesinnte um sich weiß, kann seinen Wunsch, begleitet vom Mietshäusersyndikat, verwirklichen – immer vorausgesetzt, dass Eigenkapital, Bank- oder Direktdarlehen für die nötige finanzielle Absicherung sorgen. Bemerkenswert ist, dass das Syndikat als Mitgesellschafter auf Dauer verhindert, dass ein Haus auf dem privaten Immobilienmarkt erscheint, und verlangt, dass mit fortschreitender Tilgung ein Solidarbetrag abgezweigt wird, womit anderen Projekten auf die Füße geholfen werden kann. Damit sollen relativ günstige Mieten ermöglicht werden.

Die Ölmühle GmbH erwarb das historische St. Georgener Anwesen mit Garten- und Hofflächen von rund 2000 Quadratmeter im Herbst 2006, im Frühjahr 2007 wurde die Baufreigabe erteilt. Die heutigen Bewohnerinnen und Bewohner haben einen großen Teil des Arbeitsaufwands in Eigenleistung erbracht. Das Gebäude wurde entkernt, und neue Decken mussten eingezogen werden. Komplett erneuert wurde auch das Dach. Im rückwärtigen Bereich wurde an Stelle eines hölzernen Schuppens ein Anbau aufgemauert, der sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss Wohnraum bietet.

Bei einer Investitionssumme von 650 000 Euro ist eine Wohnfläche von insgesamt 373 Quadratmeter entstanden, wobei der gesetzlich vorgeschriebene energetische Standard noch um 30 Prozent unterschritten wurde, erläuterte Oliver Burde. Wärmeenergie liefern eine Pelletheizanlage und Sonnenkollektoren, gedämmt wurde mit Zellulose – und zwar nach Absprache mit der Denkmalschutzbehörde von innen.

Autor: Silvia Faller