Landwirtschaft

Ein Besuch auf dem Bio-Bauernhof von Armin Brutscher

Bettina Gröber

Von Bettina Gröber

Mi, 02. August 2017

Freiburg

Armin Brutscher (47) führt einen Bio-Bauernhof in Benzhausen – mit viel Einsatz und aus Überzeugung.

HOCHDORF. "Viel Idealismus", so Armin Brutscher, gehöre zu seinem Beruf: Der 47-Jährige führt seit 2003 den einzigen Bio-Bauernhof im Hochdorfer Ortsteil Benzhausen. Seine Arbeit sei für ihn "ebenso Job wie Hobby". Das kann wohl auch gar nicht anders sein, beginnen doch die Tage des Landwirts in der Früh zwischen halb fünf und halb sechs und enden mit dem Feierabend zwischen 21 und 22 Uhr.

2003 hat Armin Brutscher den Hof von seinem Vater übernommen, als dieser mit 65 Jahren in den Ruhestand ging. Der Papa hatte 1984 die Bio-Landwirtschaft in seinem Betrieb eingeführt: "Die Chemie war nie seine Welt gewesen", beschreibt der Sohn die damalige Motivation. Damit war der Hof in Benzhausen eine Art Trendsetter, "und früher wurde mein Vater eher belächelt". Die Anfänge seien "schwierig und auch deprimierend gewesen", blickt Armin Brutscher zurück. Aber letztlich habe sich die Bio-Ausrichtung als richtig und auch erfolgreich erwiesen. Getreide, Gemüse, Kartoffeln, Sojabohnen und Gemüsesaatgut baut Armin Brutscher an. In diesem Jahr gibt es zudem auf einer kleinen Fläche Süßkartoffeln: "Wir befinden uns in der Testphase – mal schauen, wie es klappt." Geerntet wird im September.

Dass er den Hof vom Vater übernehmen würde, sei eigentlich immer klar gewesen, so Brutscher. Von Kind auf hat er abends und an den Wochenenden bei der Arbeit mitgeholfen. Daran änderten auch die Ausbildung zum Elektriker und die anfängliche Tätigkeit in diesem Beruf nichts. 2003 folgte dann der Einstieg als Vollzeit-Landwirt. Der Großteil der Arbeit liegt in den Händen und auf den Schultern von Armin Brutscher und seiner Frau. Verwandte und Bekannte, manchmal auch Kollegen aus der Region oder Aushilfskräfte kommen ebenfalls zum Einsatz. Der 14-jährige Sohn hilft in seiner Freizeit auch mit. Natürlich hoffe er, dass der Filius eines Tages den Bio-Bauernhof weiterführen werde, sagt Armin Brutscher. Aber: "Letztlich muss er das selbst entscheiden, ich werde ihn auf keinen Fall zu etwas zwingen."

Derzeit bewirtschaftet Armin Brutscher rund 18 Hektar Fläche (das sind 180 000 Quadratmeter). Eigentlich sei das viel zu wenig, aber aktuell gebe es keine Möglichkeit der Expansion. Es gebe einfach kein verfügbares Land mehr. Obendrein hätten die Stadt Freiburg und die Gemeinde March Armin Brutscher für einige Flächen gekündigt. 30 Ar (3000 Quadratmeter) würden ihm dann seitens der Stadt und 70 Ar (7000 Quadratmeter) seitens der Gemeinde wegfallen, so Brutscher. Hintergrund sei die Tatsache, dass für den geplanten neuen Stadtteil Dietenbach Ausgleichsflächen geschaffen werden müssen.

Die Ernte wird vor allem direkt vermarktet

Reich werde man nicht bei dem, was er mache, resümiert Armin Brutscher, "aber wir können davon leben". Natürlich bedeute die Arbeit als Bio-Landwirt einen Mehraufwand: "Wo konventionelle Betriebe einmal spritzen, braucht es bei unsereinem fünfmal die Hackmaschine", nennt Brutscher als Beispiel. Trotz oder gerade wegen dieser aufwändigeren Bewirtschaftung sieht der 47-Jährige ausschließlich die Vorzüge des biologischen Wirtschaftens. "Bio", das bedeute für ihn gesunde Produkte, den Verzicht auf Chemie, die Erhaltung des Bodens.

Armin Brutscher produziert vor allem für Privatkundschaft – er verkauft in seinem Hofladen, Steingrübleweg 12, saisonales Obst und Gemüse sowie freitags auf dem Hochdorfer Markt, und er beliefert mit "Abo-Kisten" die Leute individuell. Ein Teil geht auch für den Weiterverkauf an andere Bio-Bauern. Außerdem beliefert er eine Behindertenwerkstätte in Waldkirch. Dort werden seine Produkte in der Großküche und in Wohnhäusern, die sich übers Wochenende selbst versorgen, direkt für die Speisen verarbeitet. Das verkaufte Gemüse baut Brutscher größtenteils selbst an, das Obst bezieht er – abgesehen von den eigenen Erdbeeren – von Kollegen.

Seit er den Hof von seinem Vater übernommen hat, hat Armin Brutscher den Betrieb kontinuierlich ausgebaut, Altes erneuert, ergänzt. Sein Motto: "Immer wieder etwas Neues probieren." Rund 20 Jahre als Bio-Landwirt lägen noch vor ihm, meint Brutscher.

In Hochdorf gibt es neben seinem Hof nur noch einen weiteren, konventionell betriebenen landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieb. Das generelle Verhältnis zwischen den Bio-Bauern und ihren konventionell arbeitenden Kollegen habe sich im Laufe der Jahre "deutlich verbessert", meint Armin Brutscher. Dies sei auch der modernen Technik zu verdanken, die für einen gezielten Einsatz von Düngern und Spritzmitteln sorge – und damit dafür, dass die Grenzen zu den chemiefreien Bio-Flächen eingehalten werden. Veränderungen der Umwelt betreffen beide Landwirtschaftsarten gleichermaßen. Wenn etwa in trockenen Sommern mehr bewässert werden müsse, sei das etwas, woran man sich letztlich gewöhnen müsse, ist Armin Brutscher überzeugt: "Den Klimawandel bekommen wir alle zu spüren."