Aktion Weihnachtswunsch: Projekte erhalten insgesamt 27.690 Euro

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 13. Dezember 2012

Freiburg

Es geht um Unterstützung für existenzielle Dinge: zum Beispiel um Fahrten kranker wohnungsloser Menschen zum Arzt. Oder um Roma-Flüchtlingsjugendliche, die nie die Möglichkeit hatten, Lesen und Schreiben zu lernen.

Oder um ein 19-köpfiges internationales Näherinnenteam, dessen Mitglieder sich zumindest teilweise ihren Lebensunterhalt selbst erarbeiten wollen. Das sind drei von zwölf Projekten, die von der BZ-Aktion Weihnachtswunsch mit 27 690 Euro gefördert werden.

Für wohnungslose Menschen ohne Geld und Fahrrad sind alle Wege weit. Das wird für diejenigen, die von der Heilsarmee aufgefangen werden, zu einem besonderen Problem, seit sie nach der Auflösung der Unterkunft in der Idinger Straße zerstreut in der ganzen Stadt leben. Immer mehr von ihnen sind älter oder krank, sie kämpfen mit Suchtfolgen und psychischen Problemen.

Manche schaffen den Weg zum Arzt oder zum Einkaufen nicht mehr allein. Darum ist Andreas Kögel von der Heilsarmee froh um den Bus, den die Stadt gestiftet hat. Doch der braucht einen neuen Auspuff – der soll nun finanziert werden.

In vielen Dingen abgeschnitten vom Rest der Gesellschaft sind auch die rund 20 Roma-Jugendlichen, die Integrationsklassen an der Karlschule besuchen und stundenweise Unterstützung beim Lesen- und Schreibenlernen bekommen. Zwar sind sie schon zwischen 10 und 14 Jahren alt, doch meist mussten sie mit ihren Familien bereits durch mehrere Länder flüchten – nirgends waren sie erwünscht, beschreibt die Schulsozialarbeiterin Carmen Giesin vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) die Situation. Auch in Freiburg leben sie mehr oder weniger perspektivlos, immer droht ihnen – mal mehr, mal weniger konkret – die Abschiebung.

Das merke man den Jugendlichen an, sagt Carmen Giesin. Und obwohl sie drängendere Probleme als gute Schulnoten haben, sollte die Zeit, in der sie hier sind, unbedingt zum Lernen genutzt werden – dabei hilft die DRK-Alphabetisierungsgruppe für Flüchtlingskinder, in der eine Lehrerin aus der Ukraine unbezahlt Einzel- und Kleingruppenunterricht gibt.

Auch gelegentliche Ausflüge gehören dazu: ins Theater oder in den Zirkus. Dafür braucht die Gruppe Geld. Denn den Jugendlichen, deren Familien als Roma nur Chipkarten zum Einkaufen und ein Mini-Taschengeld bekommen, fehlt es an allem. "Wir mussten Kleidung für den Winter für sie sammeln", erzählt Giesin.

Noch deutlich internationaler ist das Näherinnen-Kollektiv des Diakonievereins vom Diakonischen Werk im Stühlinger: Die 19 Frauen, die hier bei der Sozialarbeiterin Melanie Beulich und der Schneiderin Hatice Eksin zusammengefunden und Nähen gelernt haben, stammen aus 19 Ländern. Die Frauen wollen sich als Kollektiv selbständig machen und Aufträge annehmen: von Privatkunden ebenso wie für Kunsthandwerkläden und Märkte, etwa Weihnachtsmärkte.

Dafür suchen sie einen Raum und gute Ausstattung. Mit der Förderung durch die "Aktion Weihnachtswunsch" werden Nähmaschinen angeschafft. Auch sonst gibt’s viel zu klären, damit für die Frauen, die bisher ausschließlich auf Hartz IV angewiesen sind, zumindest die Rahmenbedingungen verbessert werden. Melanie Beulich wünscht sich darum feste Ansprechpersonen beim Jobcenter und dem Finanzamt – auch wenn sich am Hartz-IV-Grundsatz, dass jeder Zuverdienst sofort vom Arbeitslosengeld II abgezogen wird, wohl nichts ändern lässt.