Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
28. August 2009 18:45 Uhr
Recherchen der linken Szene
Antifa spähte Weiler Neonazi aus – und kritisiert Polizei
Die Festnahme eines Weiler Neonazis, der sich Materialen zum Bombenbau besorgt hatte, geht auf die Freiburger Antifa zurück. Diese sagt: "Wir hatten bessere Informationen als die Polizei."
Letztendlich mussten die Ermittler diese Woche nur noch die Handschellen klicken lassen. Der Weiler Bombenbastler aus der Neonazi-Szene wurde ihnen sozusagen auf dem Silbertablett serviert. Die Anzeige kam von Unbekannt. Wer den Fall aufgedeckt und bis in die Details hinein aufgelöst hat, ist dagegen bekannt: Freiburgs Autonome Antifa hat ganze Arbeit geleistet und so offenbar terroristische Pläne vereitelt.
Noch bevor die Ermittler in Lörrach zur Pressekonferenz eingeladen hatten, hatte die Antifa ein langes Communiqué ins Internet gestellt, das alle Hintergründe der Verhaftung auflistete und keine Fragen offen ließ. Hinter vorgehaltener Hand gaben die verblüfften Fahnder zu, dass die Angaben der "Autonomen Ermittler" aus Freiburg gestimmt haben. Die bei der Hausdurchsuchung sichergestellten Mengen an Chemikalien hat die Antifa aufs Gramm genau und mit ihrer jeweiligen Bezeichnung im Internet aufgelistet. 22 Kilogramm Rohmaterial nämlich. Eine größere Menge ist bei Neonazis in Deutschland noch nie gefunden worden.
Werbung
Für die Autonomen steht auch fest, dass die Neonazis Anschläge planten. Sie glauben auch nicht, dass es sich bei dem Weiler mit seiner Bomben-Idee um einen Einzeltäter handelt. Seine Absichten jedenfalls hat der 22-Jährige in Nachrichten an "Kameraden" nicht verschleiert: Er wolle für den Erhalt und das Überlebensrecht seines Volkes kämpfen, "wenn nötig später auch militant, selbst wenn ich dafür mein Leben opfern müsste", schrieb er schon 2007, laut Mails, welche die Antifa gesichert hat.
Die Autonomen glauben, dass mit der Enttarnung des Weiler Rechtsradikalen der Neonaziszene ein schwerer Schlag beigebracht worden ist: Der Kopf sei erst einmal abgesägt. Aber es gebe noch andere Fälle, die unter Beobachtung stünden. Die Autonomen wollen am Ball bleiben: "Wir vertrauen der Polizei nicht,wir vertrauen nur uns selbst."
- Pressekonferenz: Weiler Neonazi hätte Bombe bauen können
- Hintergrund: Ein tiefer Einblick in das Innenleben der NPD
- Freiburg: Widerstand gegen Rechtsextreme
- Freiburg: Breites Bündnis gegen rechte Gewalt
Autor: Joachim Röderer
