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06. Juni 2013

Geschichte wird augenfällig

Zur Erinnerung an den Bauernaufstand sind in Lehen Bundschuheiche und -pfad eingeweiht worden.

  1. Holzkünstler Thomas Rees (links) und Lehens Ortsvorsteher Bernhard Schätzle enthüllten die Skulptur. Unter den Gästen waren auch viele Schulkinder im historischen Outfit. Foto: Thomas Kunz

  2. Die Bundschuh-Eiche enthält eine Vielzahl revolutionärer Szenen und Motive. Am Bundschuhplatz startet auch der insgesamt 3,4 Kilometer lange Bundschuhpfad mit zahlreichen Erläuterungstafeln. Foto: Thomas Kunz

  3. Foto: Thomas Kunz

LEHEN. Rund 200 Gäste – und damit weit mehr als erwartet – wollten sich gestern vor der Bundschuhhalle die Enthüllung der geschnitzten Bundschuheiche und die anschließende erste Führung entlang der 14 Stationen des neuen Bundschuhpfades nicht entgehen lassen. Beides erinnert an den 500. Jahrestag des 1513 gescheiterten Bundschuhaufstandes in Lehen und Betzenhausen unter der Führung des Revolutionäres Jos Fritz. Richtig groß gefeiert wird das Jubiläum dann vom 14. bis 16. Juni mit einem Mittelaltermarkt.

Die Obrigkeit, die der aus Untergrombach stammende Jos Fritz so kritisch gesehen hatte, war diesmal hochwillkommen: Lehens Ortsvorsteher Bernhard Schätzle begrüßte als Ehrengäste unter anderem Bildungsbürgermeisterin Gerda Stuchlik sowie den Stadtrat und Mooswälder Bürgervereinsvorsitzenden Horst Bergamelli, zudem die vielen "Bundschuher" aus Lehen und Betzenhausen und eine Abordnung aus Untergrombach. Lehen habe sich, so führte Schätzle aus, über die Jahrhunderte eine gewisse Eigenständigkeit und viel Gemeinschaftssinn aus der Bundschuhzeit bewahrt. Sie zeige sich im Zusammenhalt bei der Organisation von Festen, aber auch in der großen Spendenbereitschaft für all die im Jubiläumsjahr anstehenden Aktivitäten.

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Auch Bürgermeisterin Stuchlik, die sich vom Kunstwerk des Kappler Künstlers Thomas Rees sehr beeindruckt zeigte, stellte heraus, eine Botschaft der Bundschuhbewegung (die übrigens nach einem bäuerlichen Kleidungsstück benannt worden war, das als Erkennungszeichen diente) sei das eigenständige Denken der Bauern gewesen. Diese wollten sich von der Willkür örtlicher oder regionaler Adliger, aber auch der Pfarrer und Bischöfe befreien. Gerade für die damalige Bevölkerung, die zu 80 bis 85 Prozent aus Bauern und Handwerkern bestanden habe, habe die Forderung nach Gerechtigkeit Vorrang gehabt. In Lehen hätten die Planer des Jubiläums mit Bundschuheiche und Bundschuhpfad nun Nachhaltiges auch für nachfolgende Generationen geschaffen. Die Bundschuhbewegung sei damals von den städtischen Behörden Freiburgs als ein Werk des Teufels bezeichnet worden. Entsprechend seien nach dem Scheitern des geplanten Aufstandes durch Verrat die gefangenen Bauern auf grausamste Weise getötet worden.

Thomas Rees schilderte dann seine Gedanken und Hintergedanken bei der Arbeit an der Bundschuheiche und lobte die Zusammenarbeit mit den Organisatoren des Jubiläums. Die gut 6 Meter hohe und 5 Tonnen schwere Eiche, die er als bereits gefällten Baum im Wald entdeckt habe, zeige mit ihren vielen Szenen aus der Bundschuhzeit die damals herrschende Klasse ebenso wie die unterdrückten, in jeder Hinsicht benachteiligten Bauern.

Für den richtigen revolutionären Ton zwischen den einzelnen Redebeiträgen sorgten mit ihren hellen Stimmen die "Johannes-Schwartz-Kehlchen", der Chor der Lehener Grundschule unter der Leitung von Anita Hirth. So gab es gleich zu Beginn das Lied: "500 Jahre Bundschuh, das ist gut…".

Ulrike Sutter als Sprecherin der "AG Öffentlichkeitsarbeit" informierte dann über die Entstehung des Bundschuhpfades, mit dem man an 14 Stationen historische Stätten der Bundschuhzeit sichtbar gemacht und mit Infotafeln versehen habe. Der Pfad werde zur weiteren Betreuung an den neu gegründeten Verein "Bundschuh zu Lehen" übergeben. Abschließend machten sich die rund 200 Menschen mit dem Bundschuhkenner und Buchautor Thomas Adam in einer fast endlosen Schlange auf den Weg zu den Stationen.

Autor: Harald Albiker