Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

08. Juli 2009

Aufklären, aufrütteln, unterstützen

VEREINT IM VEREIN: Das "Migrazentrum" bietet eine Anlaufstelle für alle, die mit dem Thema Genitalbeschneidung zu tun haben

  1. Sie nehmen die Beschneidung von Frauen nicht einfach hin: Helga Schulenberg, Frauke Czelinski und Barbara Happel (von links) vom „Migrazentrum“ informieren die Öffentlichkeit und begleiten Frauen. Foto: Ingo schneider

FREIBURG. Wer vorbeikommt und zu lesen anfängt, ist schnell betroffen. Das hat Helga Schulenberg schon beim Aufbauen der Ausstellung über weibliche Genitalbeschneidung gemerkt, die der Verein "Migrazentrum" ins Haus der Ärzte geholt hat. Und genau das ist das Ziel des Migrazentrums, das trotz seines Namens bisher keine eigenen Räume hat: sensibilisieren, aufklären, eine Anlaufstelle sein – für alle, die irgendwie mit dem Thema Beschneidung von Mädchen und Frauen zu tun haben.

Gar nicht so einfach: Die Fahnen und Ständer der Ausstellung, die von der Organisation "Terre des femmes" nach Freiburg geliefert wurden, sind so gut verpackt, dass Helga Schulenberg, Frauke Czelinski und Barbara Happel alle ihre Kräfte brauchen. Doch nach drei Stunden ist alles fertig – 22 Infofahnen sind im Foyer im Haus der Ärzte aufgebaut, dem Sitz der kassenärztlichen Vereinigung und der Bezirksärztekammer Südbaden. Auf den Fahnen ist jede Menge Wissen über weibliche Genitalbeschneidung konzentriert, von der erschreckenden Zahl, dass alle elf Sekunden irgendwo auf der Welt ein Mädchen beschnitten wird, bis zu den ebenso erschreckenden gesundheitlichen Folgen: unter anderem Infektionen, Schmerzen beim Wasserlassen, bei der Periode und beim Geschlechtsverkehr, psychische Probleme wie Unruhe, Angst, Depressionen. Und obwohl das Thema immer wieder in die Öffentlichkeit rückt, ist noch viel mehr Aufklärung nötig, ist Helga Schulenberg überzeugt. Sie ist Chirurgin, hat sich im Ausschuss "Gewalt gegen Frauen" der Landesärztekammer zum ersten Mal mit Beschneidung befasst und sich mit anderen zusammengetan, die das ändern wollen. Darunter sind die Homöopathin Frauke Czelinski, die Ethnologin Ute Kuszk und die Sozialpädagogin Isabelle Ihring. Sie wollen diejenigen erreichen, die hier vor Ort betroffen sind – Migrantinnen, die beschnitten sind oder ihre Töchter vor Beschneidung schützen wollen, ebenso Gynäkolog(inn)en, bei denen es häufig an Wissen und Sensibilität im Umgang mit beschnittenen Patientinnen mangelt. Ärzte sind eine der Zielgruppen für die Ausstellung, aber auch die gesamte Öffentlichkeit. Mit betroffenen Frauen in Kontakt zu kommen, ist das Schwierigste. Darum bietet das Migrazentrum ein Frauencafé beim Verein Südwind an. Ganz vorsichtig tasten sie sich dort an das heikle Thema heran – mit dem Ziel, beschnittene Frauen umfassend zu unterstützen und zu begleiten, egal ob bei Arztbesuchen oder im Asylverfahren.

Werbung


Ausstellung: bis 21. Juli, Haus der Ärzte, Sundgauallee 27. Montag bis Donnerstag 8 bis 18 Uhr, Freitag bis 16 Uhr. Eintritt frei.

Autor: Anja Bochtler