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16. September 2010

Alte Klischees, neue Ideen: Wie Essen und Klima zusammenhängen

Vier Gäste auf dem Podium und ein voller Saal bei der Diskussion von Junges Freiburg/Die Grünen über "Klimaschutz mit Messer und Gabel: Veggi day in Freiburg".

Hauptsache, kein Zwang – dann kann der "Veggi day" kommen. Das war die Botschaft einer zweistündigen Diskussion über "Klimaschutz mit Messer und Gabel", zu der die Fraktion Junges Freiburg/Die Grünen für Dienstagabend ins Goethe-Institut eingeladen hatte. Mehr als 100 Interessierte kamen.

Eines wiederholt sich an diesem Abend, unermüdlich vorgetragen von Leuten, die sich im Raum verteilt hatten: Der Vorwurf, die Grünen riefen mit der schicken Parole nach einem "Veggi day" in Wirklichkeit zu "Verzicht, Verzicht, Verzicht" auf. Dabei seien Klima- und Weltprobleme mit Geburtenkontrolle und einer geringeren Weltbevölkerung doch einfacher zu lösen. "Das ist eine andere Diskussion", stellt die grüne Stadträtin und Moderatorin Adelheid Hepp klar. Und die Podiumsgäste bemühen sich, das alte Klischee, dass vegetarisches Essen mit Verzicht zu tun habe, zu entkräften. Früher seien Köche leider schlecht im Gemüsekochen gewesen, argumentiert die Ernährungswissenschaftlerin und Autorin Dagmar von Cramm, das habe sich jedoch geändert – und ein "Veggi day" könnte nun noch neue Anstöße bieten zu "witzigeren, besseren vegetarischen Angeboten". Die nicht nur vegetarisch, sondern auch vegan sein könnten, regt Sven Gärtner vom Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung an. Denn was den Klimaschutz angeht, steht Ernährung ganz ohne tierische Produkte deutlich besser da als fleischloses Essen mit Milch und Eiern, für das ebenfalls Tierhaltung nötig ist. Nach Sven Gärtners Zahlen verstärken Veganer, die sich ökologisch ernähren, den Treibhauseffekt in einem Jahr im gleichen Ausmaß wie eine Autofahrt über 281 Kilometer. Bei Öko-Vegetariern sind es 1978 Kilometer, bei Alles-Essern zwischen 4377 (mit Bio-Produkten) und 4758 Kilometer (konventionelle Ernährung).

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Wem, außer Freiburgs Öko-Image, nutzt da ein Tag in der Woche, an dem alles anders ist? Wenn alle mitmachen würden, könnten immerhin 28 000 Tonnen CO2 eingespart werden, sagt Silke Bott vom Vegetarierbund Deutschland, die mit ihren Kollegen zurzeit von Stadt zu Stadt reist – denn die "Veggi day"-Idee liegt derzeit im Trend, erst recht seit die Vorreiterin, die belgische Stadt Gent, mit Bremen den ersten deutschen Nachahmer gefunden hat. Und was ist mit Freiburg? Das stehe doch schon gut da, findet Peter Schach vom Umweltschutzamt, längst gehörten vegetarische Gerichte in städtischen Kantinen, Schulen und der Uniklinik fest dazu. Er hat nichts gegen einen "Veggi day" – allerdings nur dann, wenn auch an diesem Tag Fleischgerichte nicht von der Karte gestrichen werden.

Autor: Anja Bochtler