Stadtgeschichte

Alt-OB Rolf Böhme sprach bei der Gedenkfeier zur Zerstörung Freiburgs

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Do, 30. November 2017

Freiburg

Im Freiburger Münster ist mit einer ökumenischen Gedenkfeier an die Zerstörung Freiburgs am 27. November 1944 gedacht worden. In nur 25 Minuten versank die Stadt in Schutt, Asche und Elend. Das Bombardement forderte rund 3000 Todesopfer. „Gedenket der Toten – verwandelt euch“, zitierte Alt-Oberbürgermeister Rolf Böhme in seiner Gedenkrede ein Wort des Dichters Reinhold Schneider.

Dass das Münster damals vom Bombenhagel verschont geblieben war, habe den Bürgern Hoffnung gegeben – und Mut gemacht für den Wiederaufbau.

Die Gedenkrede Böhmes wurde von Dompfarrer Wolfgang Gaber verlesen. Der Alt-OB nahm im Rollstuhl an der Gedenkfeier teil, was viele der Menschen im Münster freute. Es war der erste Auftritt des 83-Jährigen nach seinem Schlaganfall, den er im Juli 2016 erlitten hatte. Seit April ist Böhme zurück in Freiburg und lebt in einem Pflegeheim in der Wiehre. Dort ist er via Zeitungslektüre von BZ und FAZ und den Sendungen des Deutschlandfunks stets über die Politik in Freiburg, Deutschland und der Welt informiert. Er bekommt auch viel Besuch, mit dem er sich gern unterhält – und er freut sich vor allem über die regelmäßigen Treffen mit seinen Enkeln.

Von seinem Zimmer aus sehe er den Münsterturm, schrieb Böhme in seiner Ansprache. Das Münster, seit Jahrhunderten Wahrzeichen der Stadt, sei ihm in seiner Zeit als Oberbürgermeister besonders am Herzen gelegen. Nicht nur als Bauwerk der Vergangenheit, sondern als lebendiger Ort des Erinnerns und des Trostes. Er denke, so der Ehrenbürger, oft an das Geschehen in der Bombennacht.

Die Antwort auf Verbrechen in deutschem Namen

Er denke aber auch daran, wie unerwartet gut sich die Stadt nach dem Krieg wieder entwickeln konnte. Das erfülle ihn mit tiefer Dankbarkeit.

Böhme erinnerte an den Luftangriff mit einem Flächenbombardement. Der Feuersturm wütete um das Münster herum, aber auch in anderen Stadtteilen, in Herdern, der Neuburg, im Stühlinger, im Mooswald, in Betzenhausen. Dieser geplante Angriff auf Wohngebiete, Krankenhäuser und Schulen "war und ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte und das Völkerrecht" gewesen. Es habe sich jedoch um die Antwort angegriffener Nationen auf Verbrechen gehandelt, die in unvorstellbarer Weise von Deutschen oder in deutschem Namen verübt wurden.

Der frühere Oberbürgermeister sprach von den Opfer des Krieges auf allen Seiten, den gefallenen Soldaten, von den Deportierten und Geschändeten und vom Holocaust. "Wir haben alle immer noch dafür einzustehen, wie die damalige Zeit in unserer Geschichte nachwirkt." Auch deswegen müsse man für eine offene Gesellschaft eintreten, die vom solidarischen Zusammenleben geprägt sei.