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09. Juli 2011

Backware vom Ex-Lehrer

MENSCHEN VON NEBENAN: Raffael Zimmermann bietet Feingebäck auf dem Münstermarkt feil.

  1. Raffael Zimmermann an seinem Stand mit Feingebäck Foto: Thomas Kunz

INNENSTADT. Unter seinem Strohhut blitzt ein wohlmeinendes Lächeln hervor: Wie Raffael Zimmermann da an seinem hellhölzernen Tresen steht und die Münstermarktkäufer anstrahlt, das fällt auf. Und der bärige Typ mit seinem hohen Tresen fällt auch deshalb auf, weil er neu ist auf dem Markt, neu mit seinem zarten, feinen Gebäck, das er obendrein fast zärtlich beschreibt. Die edle Backware hier hat nicht viel mit gewöhnlichen Keksen gemein. Und es überrascht kaum, dass ihr Macher auf ungewöhnlichen Wegen zu seinem neuen kleinen Unternehmen kam.

Der da "Jacquelines Hilda-Halbkreise" als besonders köstlich anpreist, der oktogonale Münstertaler im Sortiment hat, war bis vor kurzem Möbelschlepper beim großen Umzugsunternehmen Zapf. 20 Jahre lang hat der studierte Deutschlehrer gemöbelt. Trotz eines sehr guten Examens durfte Zimmermann nämlich nicht als Lehrer arbeiten. Warum? "Berufsverbot", sagt er, "das kennen die Jungen heute gar nicht mehr, dass es zu unserer Zeit den unseligen Radikalenerlass gab." Also musste er sich nach dem Lehrerexamen zum ersten Mal komplett umorientieren.

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Nach 20 Jahren Möbelschleppen fand Raffael Zimmermann vor zwei Jahren, es sei an der Zeit, noch einmal umzusatteln. Und da fiel ihm das köstliche Teegebäck ein, das einst seine Mutter buk. Die leckeren Rezepte verfeinerte er weiter, das Sortiment wurde wieder und wieder neu variiert, parallel werkelte er am ultimativen Fahrradanhänger, um mit leichtem kleinen Stand von Lehen her auf den Markt radeln zu können. Dünn gehobelte Fichtenbretter zu einem leichten Aufbau hoch aufgesetzt und mit Bootslack lackiert: Selbst mit einer ordentlichen Ladung Feingebäck auf der Ladefläche ist der umweltfreundliche Transporter noch ein Leichtgewicht.

Und apropos Gewicht: Wer das Mürbgebäck aus Zutaten wie reichlich Butter, Eiern und edler Schokolade ersteht, wird es als süße Delikatesse dosieren. Dennoch kommen an diesem Vormittag zwei schottische Damen an den Stand und kaufen gleich fünf der Untertassengroßen Münstertaler – damit halten sie an diesem Tag den Einkaufsrekord, spenden mit jedem Taler auch noch 50 Cent für die Turmsanierung und tragen die schönsten Souvenirs von dannen.

Mit dem Stand hat sich Raffael Zimmermann gleich zwei Träume verwirklicht. Zum einen den Traum vom eigenen kleinen Geschäft. Zum anderen den Traum vom Ganzjahres-Magenbrot. Schon als Kind nämlich war ihm die lange Wartezeit zwischen den Jahrmärkten und Messen viel zu lang. Für andere Gebäcke allerdings müssen seine Kunden eben doch Geduld aufbringen. Zum Beispiel für die weihnachtlichen Lebkuchen: "Da hab ich so viel Pfeffer drin, dass einem wirklich ganz warm wird davon!" Das ist derzeit nicht nötig. Darum gehen jetzt auch eher die Nussstängeli weg oder die Rosinenbrötli. "Ich bin aus Überzeugung auf dem Münstermarkt", sagt Raffael Zimmermann, "und die Kunden ermutigen mich sehr, dass meine Idee hierher passt." Und wer’s nicht auf den Münstermarkt schafft, kann sich per Hauslieferung in Freiburg mit feinem Teegebäck ausstatten lassen.

Süße Köstlichkeiten gibt’s entweder am Tresen auf dem Markt oder per Internet: http://www.teegebaeck-raffael.de oder auf Anruf 0761/892750.

Autor: Julia Littmann