Sauerstoffmangel

1000 tote Fische im Freiburger Waldsee

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Di, 07. August 2018 um 13:24 Uhr

Freiburg

Flüsse wie die Dreisam trocknen aus und Süßwasserseen drohen zu kippen. Das passierte nun am Waldsee, wo am Sonntag und Montag mehr als 1000 Fische geborgen wurden. Feuerwehr und THW waren im Einsatz.

Am Sonntag musste die Feuerwehr zum Waldsee ausrücken, um dort mit Pumpen Wasser umzuwälzen und dieses mit Sauerstoff anzureichern. Gestern übernahm das Garten- und Tiefbauamt mit Hilfe des Technischen Hilfswerks (THW) die weiteren Arbeiten, um den Zustand des flachen Gewässers zu verbessern. Der Angelsportverein beklagt 1000 verendete Fische. Bei den Badeseen gibt das Umweltamt hingegen Entwarnung – deren Qualität sei weiterhin gut.

"In dieser Form ist das schon außergewöhnlich", sagt Franz Bühler. Circa 1000 Fische, darunter Barsche, Karpfen, Welse und Zander, habe man seit Sonntag aus dem Waldsee geborgen, erklärt der Vorsitzende des Angelsportvereins Freiburg. Zudem würden weitere Fische bereits tot am Grund liegen. Die hohe Wassertemperatur, der massive Schlamm im nur noch 1,50 Meter tiefen Gewässer und der ausgetrocknete Zulauf hätten zu einer rapiden Sauerstoffzehrung geführt. Das heißt, der See ist gekippt.

Am Sonntagmorgen meldeten sich in der Leitstelle der Feuerwehr mehrere Menschen und machten auf die verendeten Fische aufmerksam. Gäste des anliegenden Restaurants wunderten sich über den beißenden Geruch und wurden dann auch von der Terrasse ins Innere geschickt.

Gibt es noch Hoffnung für die übrigen Fische?

Nach Absprache mit dem Umweltschutzamt wurde die Abteilung Wiehre der Freiwilligen Feuerwehr damit beauftragt, dem See mit mehreren Pumpen stundenlang Frischwasser zuzuführen, um die Temperatur zu senken und den Sauerstoffgehalt im Gewässer zu erhöhen. "Die Feuerwehr hat hier tolle Amtshilfe geleistet", bedankt sich Amtsleiter Klaus von Zahn am Montag. Seit gestern sind Mitarbeiter des Garten- und Tiefbaumamts (GuT) am Waldsee im Einsatz. Das GuT, das für den See zuständig ist, pumpte erneut Wasser aus dem See, um dann filtriert in hohem Bogen zurück auf das Gewässer zu spritzen.

"Das war doch irgendwann absehbar."Gisela Friederich, Naturschützerin


Ab dem frühen Abend unterstützte auch das THW die Stadt genauso wie bereits am Sonntag viele Mitarbeiter vom Restaurant Waldsee, vom Naturschutz und vom Angelsportverein. Dieser stellte zusätzlich Kompressoren und Sauerstoffspender auf. Zudem wurde aus einem Schlachthof Eis geholt, um den mehr als 26 Grad warmen See so gut es geht zu kühlen. "Wir hoffen natürlich, dass wir jetzt den restlichen Fischbestand retten können", sagt Bühler. Dieser sei in kurzer Zeit und in dieser Größenordnung auch überraschend dezimiert worden. Den Schaden könne man noch nicht beziffern.

"Das war doch irgendwann absehbar", sagt Gisela Friederich. Der Waldsee müsse endlich mal wieder entschlammt und so verändert werden, dass künftig mehr Bewegung entstehe, fordert die Freiburger Naturschützerin, die Mitglied des Bürgervereins Oberwiehre-Waldsee und des Nabu ist. Seit 18 Jahren habe die Stadt nichts unternommen. Im aktuellen Fall habe sie zwar gehandelt, aber ohne aufmerksame Bürger und freiwillige Helfer wäre nichts passiert, ist sich Friederich sicher. Ein ähnlicher Eingriff wie jetzt am Waldsee war bereits vergangene Woche am Deicheleweiher ganz in der Nähe notwendig. Weitere Vorkommnisse sind dem Umweltschutzamt bisher nicht bekannt.

Die Freiburger Bagger- und Badeseen, wie Moosweiher, Opfinger See, Flückigersee oder Dietenbachsee drohen hingegen nicht zu kippen. Sie sind, anders als der Waldsee, tief genug und haben daher ausreichend Sauerstoff. "Da machen wir uns derzeit keine Sorgen", sagte Klaus von Zahn auf BZ-Nachfrage. Zuletzt kontrollierte die Landesanstalt für Umwelt Ende letzter Woche etwa den Opfinger und den Flückigersee und attestierte ihnen ausgezeichnete Gewässerqualität.