Vereint im Verein

Der Imkerverein Freiburg will das Bewusstsein für die Bedeutung der Bienen schärfen

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 28. September 2016

Freiburg West

Alles ist winterfest: Jetzt wird’s ruhig bei den Lehrbienen des Imkervereins Freiburg, dem größten Ortsverein im Landesverband der badischen Imker. Zehn Bienenstöcke stehen im Garten ihres Vereinsheims, das recht versteckt am Silberhof liegt – dort machen sie Neueinsteiger mit der Imkerei vertraut.

LEHEN. Das tun sie seit 150 Jahren und feiern nun das Jubiläum ihres Vereins, der am 2. Oktober 1866 im damaligen Gasthaus Pfauen als Freiburger Bienengesellschaft gegründet worden war.

Die kommenden Monate sind für die Imker eher entspannt. In den vergangenen Wochen haben Martin Homburger (55), Horst Eppler (53), Lothar Dähn (67), Siegfried Abb (61) und Ronald Reichel (43) die Lehrbienen im Garten mit genug Zuckerwasser für den Winter gefüttert. Ähnlich ist es bei den eigenen Bienen, die jeder hat – von drei Völkern bei Siegfried Abb, der sie auf seinem Bauernhof im Höllental hält, bis zu 20 Völkern von Horst Eppler, für die er Stöcke am Waldrand aufgebaut hat. Doch im Sommer haben sie stressigere Zeiten: Von Frühling bis Ende Juli können Imker nicht verreisen, betonen sie – da müssen sie regelmäßig für ihre Bienen da sein, auch wenn sich der tatsächliche Zeitaufwand in Grenzen hält. Horst Eppler rechnet mit jährlich acht Stunden pro Stock. Dem widersprechen allerdings die anderen, von denen einige relativ neu dabei und darum weniger geübt sind. Sie brauchen mehr Zeit.

Martin Homburger stieg erst vor einem Jahr beim Anfängerkurs ein. Das ergab sich, weil er einen alten Bauernhof mitbewirtschaftet und fand, dass Bienen da passen würden. Und er erinnerte sich immer gern an die Zeiten, als er als Kind seinem Opa bei dessen Bienen geholfen hatte – genauso wie es auch bei Ronald Reichel war, der 2009 mit dem Imkern begann. Bei Siegfried Abb haben die Bienen, die er seit 1996 hält, positive Folgen für seine Obstwiesen: Inzwischen hat er zum Beispiel deutlich mehr Äpfel. Weil Bienen extrem wichtig sind für eine halbwegs heile Natur, setzen sie sich für möglichst gute Bedingungen für Bienen ein: zum Beispiel in Gesprächen mit dem Garten- und Tiefbauamt, die dazu führten, dass Grünstreifen nicht mehr niedergemäht werden, sondern dass dort Blumen blühen können, die Bienen brauchen.

Das Bewusstsein für Bienen wächst, ist ihre Einschätzung. Das zeige sich auch daran, dass immer mehr und jüngere Interessierte zu ihnen stoßen – 15 Prozent seien Frauen. Der größte Feind der Bienen sei die industrielle Landwirtschaft mit Insektiziden und Pestiziden – dagegen wollen sie kämpfen. Doch auch der Alltag ihrer Bienen hat wenig mit Naturidyllen zu tun: Weil sie nicht wollen, dass ein Teil ihrer Bienen abwandert, töten die Imker regelmäßig neue Königinnen, die von den Bienen ausgesucht werden. Würden die Königinnen überleben, verschwänden sie mit einem Teil der Bienen. Dazu kommt, dass den Bienen ihr erarbeiteter Honig weggenommen und durch Zuckerwasser ersetzt wird – so dass sie immer schneller weiterschuften.

Sonntag, 2. Oktober: Feier des 150- Jahre-Jubiläums mit Kreisimkertag ab 13.30 Uhr im Bürgerhaus Zähringen, Lameystraße 2. Eintritt frei. Ab 15 Uhr Vortrag zur Zukunft der Imkerei von Werner Mühlen, ab 16.30 Uhr Vortrag zur Varroamilbenreduzierung von Bruno Binder-Köllhofer.