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14. November 2017

Menschen von Nebenan

Die neue Schulleiterin der Albert-Schweizer-Grundschule hat eine Vorliebe für Kinder und für Zahlen

Helga Schäuble ist seit Schuljahresbeginn die neue Leiterin der Albert-Schweitzer-Grundschule im Freiburger Stadtteil Landwasser.

  1. Helga Schäuble in ihrem Büro. Foto: Thomas Kunz

LANDWASSER. Mit den Erstklässlern in der Ganztagsbetreuung erforscht Helga Schäuble (48) Zufälle und Zahlen: Das gelingt prima beim Würfeln. Und nebenbei kommen die Kinder auch noch ins Gespräch, egal, ob sie Sprachprobleme haben oder nicht. "Den Kindern macht das unglaublich Spaß", sagt Helga Schäuble. Und ihr auch: Die neue Leiterin der Albert-Schweitzer-Grundschule liebt Naturwissenschaften. Aber sie organisiert auch gern. Damit verbringt sie seit Mitte September zwei Drittel ihrer Arbeitszeit. Heute wird sie in einer offiziellen Feier eingeführt.

Mit Landwasser hatte Helga Schäuble bisher wenig zu tun, doch die Albert-Schweitzer-Grundschule war ihr aufgefallen: Weil es dort islamischen Religionsunterricht gibt, den sie sehr wichtig findet, und wegen den 17 Lehrerinnen, dem einzigen Lehrer, dem Schulsozialarbeiter und den Fachkräften von der Ganztagsbetreuung, die sie alle ungewöhnlich engagiert findet. Deshalb hat sie sich beworben, als sie erfahren hatte, dass ihr Vorgänger Ulrich Reimann in den Ruhestand gehen würde. Einiges hier erinnert sie an ihre eigene Grundschulzeit: Auch sie ging, 1969 in Freiburg geboren, in eine Schule mit Kindern aus vielen Nationalitäten – in die Hebelschule im Stadtteil Stühlinger, wo sie mit zwei Schwestern aufwuchs. Und sie hatte ähnliche Hintergründe wie viele ihrer jetzigen Schüler, denn sie hatte keine Akademikereltern, sondern stammt aus einer Arbeiterfamilie mit Handwerksberufen.

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Da war es keineswegs selbstverständlich, dass sie aufs Ursula-Gymnasium wechselte: Die Grundschullehrerin kam extra zu ihren Eltern nach Hause und überzeugte sie davon. "Wie sie mich unterstützt hat, das hat mich sehr beeindruckt", erzählt Helga Schäuble. Als sie 16 war, starb ihr Vater, danach erlebte sie den Alltag ihrer ab da alleinerziehenden Mutter mit. Auch das prägte sie. Genau wie ihre eigenen Erfahrungen als studierende junge Mutter, nachdem sie mit 20 schwanger geworden war, direkt nachdem sie sich an der Pädagogischen Hochschule fürs Lehramtsstudium eingeschrieben hatte: "Mit Kind zu studieren war damals nicht so selbstverständlich wie heute", sagt sie. Über einen Aushang an der PH fand sie andere Studierende mit Kind, abwechselnd betreuten sie gegenseitig ihre Kinder. Als der Kampf für eine Krabbelstube an der PH gewonnen war, war ihre Tochter schon drei Jahre alt und Helga Schäuble fast fertig mit dem Studium.

Dass sie Lehrerin werden wollte, hatte sie nach dem Abi entschieden – sie hatte sich in der Kinder- und Jugendarbeit der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde engagiert und wollte weiter mit Kindern zu tun haben. Ihre Studiumsschwerpunkte waren Mathe und Chemie sowie ergänzend pädagogische Psychologie. Ihren Hang zu den Naturwissenschaften konnte sie nach einigen Berufsjahren ausleben: Nach ihrem Referendariat in Offenburg und Stellen in Meißenheim, in Freiburg an ihrer einstigen eigenen Grundschule – der Hebelschule – sowie in Umkirch unterrichtete sie einige Jahre in Ehrenkirchen an einer Werkrealschule Jugendliche im Fächerverbund Mensch-Natur-Technik.

Zuletzt war sie in Umkirch drei Jahre im Schulleitungsteam und bildete sich in einem Kurs "Frauen fit in Führung" weiter. Bei alldem hat sie gemerkt: "Das Strukturelle liegt mir." Da kam die Albert-Schweitzer-Grundschule genau richtig.

Helga Schäuble schätzt alles an ihrer neuen Schule, unter anderem die zwei Inklusionsklassen und die kreativen Projekte. Für die Zukunft hofft sie, dass die Ganztagsbetreuung ausgebaut werden kann – derzeit nutzen sie 85 der 150 Schüler, 20 weiteren Eltern musste abgesagt werden. Sie will dafür sorgen, dass noch mehr Bewegung angeboten und die Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Nachmittagsbetreuern enger wird. Auch räumlich gäbe es Änderungsbedarf: Für mehr Ganztagsbetreuung wäre mehr Platz nötig, und die Räume müssten saniert werden, findet sie. Außerhalb der Schule erholt sich Helga Schäuble am liebsten bei Spaziergängen mit ihrem kleinen Terriermischling. Sie wohnt im Stadtteil Rieselfeld.

Autor: Anja Bochtler