Projekt

15 Arbeitslose haben zusammen ein Theaterstück erarbeitet

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Di, 31. Juli 2018

Freiburg

Sie sind eine bunte Truppe: Manche haben Ausbildungen, zum Beispiel als Wirtschaftsinformatiker oder Einzelhandelskaufmann, andere wollen neue Wege einschlagen – als Tierpflegerin, im Film oder als Alltagsbetreuerin. Aber alle 15 Menschen, die Ende Januar beim Projekt „work:art“ der „Defakto“-GmbH und den Jobcentern Freiburg und Breisgau-Hochschwarzwald eingestiegen sind, haben gemeinsam, dass sie ihren Platz in der Arbeitswelt suchen. Dabei haben sie ein Theaterstück erarbeitet.

Aufstehen, Zähneputzen, sich anziehen – alle auf der "Südufer"-Bühne machen dieselben, einförmigen Bewegungen. Irgendwann werden sie schneller, rennen herum. Und dann fallen sie. Und liegen reglos da. Läuft so das Leben ab?

Zumindest sieht so das eintönige Schicksal eines Menschen aus, "der nie gelebt hat", weil er sich immer angepasst und versucht hat, so zu sein, wie andere es von ihm fordern. Dieses Fazit ziehen die Künstlerinnen und Künstler im Stück "Springen auf Wände – erkenntnisfrei ausgerollt". Es ist das vierte Theaterprojekt der Defakto GmbH , die von den Jobcentern für ihre theaterpädagogische Arbeit mit erwerbslosen Menschen finanziert wird. Dazu gehört die individuelle Suche nach Perspektiven mit einer Jobcoachin. Bei der Aufführung des Stücks, zu der Angehörige und Freunde, aber auch Arbeitgeber eingeladen waren, kam ein Sammelsurium von Szenen auf die Bühne – von einem Romeo-und-Julia-Ausschnitt bis zur Geschichte eines Menschen, der mit dem Text, den er sich mühsam erarbeitet hat, zwei Mal scheitert, doch beim dritten Mal Erfolg hat.

Matthias Fahrer (34) spielt den hartnäckigen Textschreiber. Für ihn kam das Theaterprojekt genau richtig, weil er immer schon Theaterspielen wollte. Das ist aber keine Voraussetzung, im Gegenteil. Valerie Kalinski (28) erzählt, dass sie sich nie hätte vorstellen können, auf der Bühne zu stehen, weil sie sich "ziemlich schüchtern" fühlt.

Sachen ausprobieren, ob sie perfekt sind oder nicht

Doch das hat sich in den vergangenen Monaten geändert. So kam es, dass sie mit der Julia sogar eine Hauptrolle spielte. Für Valerie Kalinski geriet auch sonst viel in Bewegung. Sie ist eine von sechs Teilnehmern, die bereits jetzt, vor dem offiziellen Projektende im Herbst, eine Perspektive gefunden haben – bei ihr ist es eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten.

Davor hat sie im Praktikum gemerkt, dass es passt. Sie hat einen engen Bezug zu Zahlen, hat früher mal drei Semester Mathe studiert. "Wir sind alle über uns hinausgewachsen", sagt sie über die Projekttruppe, "ich bin selbstbewusster geworden, probiere Sachen aus und weiß, dass es nicht wichtig ist, ob es perfekt ist."

Matthias Fahrer ist noch auf der Suche – er interessiert sich für Veranstaltungs- und Bühnentechnik und macht zurzeit ebenfalls Praktika. Er hat mal eine Ausbildung als Industriemechaniker gemacht. "Aber das war nichts", sagt er. Er ist ein aktiver, reflektierter Mensch und engagiert sich umweltpolitisch. Doch beim Thema Beruf hatte er eine Zeitlang einen Durchhänger. Für ihn und einige Kollegen werden noch Praktikumsplätze und Jobs gesucht. Die gewünschten Bereiche sind neben Veranstaltungstechnik auch Informatik, Game- und Grafikdesign, Betreuung, Gastronomie, kaufmännische Aufgaben, Schauspiel und Tierpflege.

Kontakt: Tel. 0173/6813741 oder burmeister@defakto.org