Root Factory

Hilfe für Geflüchtete, die Firmengründer werden wollen

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Di, 22. Mai 2018 um 13:56 Uhr

Freiburg

Die Ideen sind da: Das Förderprogramm "Root Factory" in Freiburg unterstützt geflüchtete Menschen beim Schritt in die berufliche Selbstständigkeit.

Sie hoffen, dass sie bald ihre Träume umsetzen können: Hamdi Salih (28) aus Eritrea will sich im Trockenbau selbständig machen, Elie Ghashash (41) und Omar Alhlwani (36) aus Syrien planen ein veganes syrisches Restaurant. Viel Unterstützung fanden die drei, die alle seit etwa zweieinhalb Jahren in Freiburg leben, beim Förderprogramm "Root Factory" des Vereins "Grünhof – Verein für gesellschaftliche Innovation". Das Programm richtete sich an geflüchtete Menschen. Das Geld dafür kommt hauptsächlich von der Schöpflin-Stiftung, es sind aber noch andere Förderer beteiligt.

Von der Idee zum Businessplan

Arbeiten heißt für Hamdi Salih, selbständig zu sein. Sein Vater hatte Restaurants im Sudan, wo die eritreische Familie gelebt hat, und er hat Business Administration studiert, also Betriebswirtschaftslehre, um dann in den Handel mit Schuhen, Kleidung und Accessoires einzusteigen. Damit hätte er in Deutschland gern weiter gemacht. Doch während des Jahres, in dem er am Programm "Root Factory" teilgenommen hat, wurde ihm klar, dass das nicht möglich wäre – denn für ein eigenes Geschäft bräuchte er sehr viel Kapital. Außerdem gibt’s in dem Bereich viel Konkurrenz.

Hamdi Salih ist flexibel, und sein neuer Plan um einiges realistischer. Nun will er ein kleines Unternehmen namens "Aya Trockenbau" gründen – zusammen mit einem festen Mitarbeiter, dessen Tochter Aya heißt.

Gemeinsam wollen sie Wände und Decken in Gebäuden einziehen, je nach Bedarf können weitere Mitarbeiter dazukommen. Die ersten Kunden hat Hamdi Salih schon, Bedarf gibt’s in Freiburg seinem Eindruck nach reichlich – der Bau boomt.
Mehr Infos:Rootfactory.org

Allerdings kann er bisher noch nicht loslegen. Zurzeit wartet er auf seine Arbeitserlaubnis, danach kommt die Gewerbeerlaubnis. Und er braucht dringend einen Kleinbus, um mitsamt dem Material zu seinen Kunden fahren zu können. Mehr Investitionen sind nicht nötig – vor allem keine teure Miete für Räume. Hamdi Salih ist den Fachleuten sehr dankbar, die ihm mit ihren "Roots-factory"-Vorträgen und Beratungen mit der Situation in Deutschland vertraut machten. Da ging es unter anderem um die Besonderheiten deutscher Behörden, Vernetzung und Coaching.

Diese vielfältigen Infos haben auch Elie Ghashash und Omar Alhlwani sehr viel weiter gebracht. Elie Ghashash hat erst als Kaufmann und dann in einer Firma für Motorersatzteile gearbeitet, bis er im Krieg seinen Job verloren hat. Bis zu seiner Flucht arbeitete er in Restaurants. Er kannte Omar Alhlwani schon in Syrien, später trafen sie sich in einer Flüchtlingsunterkunft in Heidenheim wieder, wo sie zuerst lebten. Omar Alhlwani hat in Syrien Projektmanagement studiert und bei einer Bank gearbeitet, an Wochenenden hat er Verwandten in deren Restaurant geholfen. Nach ihrem Wiedersehen in Deutschland entwickelten die beiden die Idee eines gemeinsamen Restaurants – beide bringen ja einschlägige Erfahrungen mit. Außerdem komme das syrische Essen, das sie bisher deutschen Freunden, auf Weihnachtsmärkten und bei einem Catering angeboten haben, immer bestens an. "Wir haben gemerkt: Die Leute suchen etwas Neues", sagt Omar Alhlwani. Weil speziell die Küche ihrer Heimatstadt Damaskus viel Vegetarisches und Veganes biete, wollen sie darauf ihren Schwerpunkt setzen.

Banken zögern mit Krediten

Ohne die Unterstützung durch "Root Factory" hätten sie keine Chance gehabt, ihre Pläne weiter zu verfolgen, sagen sie. "Wir haben ja kein Kapital, wir haben bei unserer Flucht alles verloren", so Omar Alhlwani. Und auch wenn sie als Syrer zumindest eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre bekommen, genügt das den Banken normalerweise nicht, wenn es um einen Kredit geht. Doch durchs Förderprogramm konnten sie gezielt Kontakte zu Banken knüpfen und ihren Businessplan präsentieren. Omar Alhlwani und Elie Ghashash haben viele Ideen für ihr Lokal. Sie suchen Räume mit 80 bis 100 Quadratmetern in der Innenstadt, die sie typisch Arabisch einrichten wollen.

Anfangs wollen sie höchstens einen Mitarbeiter anstellen und fast alles selbst machen. Anders als Hamdi Salih, der unverheiratet ist, müssen sie außer für sich selbst auch noch für ihre Frauen und jeweils zwei Kinder sorgen.