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08. Mai 2015

Kunstprojekt

Schüler bringen Weingarten ins Gespräch

Schülerinnen und Schüler der Adolf-Reichwein-Schule gehen mit einem Kunstprojekt als Botschafter Weingartens zu Freiburgern.

  1. Kleine und große Reporter am großen Konferenztisch Foto: Ingo Schneider

WEINGARTEN. Es kommt nicht alle Tage vor, dass Journalisten von Reportern befragt werden. Bei der Badischen Zeitung waren es dieser Tage sozusagen Nachwuchsreporter, die in der Redaktion Station machten. Die "Reporter-AG" der Adolf-Reichwein-Schule aus Weingarten führt über einige Wochen Interviews mit Freiburgern.

Das Ganze ist ein soziokulturelles Kunstprojekt und jede Begegnung für eines der "Stadtgespräche" beginnt mit der Überreichung einer künstlerischen Leihgabe. In diesem Fall ist das die Fotobelichtung von Kinderhänden und das Wort "bunt". Gerahmt und beschriftet steht es in den kommenden Wochen im Schaufenster der Badischen Zeitung und tut kund: Weingarten ist bunt!

Davon erzählen auch Dunja Meier, Anna Lena Hesse, Ishita Vashist, Luna Vollmer und Kevin Hasan, als sie um den Konferenztisch sitzen. Das Stadtgespräch wird von Jasmine Tutum aufgezeichnet für eine Sendung bei Radio Dreyeckland, das nach Abschluss aller Stadtgespräche über Weingarten eine Zusammenfassung dieser Interviews bringen wird. In einer Ausstellung werden dann auch alle Bilder gezeigt, die von der Künstlerin und Projektleiterin Brigitte Liebel angeregt wurden. Lichtsammlerin nennt sie sich – und hält auch selber gerne Welt und Wahrnehmung per Lochkamera als Licht und Zeit fest.

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Die acht- und neunjährigen Reporter beschreiben das vage – und fragen dann umso präziser, was sie von der Journalistin wissen wollen: "Ergänzen Sie den Satz – Weingarten ist..." Weingarten ist? Na, ganz klar: "Weingarten ist das Vauban der 60er und 70er Jahre! Da war das der nagelneue Stadtteil in Freiburg!" Für die Kinder ist Weingarten noch viel mehr, zählen sie auf: "Es ist cool und bunt und vielfältig und besonders." Ganz zentral ist alles Grün, der Dietenbachpark, auch toll: die BMX-Bahn, der Abenteuerspielplatz.

Und dann die nächste Frage: Ob es eigentlich schon mal was Witziges aus Weingarten zu berichten gab? Naja, fast. Der vermeintliche Seeadler, der vom Hochhaus aus gesichtet und fotografiert wurde. Und der dann doch lieber noch nicht in die Zeitung flattern konnte, weil noch ein Fachmann draufgucken sollte. Der stellte ernüchternd fest: Der Adler war ein – auch sehr großer – Bussard. Und wäre um ein Haar für einen Adler gehalten und damit eine waschechte Zeitungs-Ente geworden.

Jetzt wollen die aufgeweckten Reporter natürlich alles wissen: Wie geht das überhaupt mit dem Neuigkeiten finden? Und was ist eigentlich toller: über Menschen schreiben oder über die Häuser in der Stadt? Eine Stadt nur mit Menschen wäre nichts. Nur Häuser in einer Stadt und keine Menschen wäre aber auch nichts. Also gehört beides zusammen, so wie ja für die Kinder auch immer beides da ist: Sie sind zu Hause in einem Haus, sie gehen zur Schule und sind dort in einem Haus – und kommen in die Redaktion und sind im BZ-Haus. Und wo in dem Haus wird das Leih-Bild gezeigt werden? Möglichst viele sollen es zu sehen kriegen. Denn die Kinder sind auch Botschafter ihres Stadtteils und wollen überall sichtbar machen: Weingarten ist bunt. Der Vorschlag, das Kunstwerk ins Schaufenster zu stellen, wird sofort angenommen. Und kommende Woche wird Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach erklären müssen, was ein Bürgermeister so alles tut – und wo er seine künstlerische Leihgabe anbringen will.

Autor: Julia Littmann