Wo die Hühner hellblaue Eier legen

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 17. Juni 2015

Freiburg Tuniberg

VEREINT IM VEREIN: Der "Natur- und Tiererlebnishof Opfingen" bringt Kinder in Kontakt mit alten, seltenen Nutztierarten.

OPFINGEN. Wenn sich das große blaue Tor am Burgweg öffnet, beginnt eine Idylle, die von außen niemand ahnt: Im Innenhof des Burghofs blüht und duftet es überall, da krähen Hähne, wiehern Pferde und blöken Schafe. Und jeden Samstagnachmittag kommt eine von drei Kinder- und Jugendlichen-Gruppen, die hier unter der Regie des Vereins "Natur- und Tiererlebnishof Opfingen" in Kontakt mit Tieren und Pflanzen kommen, von denen zudem einige eine Besonderheit teilen: Sie gehören

zu alten Arten, die inzwischen fast ausgestorben sind.

Auf geht’s zu den Hühnern. Ole (5), Max (8) und seine kleine Schwester Anna-Maria (5) stürmen los, Jule (3) bleibt lieber an der Hand ihres Vaters Andreas Walter und zieht ihn mit Richtung Hühnerstall.

Von dort kommt bald schon wieder Ole angetrabt, er trägt ein dunkles Huhn, stellt es auf eine Bank – von da aus läuft es gackernd davon. Max und Anna-Maria kommen hinterher, voll beladen mit Eiern, die sie auf den Tisch legen: Sie sind bunt, wirken wie angemalt – in unterschiedlichen Braunschattierungen und zartem Hellblau. Doch das ist ihre natürliche Farbe, betont Katharina Mensch, die Besitzerin des Burghofs, die auf ihrem Gelände mit ihren Tieren zu Angeboten ihres Vereins einlädt. Sie ist auf dem Hof aufgewachsen, den ihr Vater einst gekauft hatte. Schon als Kind zog sie Lämmchen mit der Flasche groß.

Inzwischen lebt sie hier mit ihrem Mann und zwei Kindern. Sie fing früh an, sich speziell für seltene und bedrohte Tierarten zu interessieren und sammelte immer mehr von ihnen an. Mittlerweile leben hier unter anderem große, weiße Angorakaninchen mit blauen Augen – die im Gegensatz zu denen mit roten Augen rar sind –, Sundheimer Hühner, weiße Bergschafe und amerikanische Miniaturpferde. Neben den Kaninchenställen wachsen Kerbel, Maggikraut, Majoran und viele andere Kräuter – auch sie gehören alle zu alten, bedrohten Sorten, die aus dem Samengarten Eichstetten stammen. Der Verein hat anderswo noch einen eigenen Garten, in dem alte Gemüsesorten angebaut werden.

Für die Kinder sind die Tiere der Renner: Sie lassen sich von den Hühnern Körner von der Hand picken und staunen, wie kahl geschoren die weißen Schafe Shaun und Charlotta nach dem Scheren beim Schäfer aussehen. Und dann stehen sie bei der Miniaturpferdstute Marylou im Stall, Max fängt als Erster an, sie vorsichtig zu bürsten. Gleichzeitig erzählt Katharina Mensch, welche Funktion Pferde früher für Menschen hatten: Dass sie halfen, Gemüse zum Markt zu transportieren, oder Kutschen zogen, wenn jemand verreiste. Ihr ist der Nutztier-Aspekt wichtig, dazu gehört auch, dass die Hühner geschlachtet werden. Wenn sie keinen Besuch haben, sind die Pferde und Schafe meist auf der Koppel, dort entwickelten sich vor etwa drei Jahren die ersten Vereinsideen: Viele Opfinger Kinder interessierten sich für die Tiere und kamen auch auf dem Hof vorbei.

Irgendwann entwarf Katharina Mensch, die eine Gärtnerinnenausbildung und eine Zeitlang Biologie studiert hat, das Konzept eines "Natur- und Tiererlebnishofs", um Kindern und Jugendlichen die Vielfalt von Nutztieren und -pflanzen zu zeigen und direkte Kontakte zu ermöglichen. Neben den Gruppen, die nach dem Alter gestaffelt sind, gibt’s Projekte zu verschiedenen Themen.