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07. April 2016 16:11 Uhr

Freiburg

Archäologen finden in Altstadt Bächle aus dem Mittelalter

Nach dem Abriss eines Hauses in der Freiburger Herrenstraße haben Archäologen einen mittelalterlichen Keller und ein Bächle freigelegt. Der Fund ist von überregionaler Bedeutung.

  1. Das freigelegte Bächle, über dem rechts des abgerissenen Hauses das Dillengässle verlief Foto: Thomas Kunz

  2. Das Haus in der Herrenstraße 14-16, in dem sich früher ein Geschäft befand und das zuletzt leerstand, wurde vor kurzem abgerissen. Foto: thomas kunz

Wenn in der Freiburger Altstadt ein Gebäude abgerissen wird, damit ein neues gebaut werden kann, sind Archäologen immer in Habachtstellung, so auch in der Herrenstraße: Dort, auf einem Grundstück der Erzdiözese, wurde unlängst das Haus Nummer 14-16 abgerissen.

Im Untergrund fanden Archäologen der Denkmalpflege unter anderem einen doppelgeschossigen Tiefkeller aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sowie ein gut erhaltenes Bächlesystem aus der Zeit um 1170/1180.

Bertram Jenisch, Leiter des Fachbereichs Archäologie bei der Freiburger Dienststelle der Landesdenkmalpflege, spricht von einem überregional bedeutenden Fund. Obwohl die Grabung erst seit dem 14. März laufe, "konnten bereits interessante Siedlungsstrukturen dokumentiert werden", sagt Nadine Schneider, Sprecherin des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart, bei dem die gesamte baden-württembergische Denkmalpflege angesiedelt ist.

Mittelalterliche Bebauung

Zudem zeichneten sich im Hinterhofbereich des abgerissenen Hauses Fundamente spätmittelalterlicher Nebengebäude und Hofpflaster ab. Nach Meinung der Experten des RP Stuttgart sind im Baufenster archäologische Relikte der bis in das frühe zwölfte Jahrhundert zurückreichenden mittelalterlichen Bebauung zu erwarten. Außerdem wurde der gut erhaltene Unterbau eines Bächles aus der Zeit zwischen 1170 und 1180 freigelegt mit einer Sandsteinrinne jüngeren Datums. Über dieser Rinne, in der zuletzt ein Abwasserrohr verlegt war, verlief das Dillengässle. "Man hat das Bächlegefälle demnach bis in die Gegenwart hinein genutzt", erklärt Jenisch.

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Fünfköpfiges Team

Ein fünfköpfiges Team unter seiner Federführung ist derzeit dabei, die mittelalterlichen Mauern in der Baugrube zu untersuchen und umfassend zu dokumentieren. Die Arbeiten vor Ort dauern etwa zweieinhalb Monate, noch einmal so lange benötigen die Archäologen anschließend für die Auswertung. "Wir möchten alles klar datieren und einordnen", so Jenisch. In der Auswertungsphase können die Arbeiten für den Neubau bereits beginnen. Nur der älteste Teil der Funde, ein Keller aus der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts, bleibt erhalten. Er wird mit Kies aufgefüllt und so gesichert, dass ihn der darauf errichtete Neubau nicht tangiert.

Der Rest der freigelegten Gemäuer weicht dem Neubau. "Unsere Aufgabe ist es, die Funde möglichst intakt zu erhalten und Eingriffe zu minimieren und wo das nicht möglich ist, sie auf adäquate Weise zu dokumentieren", sagt Jenisch. Die Funde in den Neubau zu integrieren, wäre schwierig geworden, sagt der Leiter des Erzbischöflichen Bauamts, Anton Bauhofer. Der Bau des Büro- und Geschäftshauses soll etwas unter drei Millionen Euro kosten. Fertig sein soll er Ende 2017. Anschließend wird die Erzdiözese das Haus vermieten.

Ursprünglich standen im Mittelalter an jener Stelle der Herrenstraße zwei schmale Häuser, deshalb hatte das nun abgerissene Gebäude zwei Hausnummern. Seine Substanz sei nicht hochwertig gewesen, sagt Jenisch. Und Bauhofer bestätigt: "Das Haus war baufällig." Wie viele Gebäude in der Altstadt war es im Krieg zerstört und notdürftig wiederhergerichtet worden, anders als das Andlau’sche Haus schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite. Es soll nach sieben Jahrzehnten für zirka 6,5 Millionen Euro auf dem bis dato nicht wieder bebauten Grundstück errichtet werden.

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Autor: Frank Zimmermann