Baukosten

Ausschuss des Gemeinderats will die vergleichsweise hohen energetischen Maßstäbe in Freiburg beibehalten

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Mi, 20. April 2016

Freiburg

Umweltausschuss ist uneins über Kosten energetischer Sanierung.

Maximal zwei Prozent werden neue Häuser teurer, wenn sie höhere energetische Standards haben – so lautet das Ergebnis einer Studie im Auftrag der Stadtverwaltung (siehe BZ von gestern). Kein Grund also, von der bisherigen Freiburger Linie abzuweichen, die vergleichsweise hohe Maßstäbe setzt. Das meint Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik und darin waren sich auch die Gemeinderatsfraktionen einig, die im Umweltausschuss über die Untersuchung diskutierten. Im Detail gab es allerdings unterschiedliche Meinungen.

Nur minimal höhere Kosten, dafür aber ökologisch und sozial ein großer Gewinn: So fasste Grünen-Stadtrat Eckart Friebis die Ergebnisse der Studie zusammen. Das zeige eindeutig, dass es keinen Grund gebe, die energetischen Standards in Freiburg zurück zu schrauben, so Friebis. Zumal von stark gedämmten Häusern und guten Fenstern nicht nur die Umwelt profitiere, sondern auch die Mieter. Sie hätten dauerhaft weniger Nebenkosten, sagte Friebis – was sich besonders bemerkbar machen werde, wenn die Energiekosten, die derzeit sehr niedrig sind, in Zukunft wieder ansteigen.

Doch sind wirklich die Mieter die Nutznießer von hohen energetischen Standards? Daran hatte SPD-Stadtrat Walter Krögner so seine Zweifel. Gerade bei Sanierungen von Gebäuden habe sich immer wieder gezeigt, dass es – anders als vorher stets versprochen – "keine Warmmietenneutralität gebe". Der Mieter habe zwar durch hohe energetische Standards weniger Nebenkosten, insgesamt zahle er aber doch drauf, weil die Grundmiete höher sei, sagte Krögner. Am Ende streiche der Investor die Gewinne ein. Er plädierte deshalb dafür, mehr mit alternativen Projektentwicklern zusammen zu arbeiten, die weniger auf Profite aus seien.

Gerade die Baubranche war es, die zuletzt immer wieder die hohen energetischen Standards in Freiburg kritisiert hatte: Diese verteuerten den Wohnungsbau unmäßig. Von dieser Meinung will sich die Bauwirtschaft auch durch die neue Studie nicht abbringen lassen: Die Branche verweist auf Untersuchungen, die das Gegenteil gezeigt hätten. So lange diese Differenz bestehe, werde die Diskussion schwierig bleiben, sagte Grünen-Fraktionschefin Maria Viethen. Sie forderte die Stadtverwaltung auf, das Gespräch mit Bauträgern und Investoren zu suchen. Das sei bereits geschehen, ein weiterer Termin stehe an, berichtete Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik.

Keine Einigung in Sicht

Allerdings, so sagte Umweltschutzamtsleiter Klaus von Zahn, weigere sich die Baubranche bislang, in ihren Berechnungen bestehende Fördermittel zu berücksichtigen. Das führe zu den unterschiedlichen Ergebnissen. "In diesem Punkt wird ein Dissens bleiben", meinte von Zahn.

Als Reaktion auf die Ergebnisse der Studie hatten Öko-Aktivisten wie der Verein Ecotrinova verlangt, die energetischen Standards in Freiburg sogar eher noch höher zu schrauben. Das forderten die Fraktionen im Umweltausschuss nicht. Über das Wie wollen sie aber durchaus noch diskutieren. Sowohl Walter Krögner (SPD) als auch David Vaulont (Grüne) äußerten sich skeptisch über die derzeitige Praxis der Wärmedämmung. Die verwendeten Materialien seien meist selbst alles andere als nachhaltig, sagten sie. Hier müssten Alternativen geprüft werden.